ORF © ORF
Die regierende ÖVP will dem ORF 70 Millionen Euro an Bundesmitteln streichen, bei einem Gesamtbudget von rund 1,1 Milliarde Euro (Beitragseinnahmen + Werbung) würde das durchaus ins Gewicht fallen. Bei den 70 Millionen handelt es sich um die Abgeltung des Bundes für den Entfall der Umsatzsteuer, nachdem die ORF-Finanzierung auf den Beitrag umgestellt wurde. Der ORF hat seither kein Recht mehr auf Vorsteuerabzug - und bekommt dafür eben diese 70 Millionen Euro vom Staat. "Auch der ORF muss bei der Sanierung des Staatshaushaltes einen Beitrag leisten", erklärte ÖVP-Mediensprecher Nico Marchetti gegenüber dem "Standard". 

© ORF/Thomas Ramstorfer
Die ÖVP-Forderung hat im ORF, aber auch darüber hinaus, für viel Aufregung gesorgt. Die Produzentenverbände AAFP und Filmaustria befürchten, dass die 70 Millionen Euro vor allem im Programm fehlen werden - also letztlich die Produktionsfirmen im Land treffen. Der ORF sei das "wirtschaftliche Rückgrat der Fernsehfilmwirtschaft". Der Stiftungsratsvorsitzende Heinz Lederer hat unterdessen Verständnis für den Vorschlag der ÖVP gezeigt. Es könne "keine Scheuklappen geben", so Lederer im "Standard"-Interview. Auch der ORF müsse "seinen Beitrag leisten". Gleichzeitig dürfe es keinen Kahlschlag geben, so der Vorsitzende des Aufsichtsgremiums. Der ORF müsse auch gegenüber Produzenten "paktfähig" bleiben. Lederer will auch an die Gehälter der ORF-Spitzenverdiener ran, mit der neuen Geschäftsführung will er unter anderem eine "viel höhere Erfolgskomponente" vereinbaren. AAFP und Filmaustria bezeichneten die Aussagen von Lederer ("keine Scheuklappen") als ein "Warnsignal, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen als Selbstzweck verstanden wird" und dabei unverhohlen in Kauf genommen werde, "jeden Kontakt zum Publikum und somit zu den Gebührenzahler:innen zu verlieren". 

Seven.One Austria © Seven.One Austria
ProSiebenSat.1Puls4 (P7S1P4) verpasst seiner Vermarktungseinheit ab sofort eine neue Marke. Künftig tritt das Team als Seven.One Austria auf. Der gesamte Ad-Monetization‑Bereich wird künftig also unter diesem neuen Namen geführt, auch die Webseite hat man entsprechend überarbeitet. P7S1P4 folgt damit der Markenlogik in Deutschland und will es den Kundinnen und Kunden einfacher machen, den Überblick zu behalten. Commercial Director Peter Strutz sagt: "Wir verstehen uns nicht nur als Vermarkter, sondern als Wachstums- und Lösungspartner unserer Kund:innen und Agenturen. Unser Anspruch ist klar: Wir wollen Unternehmen dabei unterstützen, ihre Ziele schneller, effizienter und nachhaltiger zu erreichen – mit starken Inhalten, relevanten Reichweiten und innovativen Werbelösungen über alle Screens hinweg." Der Gesamtkonzern hört weiterhin auf den Namen ProSiebenSat.1Puls4.

Joyn © Joyn
Zum dritten Geburtstag von Joyn in Österreich hat ProSiebenSat.1Puls4 jetzt außerdem einige Neuerungen angekündigt. So führt man in einigen Tagen erstmals auch Joyn+ ein, den Premium-Bereich gab es bislang in Österreich nicht. Für 8,99 Euro im Monat (6,99 Euro monatlich im Jahresabo) sollen die Nutzerinnen und Nutzer nicht nur deutlich weniger Werbung und die zuletzt auch für Deutschland angekündigte Download-Funktion erhalten, sondern auch zusätzliche Live-Signale von TV-Sendern. Mit dabei sind neben den eigenen Pay-TV-Kanälen (ProSieben Fun, Sat.1 Emotions, Kabel Eins Classics) auch einige Öffentlich-Rechtliche aus Deutschland, also beispielsweise Das Erste, ZDF, 3sat und Arte. Darüber hinaus soll das bestehende Angebote "in vollem Umfang kostenlos nutzbar" bleiben, heißt es. Der Fokus liege weiterhin auf dem AVoD-Modell. Inhaltlich hat Joyn nun auch die Personality-Doku "Team Arnautovic" angekündigt. In dem Format begleitet man den Fußball-Nationalspieler Marko Arnautović und seine Familie in ihrem täglichen Leben. Der Start des Formats soll im Juni, noch vor dem WM-Beginn, erfolgen. 

