DWDL.de exklusivAustria-Update vom 17. Juni
Wegscheider-Urteil: ServusTV zieht vor Verfassungsgerichtshof
© Screenshot ServusTV
Zuletzt hatte auch das Bundesverwaltungsgericht dem ehemaligen ServusTV-Chef Ferdinand Wegscheider bestätigt, gegen das Objektivitätsgebot verstoßen zu haben. Der Sender will das aber nicht akzeptieren und geht nun zum Verfassungsgerichtshof.
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Schon vor fünf Jahren, im Jahr 2021 hatte der Presseclub Concordia eine offizielle Beschwerde gegen den damaligen ServusTV-Chef Ferdinand Wegscheider eingereicht - genauer gesagt: Gegen seinen beim Sender ausgestrahlten Wochenkommentar "Der Wegscheider". Nach einigem Hin und Her entschied das Bundesverwaltungsgericht vor wenigen Wochen, dass Wegscheider in dem Format in gleich mehreren Fällen gegen das Objektivitätsgebot verstoßen hat (DWDL.de berichtete). Der Sender hat sich dazu bislang offiziell nicht geäußert hat, nach DWDL.de-Informationen geht man aber weiter rechtlich gegen das Urteil vor und zieht nun vor den Verfassungsgerichtshof (VfGH).
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Eine Sprecherin des Verfassungsgerichtshofs bestätigt, dass dem Gericht eine Beschwerde in dem Fall vorliegt. "Der VfGH wird die Beschwerde frühestens Ende September/Anfang Oktober behandeln bzw. darüber entscheiden", so die Sprecherin weiter. ServusTV will sich auch auf Anfrage weiterhin nicht zur Sache äußern. Wegscheider verbreitet in der Sendung seit langer Zeit Fake News und Verschwörungsmythen. Er sprach in Bezug auf Corona immer wieder von einer "Plandemie" und zog die Wirkung von Corona-Impfstoffen in Zweifel, später stellte er die Ereignisse des 11. September infrage. Und erst kürzlich sprach er vom "Menschen erdachten Klimawandel". ServusTV argumentierte stets, dass es sich bei der Sendung um Satire handele - dem folgte das Bundesverwaltungsgericht zuletzt nicht. Seit dem Herbst 2025 ist Wegscheider nicht mehr Chef von ServusTV, seinen Wochenkommentar macht er aber weiter. Bei einem rechtskräftigen Urteil müsste ServusTV diese Entscheidung wohl veröffentlichen.
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Darüber hinaus sorgte die Wahl von Clemens Pig zum neuen ORF-Generaldirektor (Hier den DWDL.de-Liveticker zum Nachlesen) in der zurückliegenden Woche für reichlich Wirbel. Der Medienjournalist Harald Fidler hat im "Standard" im Nachgang an die Wahl aufgelistet, welcher Stiftungsrat welchen Kandidaten gewählt hat. Und wenig überraschend hat Clemens Pig ausschließlich Stimmen von Mitgliedern des Gremiums bekommen, die den Freundeskreisen von ÖVP und SPÖ zuzurechnen sind. Vier Mitglieder, die der ÖVP nahestehen, wählten aber auch Johannes Larcher, einer Markus Breitenecker. Der ehemalige ProSiebenSat.1-Vorstand erhielt zudem alle drei Stimmen der von den Neos entsandten Stiftungsräte. Der unabhängige Leonhard Dobusch wählte Lisa Totzauer. ORF-III-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz erhielt nur die Stimme von FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler.
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Trotz der erfolgten Krönung von Clemens Pig heißt es im ORF aktuell: Nach der Wahl ist vor der Wahl. Bereits in der Nacht von Donnerstag auf Freitag kurz nach der Wahl von Clemens Pig nickte der Stiftungsrat die künftige Aufstellung der Direktionen im Unternehmen ab. So gibt es künftig die vier Bereiche Programm und Brands, Audience und Plattformen, Finanzen und Verwaltung sowie Technologie und Innovation. Neben einer Finanz- und Technikdirektion gibt es heute eine Programm- und Radiodirektion - es stehen also vergleichsweise große Änderungen an. Die Ausschreibung der Stellen ist am vergangenen Dienstag erfolgt, interessierte Managerinnen und Manager können sich bis bis zum 14. Juli bewerben. Die Bestellung erfolgt schließlich eine Woche später, am 21. Juli. An diesem Tag wählt der Stiftungsrat auch die neun Landesdirektorinnen und Landesdirektoren.
