Herr Lochthofen, Sie sind jetzt seit dem 1. April als Programmdirektor Leipzig/Halle zurück im MDR. Seither hat der Sender einige programmliche Einschnitte angekündigt. Wie sehr hat Sie die Situation, in der der MDR steckt, schockiert?

Boris Lochthofen: Mich hat das weder schockiert noch überrascht. Ich kannte das Setting, in dem das Haus unterwegs ist und welche Aufgaben zu erledigen sind. Es war von Beginn an klar, dass schwierige Entscheidungen anstehen. Der MDR leidet stärker als andere Häuser der ARD unter der ausgebliebenen Beitragsanpassung. Wir sind schlanker als andere aufgestellt und können ausbleibende Finanzierung nicht einfach aussitzen. Und wir sind schon länger dabei, uns aus einer Zeit, in der wir mehr Ressourcen hatten, auf ein Budget gewissermaßen herunterzubremsen, das den tatsächlichen Einnahmen aus Rundfunkbeiträgen hier in der Region entspricht. Insofern lag es auf der Hand, dass es anstrengend wird.

Zum Rundfunkbeitrag kommen wir gleich noch. Wieso sind Sie zum MDR zurückgekehrt, obwohl die Situation jetzt so schwer ist?

Ich wollte den Sender in dieser Funktion unterstützen, weil mir die Wichtigkeit des Hauses in der Region bewusst ist. Es ist notwendig, diese Strukturhausaufgaben bestmöglich und zügig umzusetzen, um den Blick wieder auf die publizistischen Themen zu richten, darum geht es ja. Gleichzeitig findet das alles unter schwierigen medienpolitischen Rahmenbedingungen statt. Zudem sind die gesellschaftlichen und politischen Diskussionen in Mitteldeutschland nochmals intensiver und die Polarisierung schon weiter als in anderen Teilen des Landes. Wir sind hier, wenn man so will, einen Wahlzyklus vor anderen Regionen der Bundesrepublik. Die Wege zur gesellschaftlichen Veränderung sind bei uns derzeit besonders weit. Da muss der MDR handlungsfähig sein, weil die Menschen in der Region ansonsten keine besonders große journalistisch-publizistische Vielfalt haben.

Konkret soll es drei Jahre lang keine Neuproduktionen von "Tatort" und "Polizeiruf 110" geben, darüber hinaus gibt der MDR das "Mittagsmagazin" an den NDR ab und stellt auch "MDR um 2" ein. Was davon schmerzt Sie am meisten?

Es gibt kein Ranking im Schmerz. Wenn das Geld nicht reicht, muss man priorisieren. Das haben wir getan. Gleichzeitig sind es drei schmerzhafte Entscheidungen, die niemand hier gerne getroffen hat. Es war eine reine Abwägung zugunsten der Funktionsfähigkeit des Hauses. Durch die Entscheidung, "MDR um 2" nicht mehr zu machen, steigen wir im Linearen künftig später ins Live-Programm ein. Da hatten wir früher eine sehr lange Strecke. Die freiwerdenden Mittel sollen nicht vollständig eingespart werden. Natürlich wollen wir damit auch weiterhin regionale Themen umsetzen, diese sollen nun zuvorderst für die immer wichtigere Streaming-Nutzung gedacht werden. Aber auch das schmerzt, denn daran hängen Menschen hier im Sender, die ein tägliches Magazin produzieren. Beim "Mittagsmagazin" geht es in eine ähnliche Richtung…

Der MDR leidet stärker als andere Häuser der ARD unter der ausgebliebenen Beitragsanpassung.


Der MDR verantwortet die Sendung seit nicht einmal drei Jahren.

Wir mussten uns unter den aktuellen Bedingungen die Frage stellen, was der Kern unseres Jobs ist. Und der ist hier vor Ort, der ist regional. Das "Mittagsmagazin" war in dieser Abwägung mit seinem nicht vollständig regionalen Fokus sowie seiner eher älteren und linearen Zielgruppenorientierung eine Sendung, das wir uns so nicht mehr leisten können. Wir hatten das Format unter anderen materiellen Voraussetzungen nach Leipzig geholt. Und wäre die Erhöhung des Rundfunkbeitrags wie von der KEF empfohlen zum 1.1.2025 von den Bundesländern umgesetzt worden, wären die jetzigen Einschnitte im Programm nicht nötig geworden.

