Müsste man die Glanzzeiten von Sat.1 mit nur einer Silbe beschreiben, dann läge die Antwort auf der Hand: Rex. Wohl kaum ein Serienstar verkörpert die glorreichste Phase des Privatsenders so wie der berühmte Schäferhund. Immerhin zehn Jahre lang ermittelte der tierische Kommissar an der Seite wechselnder Protagonisten, allen voran Tobias Moretti und Gedeon Burkhard, die ihre TV-Karrieren zu nicht unwesentlichen Teilen besagtem Schäferhund zu verdanken haben.
Kaum zu glauben, dass es schon über 20 Jahre her ist, dass Rex aus dem Sat.1-Programm verschwand, wenngleich andernorts immer wieder an Neuauflagen gearbeitet wurde. An den Charme des 90er-Jahre-Hits kam gleichwohl keine von ihnen heran. Auch nicht "Der Bulle und das Biest" – jene Serie, mit der Sat.1 vor mittlerweile sieben Jahren schon einmal versuchte, "Kommissar Rex"-Vibes zu vermitteln. Mit dem Unterschied, dass Rocky weniger durch spektakuläre Einsätze als vielmehr durch sein im Großformat gefilmtes Sabbern in Erinnerung blieb.
So gesehen war Sat.1 gut beraten, bei der neuerlichen Neuauflage des Serienklassikers wieder dem ORF zu vertrauen, der auch schon vor mehr als 30 Jahren die Fäden – oder besser gesagt: die Hundeleine – zog. Und so versprüht auch der neue Rex wieder Wiener Charme, was sich gleich zu Beginn des ersten Falls in ganz besonderem Maße zeigt. Ein Einsatz in direkter Nachbarschaft des abendlich beleuchteten Stephansdoms bringt Rex und sein Herrchen, den von Maximilian Brückner gespielten Kommissar Max Steiner, in Gefahr, weil ein zitternder Mann im wahrsten Sinne des Wortes auf einer Bombe sitzt. Inszeniert mit sehenswerten Drohnenaufnahmen, bilden die ersten Minuten nicht zuletzt unter optischen Gesichtspunkten einen Auftakt nach Maß.
Auch inhaltlich macht der neue "Kommissar Rex" einiges richtig – weil der Namensgeber glücklicherweise nicht ständig im Mittelpunkt steht, was die Serie auch für all jene erträglich macht, die nicht dem Glauben verfallen wollen, dass es der Schäferhund ist, der sämtliche Kriminalfälle löst. Und auch wenn mancher Dialog ein wenig zu schablonenartig geraten ist, macht die Verfilmung Spaß, gelingt es Regisseur Andreas Kopriva doch, die Bücher von Timo Lombeck und Marcel Kawentel temporeich zu inszenieren. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil Rex und Max doppelt so viel Zeit für die Täterjagd haben wie früher. Das schafft Raum für eine weitere Ebene, in der das Privatleben des (menschlichen) Kommissars ins Zentrum rückt; mitsamt Ex-Frau Sarah (Marie Burchard) und der erwachsenen Tochter Anna (Sophie Borchhardt), die plötzlich wieder zu ihrem Vater zieht. Zusammen mit Ferdinand Seebacher und Doris Golpashin, die Steiners Arbeitskollegen spielen, ist hier ein stimmiges Serien-Ensemble zu betrachten.
Und so gelingt es "Kommissar Rex" tatsächlich, ein wohliges Gefühl der Vertrautheit zu entwickeln, ohne jedoch altbacken zu wirken - Wurstsemmel inklusive. Zusammen mit der Produktionsfirma MR-Film haben ORF und Sat.1 also eine stimmige Neuauflage geschaffen. Die früheren Glanzzeiten wird sie alleine kaum zurückbringen können; aber vielleicht taugt die Serie ja zumindest als Puzzlestück auf dem langen Weg dorthin.
"Kommissar Rex", montags um 20:15 Uhr in Sat.1
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