Der VAUNET - Verband Privater Medien hat an diesem Montag seine neuesten Zahlen für den Pay-TV- und VoD-Markt in Deutschland vorgelegt. Bei der Vorstellung der Zahlen hielt der Verband fest, dass sich die Zahlungsbereitschaft für entsprechende Dienste weiter "auf Rekordniveau" befinde. Wahr ist aber auch: Die teils dynamischen Wachstumszahlen der vergangenen Jahren sind zuletzt merklich zurückgegangen.
So ging man bei der Vorstellung der Zahlen im vergangenen Jahr noch davon aus, dass sich die Pay-Umsätze 2025 auf 5,8 Milliarden Euro steigern würden. Aus den aktuellen Zahlen geht hervor, dass die Branche im vergangenen Jahr bei 5,5 Milliarden Euro stagnierte. Für 2026 geht der VAUNET von einem kleinen Anstieg auf 5,6 Milliarden Euro aus, wobei das Wachstum ausschließlich aus dem Bereich SVoD kommt, die klassischen Pay-TV-Sender verlieren leicht.
Doch warum weichen die tatsächlichen Umsatzzahlen für 2025 von der Prognose recht deutlich ab? VAUNET-Geschäftsführer Frank Giersberg erklärte das am Montag in einem Pressegespräch mit Journalistinnen und Journalisten unter anderem mit einem "anderen Marktumfeld". Giersberg: "Wir haben nicht alle politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konkret vorhersagen können."
Die Politik stand bei der Vorstellung der VAUNET-Zahlen zwar nicht im Mittelpunkt, sie schwang aber immer mit. Frank Giersberg kritisierte einmal mehr die geplante Investitionsverpflichtung für Streamingdienste, womit er bei den an der Pressekonferenz teilnehmenden Managerinnen und Managern aus den verschiedenen Häusern offene Türen einrannte. Giersberg forderte zudem einmal mehr ein Level-Playing-Field zu den Big-Tech-Konzernen und einen Verzicht der Politik auf Werbebeschränkungen jeglicher Art.
Mehr Abos, aber der Umsatz stagniert
Doch zurück zu den am Montag vorgestellten Zahlen. Während der Pay-Umsatz mittlerweile nämlich stagniert, zählt der VAUNET nach wie vor immer mehr abgeschlossene Abos. So gab es 2025 rund 15,8 Millionen klassische Pay-TV-Abos in Deutschland, im Vergleich zum Vorjahr war das ein Plus von 600.000. In diesem Jahr soll die Zahl auf 16,4 Millionen steigen. Bei den SVoD-Abos geht man davon aus, dass diese 2026 erstmals die Marke von 26 Millionen durchbrechen werden - und das deutlich.
Dass es trotz mehr Abo-Abschlüssen zu einem stagnierenden Umsatz kommt, war schon ein Phänomen der zurückliegenden Erhebungen rund um den Pay-TV- und VoD-Markt des VAUNET. Das ist unter anderem so zu erklären, dass es heute mehr Anbieter gibt als früher, die gleichzeitig günstigere Abos anbieten. Auf der anderen Seite sind die ganz großen (und teuren) Abos aus früheren Jahren rückläufig.
Gespräche zwischen RTL und P7S1
Auf der VAUNET-Pressekonferenz trafen unter anderem auch Nicole Agudo Berbel, Geschäftsführerin und Chief Distribution & Partnerships Officer bei ProSiebenSat.1, und Henning Nieslony, Executive Vice President Streaming RTL Deutschland, aufeinander. Wie schon vor einigen Monaten auf der ANGA COM bestätigte Agudo, dass beide Häuser aktuell Gespräche zur künftigen Distribution von Inhalten führen. Diese Gespräche würden aber noch etwas dauern, so die P7S1-Managerin. "Beide Seiten sind guten Willens, zu schauen, wie man das Verhältnis ausgestalten kann", so Agudo Berbel. Sie sei "guter Dinge, dass sich hier gute Lösungen finden werden."
Hintergrund dieser Aussagen war die Frage eines Journalisten, der wissen wollte, wieso immer noch alle von Kooperationen reden, die zwei größten privaten Sendergruppen dazu aber nicht in der Lage sind - zumindest nicht auf Content-Ebene. Nach wie vor sind die RTL-Inhalte nicht bei Joyn abrufbar - und andersherum. Wobei - ganz stimmt das mittlerweile nicht mehr. Über Sky Stream, das mittlerweile ja auch zu RTL Deutschland gehört, werden die ProSiebenSat.1-Sender verbreitet - dieser Deal wurde aber noch vor der RTL-Übernahme abgeschlossen. Wie RTL mittelfristig mit Sky Stream umgeht, ist noch nicht entschieden.
