Schon seit vielen Monaten ist klar, dass viele Spiele der Fußball-WM in diesem Sommer bei ARD und ZDF zu sehen sein werden. Die Öffentlich-Rechtlichen einigten sich mit der Deutschen Telekom auf Sublizenzen, alle 104 Begegnungen gibt es nur bei MagentaTV zu sehen. Die Telekom-Plattform zeigt in diesem Jahr so viele Spiele exklusiv wie bei überhaupt noch keinem Turnier (DWDL.de berichtete). Und etwas überraschend ist die Telekom nun auch in Österreich am Start. Vor einigen Tagen hatte man angekündigt, als einziger Anbieter in Österreich auf MagentaTV alle Spiele zu zeigen - und das in UHD-Qualität. 

Viele Beobachterinnen und Beobachter wussten zunächst nicht, wie diese Meldung einzuordnen ist: In den einschlägigen Fachportalen ist die Pressemitteilung von MagentaTV ohne große Analyse übernommen worden. Ganz nach dem Motto: Hier laufen die Spiele übrigens auch. Hinter den Kulissen wurden die Free-TV-Partner von dem Move der Deutschen Telekom aber überrascht - und das ist durchaus verständlich. Schon seit Monaten steht fest, dass sich ORF und ServusTV sämtliche Spiele teilen. Alle Partien sind also im Free-TV zu sehen. 

Unter normalen Umständen macht es da überhaupt keinen Sinn, die WM auch bei einem Pay-TV-Sender zu zeigen. In diesem Fall ist aber alles ein bisschen anders. Denn MagentaTV in Österreich greift schlicht auf die Übertragungen zurück, die die deutschen Kolleginnen und Kollegen ohnehin produzieren. Für die Berichterstattung hatte die Telekom Stars wie Thomas Müller, Mats Hummels und Jürgen Klopp engagiert. Johannes B. Kerner und Laura Wontorra führen durch die Übertragungen - und werden damit auch in Österreich zu sehen sein. Von einem "Sportfest der Superlative" sprach Arnim Butzen, Chef von MagentaTV, vor einigen Wochen, als man das Line-Up vorstellte. Auch die drei dezidierten Fußball-Kanäle, die während der WM betrieben werden, übernehmen die Österreicher. 

DWDL.de hat in den vergangenen Tagen mit mehreren Menschen in der österreichischen Medienbranche gesprochen. Während die einen sagen, ORF und ServusTV seien durch die Ankündigung von MagentaTV aus allen Wolken gefallen, zeigen sich auch andere überrascht, verweisen aber darauf, dass es sich um regulär erworbene Pay-TV-Rechte handele. Es könne niemanden überraschen, wenn ein solches Paket, das von der FIFA angeboten werde, auch einen Käufer finde. 

Wie weh tut die Telekom dem Free-TV?

In jedem Fall ist es ein ungewöhnlicher Vorgang: Während alle Spiele im Free-TV zu sehen sind und das schon seit langer Zeit feststand, ist nun auch klar, dass die Begegnungen auch im Pay-TV übertragen werden. Sinn macht das für MagentaTV in Österreich und die Deutsche Telekom vor allem deshalb, weil man ausschließlich die Lizenzkosten für den österreichischen Markt zahlen muss. Kosten für eigenständige Übertragungen fallen nicht an, die Österreicher übernehmen schlicht das Programm aus Deutschland. 

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Wie viele Kundinnen und Kunden die Deutsche Telekom mit MagentaTV in Österreich aktuell erreicht, will das Unternehmen auch auf Nachfrage nicht verraten. Branchenexperten schätzen aber, dass sich der Kundenstamm auf bis zu 450.000 Haushalte beläuft. Das ist im kleinen österreichischen Markt eine signifikante Zahl. Und wenn ein Teil von diesen Menschen die WM nun nicht mehr bei ORF oder ServusTV schaut, sondern bei MagentaTV, dürfte das größere Auswirkungen haben - sowohl auf die Reichweiten als auch die von den Sendern erzielten Werbeeinnahmen. 