ServusTV © ServusTV
Lange ist darüber spekuliert worden, wie ServusTV nach dem Abgang von Ex-Senderchef Ferdinand Wegscheider aussehen wird. Sein Posten wurde nicht nachbesetzt, dafür gibt es mit Matthias Brügelmann einen inhaltlich Verantwortlichen aller Servus-Marken. Nun ist ein zentrales Sportrecht verlängert worden: Die MotoGP ist bis 2030 beim Sender zu sehen, die Rennen sorgen bei ServusTV regelmäßig für sehr hohe Quoten. Mit der Tageszeitung "Kurier" hat Brügelmann darüber hinaus über die Zukunft von Servus Media gesprochen. Hier wolle man künftig "digital first" denken. "Unser Ziel ist klar: Wir wollen digital noch relevanter werden und weiter wachsen. Gleichzeitig tun wir alles dafür, um stärkster Privatsender zu bleiben", sagt Brügelmann. Bei der Ausschreibung der UEFA-Klubwettbewerbe ging ServusTV jüngst leer aus. Es würden bei Sportrechten teils Preise gezahlt, "die für uns in keiner wirtschaftlichen Relation stehen", so Brügelmann generell zum Thema. Einschnitte wird es wohl auch in der Fiction geben. Hier will man sich bei ServusTV künftig verstärkt auf Kauf- und Ko-Produktionen konzentrieren statt auf Eigenproduktionen. Ein kompletter Rückzug aus der Fiction sei "aktuell kein Thema". 

Geldscheine © Chobe / photocase.com
Die Tageszeitung "Der Standard" und der Investigativpodcast "Die Dunkelkammer" haben mit einer Recherche zur Finanzierung von ORF-Dokus für Aufsehen gesorgt. So wurden auf ORF 3 Dokumentationen ausgestrahlt, die von Unternehmen und anderen Organisationen, wie beispielsweise der ÖBB oder der Wirtschaftskammer, beauftragt und fast vollständig finanziert wurden. Wie die Medien berichten, hat der ORF in einigen dieser Fälle nur sehr geringe Lizenzgebühren gezahlt. Für die Zuschauerinnen und Zuschauer war das aber offenbar nicht ersichtlich, die Filme sahen aus wie normale ORF-Produktionen. Der ORF sieht in dem Vorgehen kein Problem und erklärt gegenüber "Standard" und "Dunkelkammer": "Es handelt sich bei der 100 Jahre ÖBB Doku um einen klassischen Kauf mit Bearbeitungsrechten. Zuständiger Redakteur war der Leiter der ORF III Zeitgeschichte Redaktion.[...] Gleiches gilt für die anderen genannten Programmankäufe".

Roland Weißmann © ORF/Thomas Jantzen
Der zurückgetretene ORF-Chef Roland Weißmann ist unterdessen juristisch gegen seine Kündigung vorgegangen, darüber berichten mehrere österreichische Medien übereinstimmend. Der erste Verhandlungstermin in der Sache soll demnach am 11. August stattfinden. An diesem Tag hätte der ORF-Stiftungsrat eigentlich über den künftigen ORF-Chef bzw. ORF-Chefin bestimmen sollen, inzwischen wurde die Wahl jedoch vorverlegt. Das Verfahren dürfte viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der ORF kündigte dem ehemaligen Generaldirektor nämlich wegen des "Anschein unangemessenen Verhaltens". Zuvor hatte ihm eine Mitarbeiterin sexuelle Belästigung vorgeworfen, eine ORF-interne Untersuchung konnte in diesem Punkt "im rechtlichen Sinn" keine Schuld Weißmanns feststellen. Der ehemalige ORF-Chef fordert von seinem ehemaligen Arbeitgeber fast 4 Millionen Euro (DWDL.de berichtete). 

Österreich in Zahlen

Eurovision Song Contest 2026 © DWDL.de
In Österreich und speziell in Wien steht in dieser Woche alles im Zeichen des Eurovision Song Contest (ESC). Am Dienstag ist das erste Halbfinale in ORF 1 zu sehen gewesen - und das holte direkt sehr hohe Quoten. 574.000 Menschen sahen in den ersten 40 Minuten zu und schraubten den Marktanteil so auf 24 Prozent nach oben. Danach sahen sogar 622.000 Personen zu und es wurden 28 Prozent gemessen. Nach 22 Uhr gingen die Gesamtreichweiten der Show zwar zurück, die Marktanteile stiegen aber weiter. So lag das Halbfinale am späten Abend bei mehr als 30 Prozent Marktanteil. Das Halbfinale war damit auch deutlich erfolgreicher als im vergangenen Jahr, als in der Spitze nur etwas mehr als 300.000 Menschen einschalteten.

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