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Rund um die Zukunft des ORF richten sich die Blicke der Branche mittlerweile aber auch verstärkt in den Herbst. Für den September ist bereits ein entsprechendes Konvent ("Zukunftsforum") angekündigt worden. Zuvor sollen bei Formaten mit Publikumsbeteiligung Meinungen und Reformvorschläge eingeholt werden. Ob sich die Politik aber wirklich zu weitreichenden Reformen, allen voran bei der Entpolitisierung des Stiftungsrates, durchringen kann, bleibt angesichts der ausgebliebenen großen Reformen in den zurückliegenden Jahren fraglich. Immer wieder kommen auch Forderungen, den Stiftungsrat völlig neu aufzustellen und zumindest nicht mehr ganz so stark von der Politik besetzen zu lassen - jetzt etwa vom Regierungspartner Neos. Bislang ist jedoch nie etwas daraus geworden. Und man muss schon sehr optimistisch sein, um daran zu glauben, dass ÖVP und SPÖ ihre Macht im obersten Aufsichtsgremium des ORF selbst beschneiden. Von der ÖVP hieß es, man wolle die Voraussetzungen schaffen, um den ORF "schlanker, digitaler, transparenter, bürgernäher, regionaler und nachhaltiger zu gestalten".
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Zwei Gruppenspiele der ÖFB-Elf bei dieser Fußball-WM zeigt der ORF, ein weiteres ist bei ServusTV zu sehen. Und der Privatsender hatte bei der Terminierung der Spiele großes Glück, das vom Salzburger Sender übertragene Match gegen Argentinien wird um 19 Uhr angepfiffen. Die zwei vom ORF gezeigten Partien beginnen um 6 und 4 Uhr. Bei der ersten Partie gegen Jordanien an diesem Mittwochmorgen kamen auch noch technische Probleme hinzu: Der Livestream auf ORF On setzte demnach bei einigen Userinnen und Usern aus, sodass diese vor allem zu Beginn der zweiten Halbzeit nichts sahen. Da fiel unter anderem der zwischenzeitliche Ausgleich Jordaniens. Der ORF bestätigte gegenüber dem "Standard" noch während des laufenden Spiels einen "Ausfall der Infrastruktur" bei der APA und erklärte, dass man mit Hochdruck an der Behebung arbeite. "Die enorme Menge der Anfragen machte eine ad-hoc-Behebung entsprechend schwerer." Gleichzeitig riet der ORF die Userinnen und User dazu auf, den Livestream nicht zu beenden, sollte dieser einmal erfolgreich gestartet worden sein. Das Problem trat demnach vor allem bei den Nutzerinnen und Nutzern auf, die den Livestream neu starteten.
Österreich in Zahlen
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Schon mit dem WM-Auftaktspiel am vergangenen Donnerstag hat der ORF die Marke von 1 Million Zuschauerinnen und Zuschauern geknackt, das Spiel zwischen Mexiko und Südafrika lag in Halbzeit eins bei 1,02 Millionen, der Marktanteil betrug 41 Prozent. Das war gleichzeitig auch die höchste Reichweite für den ORF in der gesamten Woche. Das Deutschland-Spiel gegen Curacao lag etwas unter der 1-Million-Marke, wurde aber auch früher angepfiffen. Bei den Übertragungen in der Nacht bzw. in den frühen Morgenstunden sind häufig nur einige zehntausend Zuschauerinnen und Zuschauer mit dabei. Die Marktanteile stimmen für den ORF aber auch dann.
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ServusTV erzielte derweil am Montag mit der zweiten Halbzeit der Partie Belgien gegen Ägypten die bis dato höchste WM-Reichweite, ab 22 Uhr sahen 670.000 Zuschauerinnen und Zuschauer zu. Die zweite Halbzeit zwischen Spanien und Kap Verde lag einige Stunden zuvor ebenfalls auf diesem Niveau und bescherte dem Privatsender richtig gut Quoten. In der vergangenen Woche war es die Begegnung zwischen Katar und der Schweiz, die ServusTV die höchste Reichweite bescherte - 574.000 Fußballfans sahen hier die zweite Halbzeit.
Wegscheider-Urteil: ServusTV zieht vor Verfassungsgerichtshof
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