Um einen Impulskauf handelte es sich ganz offenbar nicht. "Die Telekom Deutschland hat die Rechte an der FIFA WM 2026 im letzten Jahr erworben, und zwar auch für Österreich. Wir bei Magenta Telekom haben dann kurz darauf entschieden, die Kanäle ebenfalls zu zeigen", erklärt ein Unternehmenssprecher von MagentaTV Österreich gegenüber dem Medienmagazin DWDL.de. Das ist vor allem deshalb interessant, weil man sich erst Ende März zu einer Kommunikation entschlossen hatte, in Deutschland ging man mit den wichtigsten Infos schon im Herbst 2025 an die Öffentlichkeit. 

Große Marketingkampagne gestartet

"Die Entscheidung war naheliegend, da wir uns in einem gemeinsamen Sprachraum befinden", so der MagentaTV-Sprecher, der auf die umfangreichen Übertragungspläne rund um die Spiele verweist. Das Interesse der österreichischen Fans an der WM dürfte extrem hoch sein: Die Nationalmannschaft hat sich zum ersten Mal seit 28 Jahren wieder für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Schon bei der EM 2024 verzeichnete vor allem ServusTV Rekordreichweiten

"Wir wollen damit in diesem hart umkämpften Markt ein noch besseres Erlebnis in Puncto Kundenbindung und -zufriedenheit bieten. Mit dem hochemotionalen Thema Fußball wollen wir bestehenden Kund:innen einen exklusiven Mehrwert bieten und gleichermaßen neue Kund:innen von unserem Service überzeugen", sagt der MagentaTV-Sprecher gegenüber DWDL.de. Oder mit anderen Worten: In den Rechten sieht man eine gute Chance, signifikant zu wachsen.

Eine Hürde gibt es aber noch: Zwar können die Menschen in Österreich MagentaTV aktuell ohne Bindung für 7,90 Euro pro Monat buchen, dafür ist jedoch ein Internettarif von Magenta nötig. Schafft man diese Regelung noch ab, könnte man sich wirklich ohne Einschränkungen an alle Österreicherinnen und Österreicher richten. Das Unternehmen ist zumindest gewillt, Geld in die Hand zu nehmen: Am Mittwoch ist eine groß angelegte Marketingkampagne rund um die WM gestartet, dafür hat man sowohl mit den Männern als auch den Frauen des ÖFB-Teams gedreht. 

"Mit dem hochemotionalen Thema Fußball wollen wir bestehenden Kund:innen einen exklusiven Mehrwert bieten und gleichermaßen neue Kund:innen von unserem Service überzeugen."
Sprecher von MagentaTV Österreich


Diese Kampagne ist aber wohl auch notwendig. Weil in Österreich viele Menschen über die Jahre hinweg gelernt haben, dass alle Spiele von großen Turnieren im Free-TV zu sehen sind, spielen Pay-TV-Sender bei solchen Veranstaltungen traditionell eine weniger wichtige Rolle. Diese Menschen muss man jetzt erst einmal darauf aufmerksam machen, dass es im Sommer 2026 eine Alternative zu ORF und ServusTV gibt. 

ORF und ServusTV zeigen sich gelassen

Und was sagen die Free-TV-Partner der FIFA zu der neuen Konstellation rund um die Fußball-WM? Zumindest offiziell gibt man sich gelassen. ORF und ServusTV antworten auf eine Anfrage gemeinsam. Ein Sprecher sagt: "Dass die FIFA Pay-Rechte auch in Österreich vergeben kann, war aufgrund des Vertrages ORF-FIFA klar. Insofern hat sich die Überraschung in engen Grenzen gehalten." Grundsätzlich würden alle frei empfangbaren Sender in Österreich das Instrument der Ko-Exklusivität im Verhältnis zu Pay-Sendern und zu deutschen Free-TV-Sendern kennen. 