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Und die Krimis?

Wenn wir diese Pause nicht machen würden, müssten wir ein Sparvolumen von rund 20 Millionen Euro in den kommenden Jahren einmal über sämtliche Redaktionen des Hauses ziehen. Also über die Bereiche des MDR, die jeden Tag einen ganz wichtigen Informationsjob für die Menschen im Sendegebiet leisten. Sie dürfen nicht vergessen: Der MDR befindet sich schon seit vielen Monaten in intensiven Sparrunden mit sehr hohen Zahlen. Einsparungen in den vitalen publizistischen Bereichen waren jetzt keine nochmalige Option angesichts der Beträge, die zu sparen sind. Insofern ist die Pause für "Tatort" und "Polizeiruf 110" ein aus meiner Sicht auch massiv schmerzhaftes, aber sehr vertretbares Instrument.

Von den Produktionsfirmen der Krimis heißt es, man könne nicht einfach drei Jahre lang pausieren und danach alles wie gehabt wieder anwerfen. Haben sie einen Punkt?

Mit den Produktionsfirmen sind wir in Gesprächen und ich nehme das sehr ernst. Wir drehen mit den Kolleginnen und Kollegen aber aktuell auch noch weiter, jetzt im Juni bringen wir zwei "Polizeirufe" zur Genehmigung in die Gremien. Insgesamt werden wir noch vier Filme von "Tatort" und "Polizeiruf" umsetzen,  zwei weitere sind bereits gedreht und noch nicht ausgestrahlt. Gleichzeitig werden wir uns gemeinsam mit allen Beteiligten hinsetzen und schauen, wie denkbare Szenarien über die drei Jahre hinweg aussehen können. Diese Gespräche führen wir jetzt, dennoch war es wichtig, eine Entscheidung zu treffen, die für uns ganz aktuell jetzt budgetär abbildbar ist, um einen gesetzeskonformen Haushalt zu haben. Wir schauen gespannt auf die Verhandlung am 23. Juni vor dem Bundesverfassungsgericht zum Rundfunkbeitrag, aber unser Problem ist ja nicht nur die fehlende Anpassung des Beitrags.

Der Rundfunkbeitrag gilt für das ganze Land, gleichzeitig leben im Sendegebiet des MDR immer weniger Menschen, das wirkt sich natürlich auf die Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag aus. Anderen Anstalten geht es besser, weil ihre Sendegebiete eher wachsen.

Die demografische Entwicklung in allen drei Bundesländern des MDR ist weiter stark rückgängig, außer in Leipzig wächst hier nichts. Selbst Universitätsstädte sind bestenfalls stabil mit negativem Vorzeichen, wenn man auf die Bevölkerungs- und Haushaltsebene blickt. Und darauf stützen sich die Rundfunkbeiträge. Wir müssen demzufolge einer sinkenden Beitragsrealität hinterher arbeiten.

Einsparungen in den vitalen publizistischen Bereichen waren jetzt keine nochmalige Option angesichts der Beträge, die zu sparen sind.


Vor diesem Hintergrund: Wieso ist die ARD-Gemeinschaft dem MDR nicht zur Seite gesprungen? Es wurde doch in den letzten Jahren immer wieder betont, wie wichtig ostdeutsche Perspektiven auch im Gemeinschaftsprogramm sind. Gerade beim "Mittagsmagazin" hätte es doch auch andere Lösungen geben können.

Es wird auch weiterhin eine große Vielfalt ostdeutscher Themen im Ersten geben. Das fängt bei seriellen Produktionen wie "In aller Freundschaft" an und geht über den Mittwochs-Film bis hin zu Degeto-Produktionen und dokumentarischen Stoffen. Auch künftig wird der Osten sehr sichtbar sein. Wir führen innerhalb der ARD konstruktive Gespräche und es ist nicht so, dass es ein Versagen von Solidarität gibt. Aber wir müssen budgetäre Hausaufgaben schon erst einmal bei uns machen und für bestimmte Entscheidungen, die wir intern beim MDR treffen müssen, können wir nicht vorab Kompensationen innerhalb der ARD suchen. Aber dass der NDR beim Mittagsmagazin den Staffelstab kollegial übernimmt, zeigt, dass wir gemeinsam in hohem Maße partnerschaftlich und handlungsfähig sind in der ARD.

Es braucht also keine Anpassung des ARD-internen Finanzausgleichs?

