Ein eigenes Bewegtbildangebot gehört inzwischen bei vielen Unternehmen und Organisationen zum guten Ton. Parteien haben in den zurückliegenden Jahren ebenso in diesem Bereich investiert wie Sportverbände. Erst im vergangenen Jahr stieg die Deutsche Fußball-Liga bei Dyn ein, die FIFA betreibt schon seit einigen Jahren eine eigene Streamingplattform. Und nun springt auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) auf den Zug auf. Zusammen mit der Sportainment Media Group, die hinter Sendern wie Sportdigital Fußball steht, bringt man den neuen Pay-TV-Kanal DFB.TV an den Start.
Der lineare Sender geht demnach bereits am 22. Mai auf Sendung, es ist der Vortag des DFB-Pokalfinals, das dann auch direkt Thema sein soll. Verbreitet wird der Sender über Partner wie DAZN, HD+, Vodafone und Zattoo. Mit weiteren namhaften Plattformen sei man aktuell in "konstruktiven Verhandlungen" für eine Aufschaltung vor dem Launch, heißt es. Darüber hinaus wird es auch eine App geben: Auf DFB.TV+ gibt es nicht nur das lineare Signal des Senders zu sehen, sondern auch viele Inhalte auf Abruf. Nutzerinnen und Nutzer zahlen entweder 5,99 Euro monatlich oder 59,99 Euro im Jahresabo. Das Angebot gibt es in ähnlicher Form auch für Österreich und die Schweiz.
Auf dem Sender und in der App wollen DFB und Sportainment "die gesamte Vielfalt des deutschen Fußballs" bündeln und erlebbar machen. Dabei geht es vor allem um Ligen und Wettbewerbe, die aktuell nicht an einen Medienpartner lizenziert sind. Am 23. Mai, einen Tag nach dem Start, werden bereits Live-Spiele des Finaltags der Amateure zu sehen sein. Weitere Live-Übertragungen sind von den Junioren‑Nationalteams und der 2. Frauen‑Bundesliga geplant. Angekündigt sind auch Zusammenfassungen des DFB-Pokals der Männer und Frauen, der 3. Liga und der Google Pixel Frauen Bundesliga. Auch Rückblicke auf die Geschichte des DFB, Pokalauslosungen, große Turniermomente der Nationalmannschaften und legendäre DFB‑Pokalspiele soll es zu sehen geben. Teil des Programms werden aber auch Futsal, Beach Soccer und der DFB ePokal.
Fußball-WM als Highlight
Ein großes Highlight soll in diesem Jahr zudem die Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko sein. Live-Spiele gibt es natürlich nicht zu sehen, diese wurden an die Telekom sowie ARD und ZDF lizenziert. Dennoch will man die Nationalmannschaft auf ihrer Reise begleiten, Ankerpunkt der Berichterstattung wird dabei das "German House of Soccer" in den USA. Zielgruppe des neuen Angebots sind in erster Linie Fußball-Fans in Deutschland, 35 Millionen davon zählen die Unternehmen aktuell. Eine direkte Ansprache ist bei den rund 8 Millionen DFB-Mitgliedern möglich. Sollte man davon auch nur einen Bruchteil für den Sender begeistern können, wäre das schon ein Erfolg - und eine gute Basis für die kommenden Jahre.
Der Sender wird als Joint Venture umgesetzt, wobei die technische Abwicklung aus Hamburg erfolgt. Hier hat auch Sportainment seinen Sitz. Ein weiteres Studio soll es in Frankfurt am DFB-Campus geben, durch diese Nähe will man auch inhaltlich profitieren. So will der Sender das Schiedsrichterwesen begleiten - und da steht 2027 eine durchaus große Veränderung an. Der "Kölner Keller" hat dann ausgedient, das Video-Assist-Center zieht nämlich um. Der VAR-Betrieb wird künftig aus Frankfurt gesteuert, hier will DFB.TV näher dran sein als andere. Auch andere Veranstaltungen auf dem DFB-Campus sollen begleitet werden.
"Das Programm ist von Anfang an durchfinanziert und wird vom Start weg schwarze Zahlen schreiben."
