Als die Österreichische Fußball-Bundesliga und Sky im September des vergangenen Jahres doch noch eine Einigung in Sachen Übertragungsrechte verkündeten, schien es, als würde alles seinen gewohnten Gang gehen. Im zweiten Anlauf waren sich die Parteien einig geworden, Sky bleibt bis zum Ende der Saison 2029/30 der mit Abstand wichtigste Partner der Liga und wird in dieser Zeit einen Großteil der Spiele live und exklusiv übertragen - dafür zahlt Sky dem Vernehmen nach deutlich weniger als bislang. In einer ersten Runde lehnte die Liga ein Sky-Angebot noch ab und drohte mit einer Selbstvermarktung der Spiele über einen eigenen (noch nicht vorhandenen) Streamingdienst. Dazu kommt es nun nicht. Wenn die neue Rechteperiode ab dem Spätsommer startet, stehen aber trotzdem größere Veränderungen in der Sky-Berichterstattung an.
So wurde jetzt bekannt, dass Sky Österreich seine Bundesliga-Berichterstattung künftig nicht mehr aus den Wiener Auhof Studios fahren wird, das hat der Sender gegenüber der Tageszeitung "Kurier" bestätigt. Gegenüber DWDL.de teilt eine Unternehmenssprecherin mit: "Die Verträge mit technischen Dienstleistern laufen bei uns grundsätzlich parallel zu den Lizenzrechten. Daher läuft auch die Vereinbarung rund um die Auhof Studios planmäßig aus. Größere Leistungen schreiben wir regelmäßig neu aus." Seit 2014 kam die Rahmenberichterstattung rund um die Spiele der Bundesliga aus diesen Studios, 2022 folgte der letzte größere Relaunch. Auch andere Sendungen hatte Sky hier produziert. Die Berichterstattung rund um die europäischen Klubwettbewerbe bestreitet Sky Österreich schon seit einiger Zeit aus Unterföhring - und sorgt hier für eine entsprechende Auslastung der Studios.
Wie es nun in Sachen Bundesliga-Berichterstattung weitergeht, ist unklar. Spekuliert wird in der Branche sogar darüber, dass sich Sky möglicherweise komplett vom Konzept einer Studioshow an den Spieltagen verabschieden könnte. Beim Sender will man sich zum künftigen Übertragungskonzept noch nicht äußern. Eine Sprecherin teilt gegenüber DWDL.de mit: "Wir arbeiten aktuell an einem optimierten Redaktionskonzept für die ADMIRAL Bundesliga." Man wolle eine moderne und flexible Berichterstattung, die näher am Spielgeschehen sei, darauf liege der Fokus. "Details zur konkreten Umsetzung und zu neuen Formaten werden wir rechtzeitig vor Saisonstart kommunizieren." Möglich wäre, direkt aus den Stadien zu berichten - mal mit mehr, mal mit weniger Personalaufwand. In jedem Fall wäre es eine Revolution in der Berichterstattung.
Auch hinter den Kulissen kommt es zu Beginn der neuen Saison zu Veränderungen. Anders als in der Vergangenheit wird Sky nicht mehr als Host Broadcaster fungieren, um die Produktion der Bilder bzw. Signale kümmert sich fortan das Wiener Unternehmen Uppercut Broadcast, das auch schon zuvor in die Produktion eingebunden war. Für Sky ergibt sich daraus jedoch eine neue Rolle, man ist künftig ausschließlich Signalabnehmer - und damit weniger tief im Produkt Bundesliga integriert. Beim Sender betont man die langjährige Zusammenarbeit mit Uppercut, die man ab der neuen Saison in neuer Konstellation fortführen werde. "Im Zuge dessen werden wir auch das neue Sendezentrum von Uppercut in Wien nutzen", so eine Sky-Sprecherin.
Der mögliche Wegfall der Studio-Berichterstattung rund um die Österreichische Bundesliga wirft zudem eine ganz andere Frage auf: Welchen Stellenwert hat Sky Österreich künftig noch im Gesamtkonzern? Das deutschsprachige Sky-Geschäft wird aktuell bekanntlich von RTL übernommen, der Deal soll zum 1. Juni abgeschlossen sein. Zuletzt hatte Sky Österreich wichtige Übertragungsrechte im europäischen Klubfußball verloren (DWDL.de berichtete). Michael Radelsberger, zuletzt nicht mehr nur Chef von Sky Österreich, sondern auch von Sky Media, steigt in die Geschäftsführung von RTL Deutschland auf. Am Hauptsitz von Sky Österreich am Wiener Handelskai soll es vorerst keine Veränderungen geben, das bestätigt eine Sprecherin gegenüber DWDL.de.
Was sonst noch passiert ist
© Chobe / photocase.com
Schon länger arbeitet die Regierungskoalition zwischen ÖVP, SPÖ und Neos an einer möglichen Einführung einer Investitionsverpflichtung bzw. Abgabe für Streamingdienste. Nun berichtet der "Kurier" über Details eines Gesetzesentwurfs. Dieser sieht eine Abgabe für audiovisuelle Mediendienste in Höhe von 12 Prozent auf die Umsätze im Bereich Streaming vor. 7 Prozent müssten direkt gezahlt werden, den Rest könnte man sich auch durch Investitionen in Produktionen anrechnen lassen. Betroffen von der Maßnahme wären auch österreichische TV-Sender und Streamer, wobei der ORF ebenso ausgenommen wäre wie solche Anbieter, deren Inhalte ausschließlich aus News oder Sport bestehen - das würde wohl auch DAZN umfassen.