Die Beitragsrealität wird sich abbilden müssen, wenn wir uns für die nächste Beitragsperioden innerhalb der ARD neu finden müssen. Es gibt nun mal diese höchst unterschiedlichen Entwicklungen, die Metropolen wachsen und im ländlichen Raum geht es eher in die andere Richtung. Innerhalb der ARD müssen wir uns als regionale Arbeitsgemeinschaft immer neu kalibrieren. Und das entlang unserer Kernaufgabe, wie wir unsere regionalen publizistischen Themen bestmöglich miteinander für die Menschen in Deutschland präsentieren und sichtbar machen. Dazu gehört, dass wir Ausgleiche finden. Es darf niemand zurückbleiben. Das werden wir diskutieren, das konnte aber nicht eine vorgeschaltete Debatte zu den Entscheidungen, die wir budgetär hier im MDR treffen mussten, sein.

Wie ist nach den ganzen schlechten Nachrichten eigentlich die Stimmung im Haus?

Es gibt hier bei niemandem etwas anderes als Bedauern über Themen, die man nicht mehr hat oder pausieren muss. Aber wir sehen auch, dass es ein hohes Maß an Verständnis und Respekt für die Klarheit der Entscheidungen gibt. Wir nehmen die publizistischen Aktualitätsbereiche explizit von den Maßnahmen aus, gleichzeitig stärken wir den MDR vor Ort in den Ländern in seiner regionalen journalistischen Handlungsfähigkeit. Deshalb haben wir im Haus eine hohe Akzeptanz rund um die getroffenen Maßnahmen.

Wir führen innerhalb der ARD konstruktive Gespräche und es ist nicht so, dass es ein Versagen von Solidarität gibt. 


War es das denn jetzt oder kommen noch mehr Einschnitte?

Wir haben leider keine Glaskugel, dafür aber ein hohes Maß an Unwägbarkeiten. Das fängt schon bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt an. Die AfD will im Falle einer absoluten Mehrheit die Staatsverträge für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk kündigen, dann wären wir und der gesamte öffentlich-rechtliche Rundfunk in einer weiteren sehr herausfordernden Lage – publizistisch und organisatorisch. Und anders als vor 15 Jahren haben wir nicht mehr diese absolute Planungssicherheit im Rahmen einer Beitragsperiode. Diese Zeit ist vorbei. Gleichzeitig sehen wir eine Vielzahl an Themen, die unsere Rahmenbedingungen beeinflussen. Etwa aus der Medienpolitik oder der gesellschaftlichen Diskussion. Ein Medienunternehmen muss sich anpassen können, auch wenn wir gewisse Umstände überhaupt nicht beeinflussen können. Das ist unser und mein aktueller Job: Flexibilität und Handlungsfähigkeit zu organisieren – mit den Verzichtsmaßnahmen im Budget, aber auch den Strukturreformen wie der Zusammenlegung der Programmdirektionen, wollen wir das erreichen.

Den angekündigten Sparmaßnahmen liegt ein Rundfunkbeitrag in Höhe von 18,64 Euro ab 2027 zugrunde. Sollte die Erhöhung nicht kommen, wären wohl nochmals 30 Millionen Euro Einsparungen nötig. Was steht auf Ihrer Streichliste?

Es müsste die Zeit bemessen werden, in der die Erhöhung nicht kommt. Die kürzlich getroffenen Maßnahmen sind so gestaltet, dass wir vorerst nicht sofort in den roten Bereich fallen, sollte der Rundfunkbeitrag zum 1. Januar 2027 nicht auf 18,64 Euro steigen. Deswegen haben wir das auch gemacht, wir wollten aus der Atemlosigkeit des Reduzierens von Budgets herauskommen. Aber sollte es tatsächlich keine Beitragserhöhung auf 18,64 Euro geben, wären weitere Einsparungen unvermeidbar.

Werden wir etwas grundsätzlicher. In Ihrer Funktion führen Sie die Programmdirektionen Leipzig und Halle zusammen, bislang sind diese getrennt voneinander geführt worden. Wie fällt ihre Bestandsaufnahme aus?

