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Kritik am Kartellamt

VoD-Debatte: Netflix kommt, der Ärger bleibt

von Alexander Krei
21.05.2014 - 21:38 Uhr

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Noch in diesem Jahr wird Netflix in Deutschland an den Start gehen. Zeit, um sich mit einem gemeinsamen VoD-Angebot dagegen zur Wehr setzen zu können, bleibt den deutschen Sendern nicht mehr. Kritik kommt nicht zuletzt von der WDR Mediagroup.

Ein besseres Timing hätte Netflix für die Ankündigung seines Deutschland-Starts kaum finden können. Nur wenige Stunden nach Bekanntwerden der Nachricht wurde nämlich auf dem Medienforum NRW über die Frage diskutiert, ob Video on Demand auf dem Massenmarkt angekommen ist. Dass dem so ist - darin waren sich die Teilnehmer des Panels schnell einig. "Das Fernsehlagerfeuer wird noch lodern, aber der neue Trend kommt", sagte Michael Loeb, Geschäftsführer der WDR Mediagroup, der betonte, keine Angst vor Wettbewerbern zu haben, aber davor, Wettbewerbsgleichheit zu verhindern.

Es waren deutliche Worte, die Loeb auf dem Medienforum fand. Was er meinte, waren die Entscheidungen des Bundeskartellamts, die geplanten VoD-Portale der Privaten und Öffentlich-Rechtlichen nicht zu genehmigen. Dass sich nun eine Bund-Länder-Gruppe mit dem Thema beschäftigen soll, komme seiner Auffassung nach zu spät. Während die amerikanischen Networks durch den Start von Hulu die Möglichkeit bekamen, sinkende Primetime-Quoten zu kompensieren, seien die Sender hierzulande nicht in der Lage, die Defizite durch fehlende senderübergreifende Plattformen zu auszugleichen, sagte Loeb.

Wachstum sei nun nur noch in der Nische möglich, betonte der Geschäftsführer der WDR Mediagroup. Zustimmung erhielt Loeb von RTL interactive-Geschäftsführer Marc Schröder, der sich bezüglich des Markteintrittes von Netflix aber "sehr gut vorbereitet" sieht. Es bringe nichts zu lamentieren, sagte Schröder. Ähnlich äußerte sich auch Maxdome-Geschäftsführer Andreas Heyden. Die Entscheidung des Kartellamts sei zwar ein Rückschlag, man müsse sie aber hinnehmen. Er zeigte sich aber davon überzeugt, dass ein großer Teil des VoD-Kuchens über den Teich wandern werde, was den Nutzern am Ende aber vermutlich überwiegend egal sei.

Geradezu verärgert zeigte sich Marc Schröder indes als es um die gefeierte Netflix-Serie "House of Cards" ging. "Ich kann es nicht mehr hören", entfuhr es dem Chef von RTL interactive. Die Serie sei vor allem eine "großartige Marketingstrategie". Dabei habe niemand geschrieben, dass "House of Cards" hierzulande am Zuschauermarkt kein Erfolg gewesen und von Sat.1 ins Nachtprogramm verschoben worden sei. Das sei allerdings auch darauf zurückzuführen, dass die Serie viel spitzer produziert sei als klassische Free-TV-Serien, erwiderte Robert Amlung, der sich beim ZDF um Digitale Strategien kümmert. Viel mehr würde Netflix seine Serien aufgrund von Daten seiner Nutzer produzieren lassen. Diese neuen Erfahrungen müsse man in Deutschland erst noch sammeln.

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