Herr Kloeppel, herzlichen Glückwunsch zum Ehrenpreis der Stifter des Deutschen Fernsehpreises. Mal für die Stifter und den reibungslosen Ablauf gefragt: Sie nehmen den Preis auch an?
(lacht) Ja, ich nehme den Preis mit Freude und großer Dankbarkeit an, der Reich-Ranicki-Moment im Jahr 2008 ist und bleibt in jeder Hinsicht einmalig.
Eine Dankesrede vor der versammelten Branche: Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, was sie ihnen mit auf den Weg geben wollen? Motivation, Hoffnung, Mahnung, Sorge?
Kein schlechter Ansatz! Alle diese Themen haben mich durchgängig in 40 Jahren als Journalist begleitet, insofern könnte ich zwei Stunden darüber sprechen. Aber da der Abend bei meinem Auftritt ja schon sehr fortgeschritten sein wird, und der Durst im Publikum auch eher zu- als abnimmt, werde ich mich kürzer fassen. Aber ganz im Ernst: Sorgen machen wir uns in der Branche ja alle schon genug, und trotzdem feiern wir jedes Jahr mit Recht große und großartige Fernseh-Momente. Wenn wir uns weiterhin auf unsere Stärken und unsere Kreativität besinnen, dann werden wir noch viele Fernsehpreise verleihen. Und zwar an Menschen, nicht an Computer-Programme.
Trotz aller schlechter Nachrichten haben Sie schon in Ihrer Zeit als Anchor immer Ruhe und einen gewissen Optimismus ausgestrahlt. Wie bewahrt man sich den ?
Die Ruhe habe ich vermutlich von meinem sehr unaufgeregten, analytisch veranlagten Vater geerbt, den Optimismus von meiner durch ihre Flüchtlingserfahrung geprägten Mutter, die immer sagte: am Ende wird alles gut, und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende. Und über die Jahre kam meinerseits die einfältige Einsicht dazu, dass eine optimistische Einstellung das tägliche Leben ungemein erleichtert. Nicht jede Krise ist auch gleich eine Katastrophe, nicht jeder Streit ein Zerwürfnis, nicht jede Niederlage ein Desaster. Auch wenn wir Medienleute gerne zu solchen Beschreibungen tendieren…
Nicht jede Krise ist auch gleich eine Katastrophe, nicht jeder Streit ein Zerwürfnis, nicht jede Niederlage ein Desaster.
Seit Ihrem Abschied von „RTL aktuell“ sind rund zwei Jahre vergangen. Sind Sie heute immer noch ein Nachrichtenjunkie oder nimmt man dann erst einmal Abstand von Agenturticker und Push-Nachrichten?
Ich verfolge das Weltgeschehen noch immer sehr genau, und die Ereignisse und Nachrichten darüber verfolgen mich im Gegenzug. Zum Glück kann ich vieles an mir abperlen lassen, aber ich bleibe Journalist und innerer Chronist bis an mein Lebensende.
Seit sie weg sind, ist die Ampel-Koalition vorzeitig gescheitert, die AfD steht auf Rekordhoch, Trump wurde wieder Präsident und in Nahost eskalierte die Lage. Juckt es da nicht manchmal noch in den Fingern?
Nun gut, ab und an gibt es schon Momente bei denen ich im Kopf formuliere, wie ich eine Breaking News formulieren würde, und davon haben wir tatsächlich genug. Aber ich hatte meine Zeit, jetzt steuern andere das Schiff.
Sie leben heute in den USA und blicken damit nun mit etwas Abstand auf Deutschland. Ist die Lage aus Ihrer Perspektive hierzulande so schlecht wie sie in den Nachrichten täglich gemalt wird? Ändert der Abstand die Perspektive?
Kleine Korrektur: ich lebe in den USA UND in Deutschland. Und ja, der Blick weitet sich dadurch unweigerlich - sowohl auf Amerika, als auch auf Europa. Viele Probleme ähneln sich auf beiden Seiten des Atlantiks. Ohne ins Detail zu gehen: manches wird hier besser gelöst, anderes besser dort, einerseits wünsche ich mir weniger Bedenkenträgertum, andererseits mehr Reflektion.
Unabhängiger, kritischer, konstruktiver Journalismus und der Austausch von Meinungen sind aber unverzichtbare Bestandteile einer demokratischen, pluralistischen Gesellschaft. Die gilt es zu erhalten, und da muss man als Bürger auch mal Gegenargumente aushalten.
Journalismus wird seit Jahren immer stärker attackiert und untergraben, international aber auch national. Das Ansehen leidet in Teilen der Bevölkerung. Was spricht dafür, dass junge Menschen sich auf den Beruf einlassen sollten?
Attacken und Untergrabungsversuche kommen ja meist von denen, die Meinungs- und Medienvielfalt nicht akzeptieren, weil andere Sichtweisen ihr eigenes, mit mehr oder weniger hohen Zäunen umgebenes Weltbild in Frage stellen. Unabhängiger, kritischer, konstruktiver Journalismus und der Austausch von Meinungen sind aber unverzichtbare Bestandteile einer demokratischen, pluralistischen Gesellschaft. Die gilt es zu erhalten, und da muss man als Bürger auch mal Gegenargumente aushalten. Was Journalismus als Beruf betrifft , bin ich gerne Cheerleader: Wer sich für eigenständiges Recherchieren und das Ausgraben von Geschichten interessiert, wer gerne kreativ formuliert, sei es mündlich oder schriftlich, und wer tagtäglich den eigenen Horizont erweitern will, kann sich kaum eine bessere Profession aussuchen. Aber entscheidend war und ist, das journalistische Handwerk zu beherrschen.
Die AfD in Sachsen-Anhalt will im Fall einer Regierungsübernahme den MDR-Staatsvertrag kündigen, weil ihnen die Berichterstattung nicht passt. Was bedeutet diese Ankündigung für den Journalismus und wie sollten Medien in der Berichterstattung damit umgehen?
Angriffe auf durch die Verfassung und Gesetze festgeschriebene Medien-Institutionen darf es nicht geben, seien es der öffentlich-rechtliche Rundfunk oder private Medien. Allein solche Ankündigungen und Pläne der AfD zeigen, wessen Geistes Kind die Partei ist. Diese Positionen kann man nicht oft genug öffentlich machen und, wie ich finde, verurteilen. Wollen wir tatsächlich in einem Land leben, und sei es auch nur ein Bundesland, in dem eine Partei die Meinungsvielfalt und Informationsfreiheit beschränkt? Wehret den Anfängen!
Sie vergeben mit der RTL Journalistenschule einen Preis für den Nachwuchs. Was kann ein 25-jähriger Nachrichtenjournalist heute von Ihnen lernen – und was könnte er Ihnen über Journalismus beibringen?
Von mir altem Herrn können die jungen Leute hoffentlich lernen: zuhören, nachfragen, nicht gleich mit der erstbesten Antwort zufrieden sein, neugierig bleiben, sich nicht vorschnell eine Meinung bilden, in kritischen Situationen einen kühlen Kopf bewahren. Und ich könnte noch viel lernen was Undercover-Einsätze und langwierige investigative Recherchen angeht – dafür hat mir im schnellen Tagesgeschäft einer Nachrichten-Redaktion immer die Zeit gefehlt. Ach, und ich bräuchte dringend mal eine Instagram- und eine TikTok-Schulung!