Wir haben ein sehr vitales Haus und manchmal überdecken die aktuellen Themen das, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des MDR leisten. Damit meine ich sowohl die Akzeptanz der Angebote als auch die Identität und das Vertrauen, das die Menschen mit dem MDR verbinden. Und das Haus ist immer wieder publizistisch innovativ: Nehmen Sie "MDR fragt" - dieser Befragungspool mit inzwischen rund 67.000 Menschen, die regelmäßig teilnehmen – ist mittlerweile ein Tool, das auch beim NDR und darüber hinaus in der ARD adaptiert wird. Hier sind wir seit 2020 Vorreiter und das ist für uns eine der wichtigsten datenbasierten Innovationen, um unser Publikum mit seinen Themen und Sichten kontinuierlich in unseren Programmen vorkommen zu lassen. Wir haben kürzlich eine Ankündigungsshow für die Goldene Henne von einer KI moderieren lassen und wir sind seit Jahren stark in ganz unterschiedlichen Formanten und Formaten für den direkten Dialog mit den Menschen hier bei uns. Auf diese Themen setzen wir und wenn wir unsere strukturellen Hausaufgaben jetzt zügig machen, haben wir die Chance, wieder einen wichtigen Modernisierungsschritt zu gehen, um auch in Zukunft eine Benchmark für eine zeitgemäße Struktur zu sein, in der die Publizistik beste Bedingungen hat.

Wie kann die künftige Struktur aussehen und gibt es eigentlich einen Zeitplan für die Zusammenführung der Programmdirektionen?

Wir müssen Anfang des kommenden Jahres in der fusionierten Direktion arbeitsfähig sein. Das ist ja auch keine Raketenwissenschaft, wir haben ja kein Unternehmen übernommen oder verheiraten zwei ganz unterschiedliche Kulturen miteinander. Schon in den vergangenen Jahren sind die beiden Standorte immer stärker zusammengewachsen.

Wir wollten aus der Atemlosigkeit des Reduzierens von Budgets herauskommen.


Das hört sich etwas harmonischer an, als es in den letzten Jahren tatsächlich war, oder?

Natürlich haben die Standorte Leipzig und Halle eine jeweils eigene Identität. Diese Standorte werden wir jetzt immer enger miteinander verdrahten und im Zuge dessen müssen wir ein paar Themen sortieren. Da geht es um die Zuordnung einzelner Marken und die Verantwortlichkeiten. Das ist aber keine unlösbare Aufgabe. Es geht vor allem um die Frage, woran wir im MDR alle gemeinsam arbeiten: Es geht um die Menschen draußen, und dem muss unser Handeln folgen. Da spielen auch die Landesfunkhäuser eine wichtige Rolle. In der nächsten Entwicklungsstufe müssen wir möglichst gemeinsam Themen sortieren und in einem klugen Subsidiaritätsprinzip bearbeiten.

Jetzt müssen Sie nicht nur die neue Struktur vorantreiben und etablieren. Sie sind in erster Linie auch für das Programm des MDR verantwortlich. Und während bislang vor allem die Rede davon war, was der MDR künftig nicht mehr machen wird, würde ich gerne wissen: Was wollen Sie anders machen als bislang und wo wollen Sie Akzente setzen?

Wir werden weiterhin sehr konsequent die gesellschaftliche Realität in Mitteldeutschland abbilden. Also auch die starken und polarisierten gesellschaftlichen Diskussionen sowie die Gegensätze in den Wahrnehmungen. Das erzählen wir vor allem journalistisch, aber auch fiktional. Wir werden die weiten Wege der Verständigung zwischen den verschiedenen Lebensrealitäten der Menschen gehen. Das werden wir auch immer wieder im direkten Kontakt machen, also über Dialog. Wir müssen möglichst nah dran sein an den Themen, die die Menschen in Mitteldeutschland bewegen. Es geht um Sichtbarkeit und unmittelbaren Kontakt, damit unser Nutzen konkret für die Menschen erfahrbar ist und nicht abstrakt bleibt. Wir werden daher noch granularer in die Fläche gehen. Auch auf der Unterhaltungsebene wollen wir neue Dinge ausprobieren, Reality ist ein Genre, das wir anschieben für 2027. Und wir gehen weiter mit "Hol Dir Deine Show!" in die Gemeinden abseits der Zentren, um neben den vielen eher schwierigen Themen auch mit schönen Erlebnissen vor Ort zu sein. Vollprogramm heißt auch: Aufgehobenheit zu stiften.

Ins Reality-Genre eingestiegen ist die ARD schon im vergangenen Jahr durch "Werwölfe", dennoch ist es ein ziemlich neuer Bereich für die Öffentlich-Rechtlichen. Welchen Ansatz wählen Sie?

