Petra Glinski © Sat.1
DWDL.de-Interview mit der Chefin von Süddeutsche TV

Petra Glinski: "Unser Vorteil ist die Aufbruchstimmung"

von Alexander Krei
19.01.2013 - 10:58 Uhr

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Beim neuen Sender Sat.1 Gold wird Süddeutsche TV ab Sonntag wöchentlich knapp drei Stunden Sendezeit füllen. Im Interview mit DWDL.de spricht Geschäftsführerin Petra Glinski über Mut zum Neuem, Aufbruchstimmung und Druck in der Branche...

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Frau Glinski, mit Ihrer Sendung "Süddeutsche TV - Thema" haben Sie ab Sonntag bei Sat.1 Gold wöchentlich knapp drei Stunden Sendezeit zu füllen. Wie lange reicht denn Ihr Stoff?

Der reicht lange! Ganz davon abgesehen, dass uns die Länge der Sendung sehr entgegenkommt, weil man nicht an der Oberfläche kratzen muss. Wir haben den Vorteil, dass wir viele Protagonisten seit zehn, zwölf Jahren begleiten. Das ist unglaublich spannend. Für dieses Jahr reicht unser Stoff aber auf jeden Fall - und dann gibt es ja auch noch die Überlegungen für weitere Sub-Formate. Momentan haben wir einen großen Themenabend. Gleichzeitig denken wir aber auch über Abwandlungen nach, die natürlich auch kürzer sein können. Das alles hängt aber auch davon ab, wie die Zuschauer unser Format annehmen werden. Wie bei jedem anderen Sender.

Nun starten Sie aber auf einem Sender, den voraussichtlich erst mal wenige Zuschauer sehen werden. Wie genau wollen Sie sich denn die Aufmerksamkeit verschaffen?

Es ging ja glücklicherweise einiges durch die Presse, zum Start unserer Sendung werden wir zusätzlich in der "SZ" eine Anzeige schalten. Und Sat.1 selbst hat ja auch bei sich und den Schwestersendern ordentlich die Werbetrommel gerührt. Das finde ich zum Start schon sehr beachtlich.

Wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit mit Sat.1 Gold?

Das liegt an einem guten Verhältnis mit Marc Rasmus und Katja Hofem, die ich seit Jahren kenne. Wir haben schon bei DMAX zusammengearbeitet, aber auch als Produzent bei ProSiebenSat.1. Für einen kleinen Sender wie Sat.1 Gold ist es jetzt erst mal wichtig, in einem ordentlichen Preis-Leistungs-Verhältnis zu produzieren und gleichzeitig auch eine starke Marke zu haben, die zum Sender passt. Marc hat deswegen gleich an seinem ersten Tag im Amt bei uns angerufen.

Wie haben Sie reagiert?

Ich habe mich erst mal gefreut - so wie das immer ist, wenn ein Sender bei einem Produzenten anruft und Interesse bekundet. Eigentlich ist man es ja als Produzent gewohnt, bei den Sendern anzurufen und um Sendefläche zu buhlen. Bestärkt hat mich letztlich auch der Erfolg von Sixx. So gesehen ist Sat.1 Gold die konsequente Fortführung dieser Strategie.

Grundsätzlich ist es ja sehr lobenswert, dass sich mit Sat.1 Gold ein kleiner Sender gefunden hat, der die Programmfläche bereitstellt. In Programmen der großen Sender sind längere Strecken dieser Art aber eine echte Seltenheit. Warum eigentlich?

Ein kleinerer Sender kann in der Programmierung mutiger sein, weil die Zuschauerzahlen noch relativ überschaubar sind. Aber auch andere haben ja schon vorgemacht, dass längere Strecken funktionieren können. Denken Sie nur an Vox oder Arte. Unser Vorteil ist nun eine gewisse Aufbruchstimmung, die man nutzen kann, um Dinge auszuprobieren. In der heutigen Zeit geht das in der Fernsehlandschaft ansonsten kaum noch. Selbst bei den öffentlich-rechtlichen Ablegern, die eigentlich dazu aufgebaut wurden, ist es nur noch schwer möglich. Wenn es bei uns nicht funktioniert, sind wir aber vermutlich auch ganz schnell wieder bei einem reduzierten Sendeplatz. Den können wir aber genauso bespielen.

Sie steuern mit Süddeutsche TV auch Beiträge für die Öffentlich-Rechtlichen bei. Stellen Sie dort Unterschiede fest?

Klar gibt es die. Aber es ist weniger ein Unterschied zwischen öffentlich-rechtlich und privat, sondern eher zwischen den Redaktionen. Bei einer wöchentlichen Sendung wie "Wiso" im ZDF sind die Entscheidungswege schneller als bei großen Geschichten. Die sind sowohl bei den Öffentlich-Rechtlichen als auch bei den Privaten in der Entscheidungsphase lang. Außerdem werden von beiden Seiten sehr viele Vorleistungen erwartet, gerade bei großen Dokus.

Das macht es für die Zukunftsplanung doch sicherlich nicht ganz einfach…

Es ist ein wirtschaftliches Risiko. Bis ich einen Produktionsauftrag bekomme, habe ich in Vorleistung zu gehen. Ich muss schließlich meine Mitarbeiter und Recherecheure bezahlen. Gleichzeitig wächst über die Jahre aber auch ein Vertrauensverhältnis zu den Sendern. Da steckt man dann Manpower und finanzielle Mittel in Projekte, wenn man eine Chance auf dauerhaften Erfolg sieht. Dafür entwickelt  man im Laufe der Zeit allerdings ein Gefühl entwickeln. Bei journalistischen Inhalten muss im Vorfeld – als schon vor dem Themenangebot – einiges an Recherche und Protagonistensuche investiert werden.

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