Redakteur © CC0 Public Domain
Berufsbilder (4)

Redakteur: Klassisch und vielfältig in die Branche

 

Wenn man als Schreiberling in die Medienwelt einsteigen möchte, liegt es nahe, Redakteur zu werden. Doch muss man bei dieser Berufsbezeichnung bedenken, wie viele Optionen es gibt. DWDL.de hat sich in der Branche umgehört und gibt einen kleinen Einblick.

von Kevin Hennings
21.03.2017 - 15:20 Uhr

Wenn man von einem Redakteur spricht, spricht man nicht gleich von einem Redakteur. Da muss nämlich erst einmal differenziert werden: Meint man einen journalistisch arbeitenden Redakteur oder einen, der für eine Unterhaltungsshow, eine Fernsehserie oder eine Reportage schreibt? Doch egal welche Redaktion man sein zu Hause nennt oder wie der Auftraggeber heißt, man sollte die Eigenschaft haben, schreiben zu können. Aber was sollte ein interessierter Schreiberling für die jeweiligen Gebiete sonst noch in petto haben?

 

Steffen Lindinger ist bei der UFA Show & Factual angeheuert und sitzt derzeit in der Quiz-Redaktion von "Wer weiß denn sowas?". "Da ich hier in einem Team arbeite, ist es sehr wichtig, dass ich kommunikativ und absolut gemeinschaftlich bin. Darüber hinaus sind Improvisationstalent, Kreativität, und eine gute Organisation gefragt", erzählt er DWDL.de im Gespräch. Silke Mauritius, die bereits an Nachmittagsformaten wie "Blaulichtreport" beteiligt war, erwähnt, dass in ihrem Metier auch die eigene psychische Belastbarkeit nicht vergessen werden sollte. Nicht unbedingt wegen der Arbeitstätigkeit an sich, sondern wegen all den kurz befristeten Verträgen, die auf Dauer anstrengend werden können. "Das kommt mir manchmal vor wie lebenslängliche Probezeit."

Benjamin Stremming, der derzeit als Redakteur und Realisator für eine WDR-Reportage tätig ist, plädiert außerdem für eine natürliche Neugier auf immer neue Themen: "Man muss Spaß daran haben, sich ständig in Neues einzuarbeiten und dabei oft von 'Null' anzufangen. Das kann frustrierend sein, dafür hört das Lernen aber nie auf." Sollte man jedoch Interesse daran haben, bei einer Unterhaltungsshow wie "Circus Halligalli" mitzuwirken, könnte man sein Glück auch ohne große Vorkenntnisse versuchen. Klar, auch hier sollte man ganze Sätze schreiben können. Doch "alles andere kann man lernen", versichert Redakteur Daniel von Florida TV.

Damit sind die Grundvoraussetzungen geklärt. Doch wie würde ein typischer Tag im jeweiligen Bereich aussehen? Eine kleine Übersicht:

Der redaktionelle Ablauf einer Quizshow:

"Da ich in einer Quiz-Redaktion sitze, gehört es natürlich zu meinem Arbeitsalltag, interessante Fragen zu recherchieren und zu schreiben", erklärt Steffen Lindinger. "Zur Recherche nutzen wir das Internet, aber auch Bücher, Magazine und Zeitungen. Außerdem produzieren wir für jede Frage, die am Ende in der Sendung gespielt wird, einen kurzen Film, der die Frage auflöst und die richtige Antwort dazu kurz, prägnant und unterhaltsam erklärt. Daraus besteht der zweite Teil meiner Arbeit: Zu jedem dieser Einspieler wird ein Text geschrieben und wir suchen passendes Material, um die Antwort zu bebildern. Dafür nutzen wir entweder professionelle Agenturen, private Anbieter oder einen Eigendreh, womit wir beim dritten Teil meines Arbeitsalltags sind. Als drehender Redakteur plane ich gemeinsam mit den Kollegen die Drehtage für die Einspieler. Meist haben wir pro Woche einen Drehtag, an dem wir selbst Material für die Filme drehen. Wir verfilmen die Texte der Fragen ähnlich einem Drehbuch: Die Lösung der jeweiligen Frage wird kurz und verständlich im Bild demonstriert. Zu guter Letzt muss sämtliches Material, das verwendet wurde, für die Rechteklärungen nachgehalten werden."