Mit den "Werwölfen" hat die ARD sehr erfolgreich dieses Genre erobert und wir wollen das ableiten in eine konsequent regionale Dimension, die Schauplätze und die Ideen haben wir und den Rest verraten wir, wenn es soweit ist.

Der Schritt in Richtung Reality hat auch für Kritik gesorgt.

Es sorgt alles für Kritik heute, das ist ein Zeichen unserer Zeit. Das heißt aber nicht, dass wir es nicht ausprobieren.

In Sachsen-Anhalt wird im September gewählt. Wird in der Berichterstattung des MDR, also speziell in den Wahlsendungen, auch Medienpolitik eine Rolle spielen?

Das ist nichts, was wir verschweigen können. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist im Wahlprogramm der AfD explizit erwähnt, die entsprechenden Rundfunkstaatsverträge sollen gekündigt werden. Natürlich wird das auch in unserer Berichterstattung vorkommen, aber es ist eines von mehreren wichtigen Themen, die die Menschen für ihre Wahlentscheidung abwägen müssen..

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Wie geht man mit einer Partei um, die den eigenen Sender de facto abschaffen will?

Natürlich beschäftigt uns das hier im Haus, aber wir haben ein journalistisches Ethos und ein Handwerk. In erster Linie sind wir nicht Anwälte unserer selbst, sondern Anwälte der Wirklichkeit. So hat es SWR-Intendant Kai Gniffke kürzlich sehr treffend formuliert. Für die Menschen in Sachsen-Anhalt ist es wichtig zu erfahren, was zu erwarten ist, wenn diese oder jene Partei die Wahl gewinnt. Das gilt immer, also auch jetzt, wenn eine Partei den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen will. Es wird nicht so sein, dass wir uns an die erste Stelle setzen und uns permanent selbst zum Thema machen. Selbstverständlich können wir es nicht verschweigen, aber es gibt noch sehr viel mehr zu berichten.

Es sorgt alles für Kritik heute, das ist ein Zeichen unserer Zeit. Das heißt aber nicht, dass wir es nicht ausprobieren.


Im neuen Medienstaatsvertrag ist festgehalten, dass die öffentlich-rechtlichen Angebote Kultur, Bildung, Information und Beratung zu dienen haben. Und dann heißt es dort weiter: "Unterhaltung, die einem öffentlich-rechtlichen Profil entspricht, ist Teil des Auftrags." Wo macht das möglicherweise einen Unterschied und was bedeutet das perspektivisch für die großen Unterhaltungsmarken des MDR?

Der Gesetzgeber hat damit eine bewusste Abgrenzung geschaffen. Ich und wir verstehen das so, dass die Unterhaltung nicht mehr in gleicher Weise als Grundversorgung gilt. Gleichzeitig heißt das aber nicht, dass wir uns nur auf die erstgenannten Bereiche beschränken dürfen. Wir haben einen ganzheitlichen Job und es gehört dazu, dass wir die Menschen nicht nur mit schweren Themen konfrontieren. Wir wissen, dass wir in der Information einen besonders hohen Anspruch haben, gleichzeitig verzichten wir auf keinen Fall auf Unterhaltung. Unsere Konzepte haben wir schon längst weiterentwickelt, wir gehen mit Unterhaltung viel mehr in die Region, was vor Ort von den Menschen sehr wertgeschätzt wird. Wir machen den MDR erlebbar und stiften Gemeinschaft.

Letzte Frage: Welche Entscheidung werden Sie in diesem Jahr noch treffen müssen, vor der Sie heute den größten Respekt haben?

(überlegt) Da sind wir wieder beim Start unseres Gesprächs. Die Zeit, in der wir sind, verlangt jeden Tag nach Entscheidungen. Wir haben kürzlich die Einsparungen und Verzichtsmaßnahmen kommuniziert. Jetzt kümmern wir uns um die Fusion der Programmdirektionen sowie um massiv wichtige weitere Dinge: Strukturveränderungen zwischen Programm und Technik, um die Weiterentwicklung unserer Portfoliomanagement-Themen, um Transformation, um Orchester-Modernisierung und jeden Tag um ein gutes Programm in einer anspruchsvollen Zeit. Wichtig ist, dass wir entscheiden und dass wir zügig entscheiden.

Vielen Dank für das Gespräch!