Die Information ist traditionell die Domäne der Öffentlich-Rechtlichen, das spiegelt sich auch im Fernsehpreis-Jahrgang 2025/26 wider: Mit zehn Nominierungen führt hier das ZDF vor der ARD, die es auf neun bringt. Doch dass die Privaten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Breite des Informations-Angebots beitragen, schlägt sich in je drei Nominierungen für Formate von oder für ProSiebenSat.1 und RTL Deutschland (inklusive Sky - das damals aber noch nicht zu RTL gehörte - wären es vier) nieder, auch für Netflix, Welt sowie dank der Sport-Kategorie auch Eurosport und Magenta TV gab's Nominierungen.

Netflix bringt es mit der viel-diskutierten Doku "Babo - Die Haftbefehlstory" (27KM‘B Pictures) sogar auf zwei Nominierungen und zwar für die Beste Kamera und die beste Montage. Als beste Dokumentation wurde "Babo" hingegen nicht nominiert. Trotzdem überwiegen hier überraschenderweise die Produktionen von oder für Privatsender. ProSieben ist sogar gleich doppelt vertreten: Neben Thilo Mischkes Reportage "Dikta-Tour - Das Comeback der Autokraten" (pqpp2) ist das die im Rahmen von "Joko & Klaas Live" ausgestrahlte Ukraine-Doku "#dontlookaway" (Florida Entertainment). ProSieben gewährte viel mehr als die üblichen 15 Minuten, um einen ungefilterten Einblick in den harten Kriegs-Alltag mehrerer Menschen in der Ukraine zu gewähren. Dazu kommt die von Spiegel TV für RTL produzierte Reportage "Naziland - Deutschlands dunkelste Seite" sowie die beiden ZDF-Dokus "Terra X History: Ein Tag im Juli - Ahrtalflut 2021" (Loopfilm) und "Die gefährlichsten Firmen der Welt - Big Tech" (Nordend Film).

Dass die Jury ein starkes Doku-Jahr gesehen hat, zeigt  auch die Tatsache, dass man auch im Bereich der Doku-Serien gleich fünf Produktionen nominiert hat - hier übrigens ausschließlich öffentlich-rechtliche. Wie das ZDF die Entfremdung zwischen Deutschland und Mesut Özil in "Zu Gast bei Freunden" (Flare Film/Undone) nachzeichnet, findet sich hier ebenso wie der Blick zurück auf die WM 1994 unter Berti Vogts mit dem Titel "Elf Helden, ein Albtraum" (Broadview TV für die ARD). Insgesamt wird die Kategorie klar vom ZDF dominiert, denn auch "Die Diplomaten - Inside Auswärtiges Amt" (KR.Film), "Der Anschlag" (eikon für 3sat/ZdF) und "Countdown zur Diktatur" (Spiegel TV) gehen aufs Konto der Mainzer.

Infotainment setzt auf bekannte Köpfe

In der Kategorie "Bestes Infotainment" zeigt sich, dass es hier aktuell auf jeden Fall hilft, auf bekannte Namen und Gesichter zu setzen. So entschied sich die Jury für "Hirschhausen und die Deepfake-Mafia" (Bilderfest), in der sich der Arzt mit seinem aktuellen nicht-medizinischen Herzensthema beschäftigt. Er tritt damit gegen Linda Zervakis Beschäftigung mit der Bildungskrise bei ProSieben unter dem Titel "Dumm, Dümmer, Deutschland?" (Nordend Film) an. Neben diesen beiden Einzelstücken ist außerdem "Terra Xplore mit Dr. Leon Windscheid" (Doclights) auf der Nominierten-Liste. 

Besonders breit gefächert ist seit jeher die Kategorie "Beste Information" - der Begriff ist so weit gefasst, dass sich hier die unterschiedlichsten Formen subsummieren lassen. Und so treten auch diesmal wieder schwer vergleichbare Produktionen gegeneinander an: Da wäre zum Einen "Was Deutschland verbindet" - das war das Dialog-Experiment, das als Weiterentwicklung von "Weil Hessen mehr verbindet" eine Nummer größer für ganz Deutschland wiederholte. Es tritt an gegen die ntv-Berichterstattung am Tag des Ausbruchs des USA-Iran-Krieges mit Raschel Blufarb. Hier war der Nachrichtensender von RTL schnell zur Stellle, während andere sich deutlich mehr Zeit ließen. Die dritte Nominierung geht an den ZDF-Talk "Markus Lanz" (Mhoch2/Fernsehmacher), für den es nach 2021 die zweite Auszeichnung in dieser Kategorie wäre.

Auch ARD-Talker Louis Klamroth wurde für den Fernsehpreis nominiert, allerdings in der Kategorie Beste Moderation / Einzelleistung. Hier greift die Jury explizit eine Folge von "Hart aber fair" heraus, nämlich "Notfall Pflege - Wer sorgt für ein Altern in Würde". Er tritt an gegen Sarah Tacke, die im ZDF zuletzt auch als Sommervertretung talkte, hier aber nun generell als ZDF-Rechtsexpertin nominiert wurde. Dritter im Bunde ist Ibrahim Naber, der für den Nachrichtensender Welt aus der Ukraine berichtet.

Noch ein Blick auf die Sportsendungen, diesmal sind es gleich fünf an der Zahl. Hier gibt es die einzige Nominierung in diesem Jahr für Magenta TV - und zwar für die Übertragung der XXL-Fußball-WM aus den USA, Kanada und Mexico. ARD und ZDF sind für ihre Berichterstattung hier nicht nominiert wurden. Dafür erhielt die ARD eine Nominierung für die Tour-de-France-Berichte 2025 (2026 lag hier schon außerhalb des Nominierungszeitraums) sowie sowohl ARD als auch das ZDF gemeinsam für die Übertragung der Handball-EM in diesem Jahr. Eine Nominierung ging auch an Eurosport für die Übertragung des Roland-Garros-Finales der Herren, in dem sich Alexander Zverev durchsetzen konnte. Und auch RTL wurde bedacht für die Übertragung des Finales der FIBA EuroBasket 25.