Der redaktionelle Ablauf hinter einer Nachmittagsserie:

Da hier an einem Format gearbeitet wird, das täglich im Fernsehen zu sehen ist, sieht der Alltag ebenso koordiniert aus: "Jeden Tag suche ich mir Ideen und stelle sie im Anschluss im Team vor. Ideen, die für gut befunden werden, setze ich schriftlich um. Dass, was ich geschrieben habe, überarbeite ich noch einmal, nachdem ich mir Feedback abgeholt habe. Das geht so lange, bis alle Beteiligten zufrieden sind", sagt Silke Mauritius. Vom Schreibtisch weg kommt man dann, wenn der Redakteur mit vor Ort sein muss, um sich von der Location inspirieren zu lassen. 

Der redaktionelle Ablauf bei einer Reportage:

Für Benjamin Stremming beginnt der Tag mit Mails checken und einem Briefing mit den Kollegen, um auf den gleichen Wissensstand zu kommen. "Dann fällt klassische Recherchearbeit an, telefonieren mit Experten oder Protagonisten, Studien durchforsten, wissenschaftliche Arbeiten lesen und in den Mediatheken nach Dokumentationen und Berichten suchen." Mittags heißt es dann einmal mehr, sich mit den Kollegen auszutauschen, ehe sich nachmittags der Prozess vom Vormittag fortsetzt. "Dazu kommen können Locationbesichtigungen vor Dreharbeiten oder persönliche Treffen mit den Experten oder Protagonisten." Dadurch kann der Feierabend auch mal sehr flexibel geraten. 

Der redaktionelle Ablauf einer Unterhaltungsshow:

Daniel arbeitet bei Florida TV unter anderem für "Circus Halligalli" oder "Das Duell um die Welt" und meint, dass die Tage bei ihm sehr unterschiedlich aussehen können. "Es kann sein, dass man einen ganzen Tag an einem Skript für einen Einspielfilm sitzt, den kompletten Tag dreht, eine Studioaktion vorbereitet oder schneidet." Der Dienstag verläuft aber jede Woche gleich: "Man bespricht die vergangene Sendung, es wird über Ideen geredet und gemeinsam die Inhalte für die kommende Sendung festgelegt."

Zu zart besaitet sollte man als Redakteur übrigens nicht sein, egal wo man arbeitet. Da ist man sich durch die Bank weg einig. Durch unerwartete Geschehnisse kann es immer mal passieren, dass der eigens angefertigte Zeitplan über den Haufen geschmissen wird und man innerhalb kürzester Zeit einen neuen Weg einschlagen muss. Apropos einen neuen Weg einschlagen: Auch wenn es nicht typisch ist, dass jeder Redakteur um die Welt jettet, um seine Story auf die Beine zu stellen, sollte man dem Reisen generell nicht abgeneigt sein.

Der Einstieg in diesen Beruf kann so vielfältig geschehen, wie die Möglichkeiten, die zur Auswahl stehen. Zwar ist ein Studienabschluss eine gute Referenz, jedoch noch lange keine Garantie dafür, dass man mit Handkuss in seiner Wunschredaktion aufgenommen wird. Die Branche ist offen für Quereinsteiger und wer es weiß, sich richtig zu präsentieren und genug Engagement zu zeigen, könnte ebenfalls mit einem Praktikum in diesen Beruf starten. Ein weiterhin etablierter Weg, fest in eine Redaktion zu gelangen, geschieht über das Volontariat. Wenn man also unbedingt Redakteur werden möchte, hat man die ein oder andere Option zur Wahl.

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Sie haben einen Text aus dem Archiv des Medienmagazins DWDL.de aufgerufen, das bis ins Jahr 2001 zurückreicht und mehrere Zehntausend Artikel umfasst.



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