Wir reiben mal selbst in der Wunde

Pleiten, Pech und Pannen: Unsere größten Flops

 

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Der Grimme Online Award stand im Jahr 2007 im Mittelpunkt scharfer Kritik, weil die Jury des Online-Preises Webangebote von Jurymitgliedern nominierte. Kurz aber heftig wurde über die Ernsthaftigkeit der Auszeichnung diskutiert. DWDL.de berichtete über die Aufregung im Web und interessierte sich auf der anderen Seite auch für die Sichtweise des Adolf Grimme Instituts als Stifter der Auszeichnung. Geführt wurde das Interview von einem damaligen DWDL.de-Redakteur, der in früheren Jahren auch schon einmal das Adolf Grimme Institut bei der PR unterstützte. Das war keine gute Idee. Eine schlechte sogar und das obwohl das Interview selbst nicht zu beanstanden war. DWDL.de erhielt dennoch berechtigterweise Häme und Spott dafür. Wichtig ist aber: Der Kollege hat sauber gearbeitet und stand damals wie heute für gründlichen Journalismus. Drei Redakteure saßen damals im Redaktionsloft. Hätte einfach nur jemand anderes das Telefon-Interview geführt, hätte es niemand gestört.

Ebenfalls im Jahr 2007 startete DWDL.de eine neue TV-Community im Netz. Guggr.de sollte eine neue Plattform für den Austausch von Fernsehzuschauern werden, die hier möglichst einfach über aktuell laufenden Programme diskutieren. Damit sollte im Idealfall den Fernsehschaffenden in Echtzeit eine qualitative Quote geboten werden, die mehr aussagt als die Zuschauerzahl allein. Unserem Vorbild folgten zahlreiche Nachahmer. Doch leider kam Guggr.de nie richtig in Schwung. Die Idee war jedoch nicht falsch. Nur das Medium. Später zeigte sich, dass die Nutzung bestehender Dienste wie Twitter oder Facebook dafür besser geeignet sind als ein eigenes Portal. Wir haben die Domain guggr.de sowie die Marke verkauft. Mit dem heutigen Kinomagazin unter Guggr.de hat die DWDL.de GmbH nichts mehr zu tun.

Im Jahr 2008 gab es wieder einmal eine dieser peinlichen Falschmeldungen. Auch wenn sie diesmal keine so große Welle geschlagen hat, haben wir uns doch erneut unheimlich geärgert. Im April des Jahres kursierte eine Meldung der Nachrichtenagentur AFP wonach laut einem Vorstoß des EU-Parlaments die Synchronisation ausländischer Beiträge bei ARD und ZDF abgeschafft und durch Untertitel ersetzt werden soll. Die Meldung fand sich sich schnell bei allen Nachrichtenportalen, die AFP-Dienste nutzten und so wurden auch wir darauf aufmerksam. Aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen haben wir die Meldung der AFP nicht hinterfragt und vermeldet. Wenige Stunden später mussten wir zurückrudern und korrigieren: Zwar sollten künftige alle Sendungen untertitelt werden - doch mit der Synchronisation hing dieser Vorstoß des EU-Parlaments nicht zusammen. Im damaligen Redaktionsblog haben wir uns ausführlich entschuldigt.

Vor dem Hintergrund des großen Erfolges der DWDL.de Jobbörse starteten wir im vergangenen Jahr "Vitamin D" - eine Experten-Plattform bei der sich freischaffende Medienmacher und Kreative präsentieren konnten. Wir wollten ergänzend zur Jobbörse eben nicht nur Unternehmen sondern Einzelpersonen eine Präsentationsfläche für Ihre Leistungen und Fähigkeiten bieten. Wir waren überzeugt davon, doch das Angebot wurde nicht angenommen. Wir haben knapp ein Jahr alles probiert und mussten das Angebot dann doch wieder einstellen. Und wie das Leben so spielt meldeten sich just nach der Abschaltung vereinzelte weitere Interessenten. Doch vorerst konzentrieren wir uns auf die DWDL.de Jobbörse und überlassen die Idee einer Datenbank für Medienschaffende anderen. Den Versuch war es wert, auch wenn das Scheitern einer Idee immer wieder schmerzt.

Auch in diesem Jahr ging es nicht ohne Pleiten, Pech und Pannen. Wer unseren Relaunch im Februar verfolgt hat, der weiß, wovon wir reden. In der Nacht zum 15. Februar wollten wir unseren neuen Internet-Auftritt live schalten. Und bis zum Vormittag lief alles gut - bis der Ansturm zu groß wurde. Nichts ging mehr. DWDL.de war daraufhin gleich 24 Stunden offline. Als Segen erwiesen sich Twitter und Facebook. Über diese Kommunikationswege konnten wir unabhängig von unserer Website informieren. Und das taten wir. Es sollte ja ein Social Relaunch werden, der unsere Leser an jedem Schritt teil haben lässt. Dass der Relaunch uns so viel Kopfschmerzen bereiten würde, hatten wir vorher ja nicht gedacht. Als DWDL.de auch in der Nacht vom 15. auf den 16. Februar offline blieb, haben wir auf einer Baustellen-Seite Phil Collins mit dem Song "One more night" eingebunden. Wenn nichts mehr geht, geht eben nur noch Galgenhumor.

Und dann ist es gerade einmal anderthalb Wochen her, dass wir auf eine Pressemitteilung von ProSieben hereingefallen sind. In einer Eilmeldung vermeldete das Unternehmen drei Kandidaten hätten das Realityformat "Die Alm" verlassen. Weil wegen dem Brand bei ProSiebenSat.1 die Telefonanlagen noch immer nicht funktionierten, war wegen Rückfragen dazu bei ProSieben niemand zu erreichen. Wir vertrauten der Mitteilung und fielen auf einen PR-Gag rein. Das lehrt uns: Auch nach zehn Jahren ist man vor Fehlern nicht geschützt. Das ist bitter aber kann helfen, wenn man daraus lernt. Und bei über 25.000 Meldungen in fast zehn Jahren sind so manche Peinlichkeiten prozentual gar nicht messbar. Ärgern tun sie uns trotzdem. Aber wer behauptet fehlerfrei zu sein, der lügt. Deswegen ist sicher: Wir werden auch in Zukunft Fehler machen. Und wir freuen uns auf die kritische Beobachtung durch unsere Leser. Denn: Wer in der Öffentlichkeit kegelt, muss damit rechnen, dass andere die Punkte zählen.

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Sie haben einen Text aus dem Archiv des Medienmagazins DWDL.de aufgerufen, das bis ins Jahr 2001 zurückreicht und mehrere Zehntausend Artikel umfasst.



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