Zitate aus dem VAUNET-Pressegespräch
Frank Giersberg, VAUNET-Geschäftsführer: "Die Zahlungsbereitschaft für Pay-TV und Video-Streamingdienste bleibt in Deutschland auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten auf Rekordniveau. Größtes Wachstumssegment sind die Streamingdienste, aber auch die Nachfrage nach Pay-TV-Programmen bleibt auf sehr hohem Niveau. Einnahmen aus Abo-basierten Geschäftsmodellen sind – neben der Werbung – unverzichtbare Refinanzierungsgrundlage audiovisueller Medien und müssen von Politik und Regulierung durch positive Rahmenbedingungen in ihrer Entwicklung gestärkt werden."
Saevar Lemke, Geschäftsführer SPIEGEL TV Geschichte + Wissen sowie Vorsitzender des VAUNET-Arbeitskreises Pay-TV: "Die stabile Marktentwicklung bestätigt die anhaltende Wertschätzung für exklusive, qualitativ hochwertige Inhalte. Diese Beständigkeit ist ein klares Zeichen hoher Zuschauerloyalität und unterstreicht das anhaltende Vertrauen in die vielfältigen Pay-TV-Marken und SVoD-Angebote unserer Mitglieder und Plattformpartner, die mit viel Sorgfalt und Leidenschaft kuratiert werden. Unsere Sender SPIEGEL Geschichte und Curiosity Channel vereinen dabei lokale Relevanz und globale Perspektiven zu einem Premium-Doku-Portfolio, das durch unseren Streaming-Dienst Curiosity Stream abgerundet wird."
Nicole Agudo Berbel, Geschäftsführerin und Chief Distribution & Partnerships Officer bei ProSiebenSat.1: "Der Streaming-Markt wächst weiter. Der Schlüssel zum Erfolg ist die Kombination aus Content, Aggregation und einfachem Zugang. Darauf setzen wir auch bei Joyn und schaffen so zusätzliches Wachstumspotential: Joyn ist als werbefinanziertes Angebot mit seinem hochkarätigen Inhalte-Portfolio und unseren Formaten wie aktuell "Joko & Klaas machen Urlaub" bei den Zuschauer:innen überaus erfolgreich. Außerdem vereint Joyn als Aggregator vielfältige Inhalte unterschiedlicher Partner. Das macht die Plattform mit zuletzt 12 Millionen Zuschauer:innen noch attraktiver."
Henning Nieslony, Executive Vice President Streaming RTL Deutschland: "Im deutschen Markt steckt noch viel Potenzial für Bezahlinhalte – wenn Angebote konsequent aus Sicht der Kundinnen und Kunden gedacht werden. Die Nachfrage nach starken Inhalten ist da, die Zahlungsbereitschaft auch. Neues Momentum entsteht durch klarere Angebote, einfache Zugänge und starke Inhalte. Mit RTL und Sky können wir Entertainment und Sport künftig aus einer Hand gezielter entwickeln und neue Wachstumschancen erschließen."
Eun-Kyung Park, SVP & Country Manager GSA bei The Walt Disney Company: "Streaming ist heute ein selbstverständlicher Teil der Mediennutzung. Die Entwicklung zeigt, dass sich Plattformen und Verbreitungswege zunehmend ergänzen und gemeinsam Mehrwert für Nutzerinnen und Nutzer schaffen. Dass die Zahl der Bezahl-Abonnements weiter steigt, bestätigt unseren Weg: Wir investieren in hochwertige Inhalte, innovative Nutzererlebnisse und starke Partnerschaften, damit unsere Angebote überall verfügbar sind, wo unser Publikum sie erwartet."
Matthias Heinze, SVP Commercial & Managing Director GSA bei Warner Bros. Discovery: "Die aktuellen VAUNET-Zahlen zeigen die anhaltend hohe Nachfrage nach hochwertigen Bewegtbildangeboten. Der erfolgreiche Start von HBO Max ist der beste Beweis dafür. Für uns ist das Ansporn, weiter in starke Inhalte wie 4 BLOCKS ZERO oder die kommende Harry Potter-Serie zu investieren und gemeinsam mit starken Partnern neue Reichweiten für unser Publikum zu erschließen."
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