Gisbert Wundram, Geschäftsführer DFB.TV
Geleitet wird das gemeinsame Unternehmen von DFB und Sportainment von Gisbert Wundram und Bendix Eisermann (beide Sportainment) sowie Kay Dammholz, Direktor Medienrechte beim DFB. Sportainment-Geschäftsführer Gisbert Wundram sagt im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de, dass die Redaktion von DFB.TV zum Start rund zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfassen werde. Hinzu kommen solche Personen, mit denen man frei zusammenarbeitet, etwa mit Kommentatoren. Wundram spricht von "vielen Synergien", die man vor allem am Hamburger Standort mit den anderen Sendern des Unternehmens heben könne. Die redaktionelle Hoheit liegt beim DFB.
Kooperation mit Publicis Media
"Wir haben gemeinsam analysiert, ob es über die bestehenden Angebote, die der DFB bisher an verschiedene Medienpartner lizenziert, hinaus Bedarf an Inhalten rund um den DFB gibt. Und wir haben festgestellt: Ja, diesen Bedarf gibt es", sagt Wundram gegenüber DWDL.de. Man werde die Plattform über die kommenden Jahre hinweg ausbauen, so Wundram. Aber schon heute gebe es viele Möglichkeiten zur Berichterstattung rund um den DFB. "Wahrscheinlich könnte man damit auch zwei Sender füllen...", so der Sportainment-Geschäftsführer.
Noch vor dem Start haben Wundram und seine zwei Geschäftsführer-Kollegen gute Nachrichten finanzieller Natur: "Das Programm ist von Anfang an durchfinanziert und wird vom Start weg schwarze Zahlen schreiben", sagt Wundram. Das ist bei einem Projekt dieser Größe eigentlich überraschend. Durch die Distributionserlöse und Werbeeinnahmen auf der einen und eine schlanke Struktur auf der anderen Seite will man jedoch sofort break even sein.
"Mit diesem Angebot bringen wir den Fußball in seiner ganzen Breite noch näher an die Menschen. Inhalte, die bislang nicht zu sehen oder auf unterschiedlichen Plattformen verstreut waren, werden nun gebündelt."
Holger Blask, DFB-Generalsekretär und Vorsitzender der Geschäftsführung der DFB GmbH & Co. KG
Um direkt von Beginn an möglichst hohe Werbeeinnahmen zu haben, ist das Team von DFB.TV eine Vermarktungspartnerschaft mit Publicis Media eingegangen. Für den Aufbau und die Weiterentwicklung von DFB.TV setzt man zudem auf die Publicis Groupe als strategischen Partner. Als Marketing Acceleration Partner soll Publicis sämtliche relevanten Phasen der Wertschöpfung begleiten, also von der Markteinführung über den Reichweitenaufbau bis hin zur Monetarisierungs- und Vermarktungsstrategie.
Keine Konkurrenz für TV-Partner?
Spannend dürfte sein, wie sich der Sender mit seinem Programm in das bestehende Angebot aus Pay-TV-Sendern und Streamingplattformen einsortiert - und wie die etablierten Medienpartner es bewerten, dass der Verband, von dem sie wichtige Lizenzrechte beziehen, nun ein eigenes Medienangebot startet. Die Betreiber geben sich in dieser Sache betont locker und erklären, DFB.TV ergänze die bestehenden TV-Partnerschaften des Verbands und stehe nicht mit ihnen in Konkurrenz. Der Sender biete dem DFB die Möglichkeit, "neue Themen ins Schaufenster zu stellen und auszuprobieren", sagt Gisbert Wundram. Zumindest um die limitierte Zeit der Zuschauerinnen und Zuschauer buhlt man künftig aber in Konkurrenz.
Holger Blask, DFB-Generalsekretär und Vorsitzender der Geschäftsführung der DFB GmbH & Co. KG, sagt: "DFB.TV markiert einen entscheidenden Schritt in der medialen Weiterentwicklung des Deutschen Fußball Bunds. Mit diesem Angebot bringen wir den Fußball in seiner ganzen Breite noch näher an die Menschen. Inhalte, die bislang nicht zu sehen oder auf unterschiedlichen Plattformen verstreut waren, werden nun gebündelt – beispielsweise die 2. Frauen Bundesliga oder die Länderspiele unserer Jugend- und Futsalnationalmannschaft. Mit DFB.TV setzt der Verband ein klares Signal: für mehr Sichtbarkeit, für alle Facetten des Fußballs, für eine zeitgemäße Form der Fanansprache."
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