© VÖP
Der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) läuft via Pressemitteilung jedenfalls Sturm gegen den Plan der Regierung. Der VÖP bezeichnet die wirtschaftliche Lage der privaten TV-Sender und audiovisuellen Abrufdienste als "bereits jetzt existenzbedrohend". Immer mehr Werbebudgets würden an ausländische Digitalkonzerne fließen. "Eine zusätzliche Abgabe würde die wirtschaftliche Grundlage vieler österreichischer Medienanbieter weiter verschlechtern", heißt es vom VÖP. Der Verband warnt vor zusätzlichen Belastungen in Höhe von 20 Millionen Euro - und infolgedessen von Arbeitsplatzverlusten in dreistelliger Höhe. Der VÖP rechnet zudem damit, dass die Menschen in Österreich die Abgabe spüren werden, weil einige Streamingdienste diese wohl zumindest teilweise an ihre Kundinnen und Kunden weitergeben würden. Geht es nach dem Verband, sollte die Maßnahme vor allem internationale Anbieter treffen, die in Österreich Umsätze erzielen, aber kaum Wertschöpfung im Land leisten.
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Dass das WM-Angebot der Deutschen Telekom auch in Österreich bei MagentaTV zu sehen sein wird - und wie das die österreichische TV-Branche überrascht hat - hatten wir bereits an dieser Stelle berichtet. Nun öffnet der Anbieter die Übertragungen für alle Menschen in Österreich. War bislang noch ein Magenta-Internettarif nötig, um das WM-Angebot zu buchen, fällt diese Hürde nun weg. Ab sofort können alle Fans das entsprechende TV-Paket buchen, also auch außerhalb des Magenta-Netzes. Das schlägt mit einmalig 19,90 Euro und ohne Bindung zu Buche. Das Paket endet nach Magenta-Angaben automatisch eine Woche nach dem Finale. "Wir bei Magenta sind fußballbegeistert – als Fans, als Partner des ÖFB und als Unternehmen, das den Fußball in Österreich seit Jahren mit Leidenschaft begleitet. Genau deshalb machen wir dieses außergewöhnliche WM-Erlebnis allen Menschen in Österreich zugänglich. [...] Gerade bei einer Weltmeisterschaft geht es um mehr als nur 90 Minuten Fußball: Es geht um Mitfiebern, Diskutieren, Jubeln und gemeinsame Momente. Und genau dieses komplette Erlebnis liefern wir", sagt Thomas Kicker, CEO Magenta Telekom.
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Der DFB Pokal wird auch in den kommenden Jahren bei ServusTV zu sehen sein, das hat der Salzburger Privatsender jetzt bestätigt. Bis inklusive 2029/30 wird man pro Saison elf Spiele live und exklusiv im österreichischen Free-TV übertragen. Im Anschluss an jede Live-Übertragung gibt es zudem die Tore und Highlights einzelner Matches zusammengefasst. "Fußball auf Top-Niveau und packende Matches mit dieser ganz speziellen Pokal-Spannung – der DFB-Pokal zieht die Fans seit jeher in seinen Bann. Umso mehr freut es uns, dass wir den österreichischen Fußballfans bei ServusTV On und ServusTV weitere vier Jahre die Spiele im DFB Pokal live und kostenlos anbieten können", sagt Matthias Brügelmann, Global Head of Content bei Servus Media.
Österreich in Zahlen
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Der vom ORF veranstaltete Eurovision Song Contest (ESC) in Wien hat in der zurückliegenden Woche alles überstrahlt. Wie schon zuletzt bei den Halbfinals weist der Sender die Quoten des Events in mehreren Teilen aus - so kann der ORF einfacher Werbung platzieren (mehr zur ESC-Vermarktung lesen Sie hier). Im Schnitt kam die Präsentation der Songs auf 1,54 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer sowie 56 Prozent Marktanteil. In der Altersklasse 12-49 wurden 69 Prozent gemessen, bei den 12- bis 29-Jährigen sogar 78 Prozent. Die Punktevergabe kam am späten Abend noch auf 1,44 Millionen Zuschauende sowie 72 (ab 12 Jahren), 78 (12-49) sowie 90 Prozent Marktanteil (12-29). Als nach Mitternacht Bulgarien als Sieger gekürt wurde, lag der Marktanteil bei den ganz jungen Zuschauerinnen und Zuschauer bei unfassbaren 93 Prozent.
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Ingrid Thurnher
Für den ORF ist es damit nach eigenen Angaben der erfolgreichste ESC seit 2015 gewesen - auch damals kam der Musikwettbewerb aus Wien. 100.000 Menschen waren laut ORF an diesem Wochenende zudem im Livestream mit dabei - damit war es der erfolgreichste ESC-Livestream seit Einführung der AGTT Streaming-Messung im Jahr 2017. ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher sagt: "Mit der Ausrichtung des 70. Eurovision Song Contest hat der ORF ein internationales Großereignis realisiert, das von Millionen Menschen weltweit verfolgt wurde. Die Jubiläumsausgabe des größten TV-Unterhaltungsevents der Welt hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wofür der ORF steht: für kulturelle Vielfalt, Offenheit und erfolgreiche Zusammenarbeit über nationale Grenzen hinweg."
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Einen erfolgreichen Abschied hat am Montag derweil "Kommissar Rex" gefeiert. Die vorerst letzte Ausgabe der Krimireihe erreichte in ORF 1 durchschnittlich 544.000 Zuschauerinnen und Zuschauer, damit waren sehr gute 23 Prozent Marktanteil drin. Die ganz hohen Reichweiten vom Staffelstart, als mehr als 750.000 Personen einschalteten, konnte man zwar nicht halten, das tut dem Erfolg aber keinen Abbruch. Die Neuauflage war für den ORF - ebenso wie für Sat.1 - ein sehr schöner Erfolg. Nun werden die Verantwortlichen darüber entscheiden müssen, ob die Reihe eine Zukunft hat.