Der Bulle und das Biest © Sat.1/Christoph Assmann
DWDL.de-Serienkritik

"Der Bulle und das Biest": Viel Sabber um nichts

 

Weit mehr als zehn Jahre nach dem letzten Einsatz von "Kommissar Rex" ist Sat.1 bei einer Krimiserie wieder auf den Hund gekommen. Sympathisch ist Rocky, wie der sabbernde Serien-Star heißt, aber nur bedingt. Nicht das einzige Problem...

von Alexander Krei
07.01.2019 - 16:50 Uhr

Er sabbert ständig und er pinkelt in Schuhe und auf den Autositz. Nein, ein wirklicher Sympathieträger ist der Star der neuen Sat.1-Serie "Der Bulle und das Biest" auf den ersten Blick nun wirklich nicht – und damit unterscheidet sich Rocky, ein Hund der Rasse Bullmastiff, ganz gehörig vom athletischen "Kommissar Rex", den einst vermutlich nur Hundehaarallergiker nicht leiden konnten. Beliebt ist Rocky anfangs nicht mal bei Polizeikommissar Elias Decker, weil er ihm bei einem Einsatz erst in seine empfindlichste Zone beißt und schließlich, man ahnt es schon, auf ihm sein kleines Geschäft erledigt.

Sat.1 hat es also tatsächlich wieder getan. Ganze 15 Jahre nach dem Ende von "Kommissar Rex", der später mit italienischem Herrchen noch eine Zeit lang weiterschnüffeln durfte, nimmt der Sender wieder eine Krimiserie mit Polizisten-Hunde-Gespann ins Programm. Dass diese aufgewärmte Idee nun als große Serien-Hoffnung herhalten muss, spricht allerdings Bände. Wer ein Innovations-Feuerwerk erwartet, dürfte bei dem Neustart schnell enttäuscht werden.

 

Und dass "Der Bulle und das Biest" cooler, schneller und männlicher daherkommt, wie Sat.1 behauptet, vermag man angesichts der Bräsigkeit der ersten Folge kaum zu glauben. Selbst vermeintlich spritzige Szenen wie die Hundejagd gleich zu Beginn wirken seltsam behäbig. Natürlich freunden sich Elias und der 50-Kilo-Koloss doch noch an – und so bleibt Rocky zwar das Einschläfern erspart, ärgerlicherweise nicht aber den Zuschauern. Arg bemüht schleppt sich der erste Fall um einen Drogendealer über die Runden und nur an manchen Stellen lässt sich erahnen, dass die Geschichte mehr hergibt als es die naheliegenden Gags vermuten lassen.

Tiefgründig wird es bloß für einen kleinen Augenblick, in dem Elias vor dem Grab seiner Schwester steht und auf deren früheren Freund trifft. Dieser hat den Tod offenkundig noch nicht überwunden und wird nur wenig später mit Tötungsabsicht von einem Auto angefahren. Die Hintergründe bleiben zunächst im Unklaren, viel mehr erfährt der Zuschauer zumindest in der ersten Folge nicht. Doch die kurze Sequenz nährt die Hoffnung, dass die Handlung der neuen Serie breiter angelegt ist als es der ständig sabbernde Hund vermuten lässt.

Sieht man davon ab, wirken die Protagonisten über meiste Zeit hinweg leider sehr holzschnittartig – hier der ständig aufbrausende Chef, dort die resolute Kollegin (Franziska Wulf), die selbst dann noch beherzt in ein Brötchen beißt, wenn es vollkommen mit Rockys Spucke übersät ist. Hauptdarsteller Jens Atzorn hat es in diesem Umfeld schwer zu glänzen. So recht will der Funke zwischen ihm und dem Hund nicht überspringen – und damit letztlich auch nicht zwischen ihm und dem Publikum.

Der Bulle und das Biest© Sat.1/Christoph Assmann

Viel zu spröde und emotionslos kommt dieser Elias daher, als dass man ihn in sein Herz schließen möchte, wenn Rocky mal wieder seine Wohnung durcheinanderbringt. Einzig im Zusammenspiel mit Nora Huetz, die die um kein Wort verlegene Nachbarin spielt, nimmt Atzorns Spielfreude ein wenig zu. Auch wenn sich schon nach wenigen Sekunden erahnen lässt, dass es wohl kaum beim zunächst beschädigten Nachbarschaftsverhältnis bleiben wird. Das ist, wie so vieles in "Der Bulle und das Biest", leider viel zu vorhersehbar.

Und Rocky? Obwohl er im Mittelpunkt der Serie steht, bringt er die Handlung nur selten voran. Natürlich hilft er zwischendurch beim Lösen des Falls, doch es fehlt die Fantasie, dass die Ermittler nicht auch ohne ihn auf die richtige Spur gekommen wären. Dazu kommt, dass der Serie der "Oh-wie-süß"-Faktor trotz des tierischen Stars vollkommen abgeht. Etwas mehr fürs Herz hätte es inmitten all der Ruppigkeit schon sein dürfen.

Wie das geht, hat die Produktionsfirma Bantry Bay in der Vergangenheit schon zuhauf unter Beweis gestellt, schließlich zeichnete sie zuletzt für den großen Vox-Erfolg "Club der roten Bänder" verantwortlich – und Produzentin Gerda Müller legte auch schon in Sat.1 mit dem "Letzten Bullen" ein gutes Gespür für die richtige Balance an den Tag. Diese wird "Der Bulle und das Biest", so viel ist ist nach der Pilotfolge gewiss, erst noch finden müssen.

Sat.1 zeigt "Der Bulle und das Biest" montags um 20:15 Uhr.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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