Was der Sprecher damit meint: Deutsche Sender strahlen mit ihren Programmen nach Österreich rein und so sind dann auch hochkarätige Sportveranstaltungen teils doppelt zu sehen. So war es zuletzt etwa auch bei RTL und der Formel 1. Weil die Kölner offenbar gezielt Werbepartner in Österreich angesprochen hatten, obwohl der ORF und ServusTV die eigentlichen Sender sind, die die Königsklasse des Motorsports übertragen, hatten diese Sender bei der FIA Protest eingelegt - und wohl auch deshalb war RTL bei den ersten Rennen der Saison 2026 außen vor (DWDL.de berichtete). 

"Dass die FIFA Pay-Rechte auch in Österreich vergeben kann, war aufgrund des Vertrages ORF-FIFA klar. Insofern hat sich die Überraschung in engen Grenzen gehalten."
Stellungnahme von ORF und ServusTV


ORF und ServusTV zeigen sich im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko dennoch optimistisch und selbstbewusst. Man sei überzeugt, dass ServusTV und ORF als traditionelle und beim Publikum etablierte TV-Sender ein "redaktionell sehr anspruchsvolles und vor allem ‘österreichisches’ Programm zur WM-Berichterstattung auf allen Kanälen anbieten werden, das auch sehr erfreuliche Quoten erzielen wird". Während der ORF auf Experten wie Peter Stöger, Herbert Prohaska und Andreas Herzog setzt, hat ServusTV unter anderem Marc Janko verpflichtet.

... und was ist mit YouTube? 

Für viele Fragezeichen sorgt derweil noch eine gänzlich andere Sache, die die FIFA vor wenigen Wochen angekündigt hatte - und das betrifft auch den deutschen Markt. So kündigte der Verband rund um die WM eine Partnerschaft mit YouTube an, das in diesem Zuge als "bevorzugte Plattform" gelabelt wurde. Etablierte Medienpartner können dadurch nicht nur Zusammenfassungen und Hintergrundberichte rund um die Spiele auf YouTube senden, sondern auch die ersten zehn Minuten einer jeden Partie live auf der Plattform streamen. Im Zuge der Ankündigung erklärten FIFA und YouTube aber auch, dass Creators ebenfalls Teil der Vereinbarung sind. 

Das wirft Fragen auf - vor allem für die bestehenden Rechteinhaber. So erklärten FIFA und YouTube, die Creators sollten "nicht nur auf die Spiele reagieren, sondern auch einen frischen Blickwinkel" rund um die WM liefern. Die Definition dessen, was die Userinnen und User erwarten können, ist äußerst schwammig. Während Hintergrundberichte oder spezielle Taktik-Videos für die bestehenden Rechteinhaber wohl kein Problem wären, bleibt die Frage, ob die Influencer auch Live-Spiele zeigen - und sei es nur in Form von Reaction-Videos. 

Medienexperten, mit denen DWDL.de gesprochen hat, wünschen sich vom Verband an dieser Stelle mehr Klarheit. Was dürfen die Influencer genau? Und für welche Länder gilt das? Ein FIFA-Sprecher erklärt auf Anfrage, dass man einer globalen Gruppe von YouTube-Creators "beispiellosen Zugang zum Turnier" gewähre, damit diese für den Wettbewerb werben. "Diese Creators können während des gesamten Turniers bei verschiedenen Content-Initiativen mit den Medienpartnern der FIFA zusammenarbeiten, werden jedoch auch damit beauftragt, menschliche Geschichten zu erzählen und das Geschehen hinter den Kulissen auf eine Weise zu dokumentieren, die beim Publikum der Plattform Anklang findet." Zu möglichen Live-Übertragungen oder Reaction-Videos äußert sich der Sprecher nicht. In jedem Fall dürfte die Kooperation mit YouTube zu einer weiteren Fragmentierung von Angebot und Publikum führen.