Der WDR wird am Mittwoch und Donnerstag bestreikt, weil sich der Sender in den Tarifverhandlungen mit DJV, ver.di und Unisono auch nach mehreren Verhandlungsrunden noch nicht einig geworden ist (DWDL.de berichtete). Der MDR ist da schon weiter, das Unternehmen hatte sich mit den drei Gewerkschaften bereits am 29. Mai auf einen Tarifabschluss geeinigt. Und auch wenn die Erklärungsfrist noch bis zum 23. Juni läuft und auch ver.di dem Ergebnis noch nicht final zugestimmt hat, hatte der Abschluss in den zurückliegenden Tagen unter anderem deshalb für Schlagzeilen gesorgt, weil der MDR Ausgleichszahlungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zugestimmt hat, die von den aktuellen Sparmaßnahmen besonders betroffen sind. 

Die "FAZ" schrieb: "Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in einigen Bereichen bereits das Paradies simuliert, ist nichts Neues. Nun gibt der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) ein Beispiel, dass noch eine Steigerung möglich ist." Bei der "Bild" war man noch etwas lauter unterwegs und warf dem Sender vor, "ganz besonders verschwenderisch mit den Gebühren der Beitragszahler" unterwegs zu sein. 

Am Mittwoch hat sich der MDR zur Sache geäußert und die Details der Vereinbarung veröffentlicht. Die "FAZ" berichtete zunächst auf Basis einer Veröffentlichung des DJV Sachsen. Nach MDR-Angaben wird es keine Anhebung von Gehältern und Honoraren geben, die Gewerkschaften hatten ursprünglich noch ein Plus von 7 Prozent gefordert. "Tarifvertragliche Entgelterhöhungen bei festen und freien Mitarbeitenden sind unter den derzeitigen Rahmenbedingungen im Mitteldeutschen Rundfunk nicht möglich", heißt es vom MDR, der erst kürzlich eine Reihe von Sparmaßnahmen umgesetzt hat. Diese nun getroffene Vereinbarung mit den Gewerkschaften gilt für das Jahr 2026. 

Aufgrund der Situation im MDR ging es aber auch den Gewerkschaften vor allem darum, möglichst viele Beschäftigungen zu sichern und finanzielle Einbußen einzudämmen. Und so hat sich der MDR dazu verpflichtet, zwischen Ende Mai und Ende Oktober dieses Jahres keine betriebsbedingten Beendigungsmitteilungen arbeitnehmerähnlicher freier Mitarbeiterinnen und fester Mitarbeitenden auszusprechen. Nach dem 31. Oktober ausgesprochene Beendigungen können frühestens zum 1. April 2027 wirksam werden. Soweit die Regel, von der es auch Ausnahmen gibt, etwa wenn "programmliche Abwechslungsbedürfnisse" oder das Verhalten einzelner Mitarbeitende im Mittelpunkt der Begründung einer möglichen Beendigung stehen. 

Gleichzeitig räumt der MDR ein, dass einige freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von den kürzlich kommunizierten Einsparungsmaßnahmen besonders betroffen sein werden. Dabei geht es vor allem um das Aus von "MDR um 2" sowie dem "Mittagsmagazin". Darüber hinaus hatte der MDR auch eine dreijährige Produktionspause für neue "Tatorte" und "Polizeirufe" angekündigt. Personen, die von diesen Einsparungen besonders betroffen sind, erhalten also Ausgleichszahlungen, "um finanzielle Härten" abzufedern. 

Zur Berechnung der Ausgleichszahlungen werden die Honorare für geleistete Tätigkeiten im Jahr 2025 mit den Honoraren für geleistete Tätigkeiten zwischen dem 1. April 2026 bis zum 31. März 2027 verglichen. Fallen die Honorare niedriger als in 2025 aus, hat der Mitarbeitende einen tariflichen Anspruch auf eine Ausgleichssonderzahlung gestaffelt nach der Anzahl der wiederkehrenden Jahre im MDR. Dabei hat sich der MDR mit den Gewerkschaften auf die folgende Staffelung geeinigt: 

  • 90% der Vorjahresbezüge des Kalenderjahres 2025 (ab 20 Jahren wiederkehrender Tätigkeit für den MDR) 
  • 85% der Vorjahresbezüge des Kalenderjahres 2025 (10-19 Jahre wiederkehrender Tätigkeit für den MDR)
  • 80% der Vorjahresbezüge des Kalenderjahres 2025 (1-9 Jahre wiederkehrender Tätigkeit für den MDR) 

Der MDR hält in einer Pressemitteilung fest, dass das nicht bedeutet, dass die betroffenen Mitarbeitenden 90, 85 oder auch 80 Prozent der gesamten Vorjahresbezüge erhalten, sondern nur den Differenzbetrag. "Mit der erzielten Einigung wird unter den gegebenen Rahmenbedingungen ein Ausgleich geschaffen, der sowohl den notwendigen wirtschaftlichen Konsolidierungsschritten des MDR als auch der sozialen Verantwortung insbesondere gegenüber den von den programmstrategischen Maßnahmen besonders betroffenen Mitarbeitenden Rechnung trägt", heißt es vom Sender.

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