"Lost Boys - Der Fall US5" lautet der Arbeitstitel des nächsten Doku-Projekts, das die ARD jetzt angekündigt hat. ARD Kultur blickt darin auf die Boyband zurück, die in den 00er Jahren mit Songs wie "Maria" oder auch "Just Because of You" Erfolge vor allem im deutschsprachigen Raum feierte. Laut ARD-Beschreibung wird es aber eher keine nostalgische Reise in die Vergangenheit, sondern eine Auseinandersetzung mit einem System, das den damaligen Mitglieder einiges abverlangt hat. 

Man wolle sich mit den "dunklen, bislang verschwiegenen Seiten ihres Erfolgs" befassen, heißt es von ARD Kultur. So geht es um Druck, Abhängigkeiten, Ausbeutung und Übergriffe, die die "mentale Gesundheit der jungen Männer zunehmend zerstören". Erstmals blicken alle fünf ehemaligen Bandmitglieder der Original-Formation gemeinsam zurück - also Jay Khan, Chris Watrin, Mykel Johnson, Richie Stringini und Izzy Gallegos.

Neben den aktuellen Interviews gibt’s zahlreiche Privataufnahmen, die so noch nie gezeigt wurden - diese stammen vor allem von Izzy Gallegos. Die ehemaligen Popstars berichten vom schnellen Ruhm, aber auch von psychischem Druck, sexualisierten Übergriffen, Suchtproblemen, Zwangsouting und den Folgen einer Jugend im Scheinwerferlicht. Eine zentrale Figur in der Geschichte von US5, und damit auch in der Doku, ist der Musikmanager Lou Pearlman, der zuvor bereits die Backstreet Boys und N'SYNC groß gemacht hatte. In "Lost Boys - Der Fall US5" spricht Jay Khan über die sexualisierte Gewalt, die ihm durch seinen Förderer angetan wurde. 

Zu sehen gibt’s das Ganze ab dem 2. Dezember in der ARD-Mediathek. Für Buch und Regie der Doku zeichnen Julian Brimmers und Benjamin Westermann verantwortlich, als Produzentin und Produzent fungieren Johanna Behre und Johannes Nichelmann von nb Studios. Neben ARD Kultur sind von der ARD auch noch der SWR (Federführung), WDR und RBB mit beteiligt. 

US5 ist damit die nächste Band aus den 00er Jahren, die von der ARD mit einer Doku bedacht wird. Vor allem ARD Kultur arbeitet offenbar systematisch an einer dokumentarischen Aufarbeitung deutscher Popkultur, die vor allem von Millennials gefeiert wurde und wird. Große Erfolge hatte man beispielsweise vor rund drei Jahren mit einer Doku über die frühere Band Echt, in wenigen Tagen kommt zudem eine dreiteilige Dokureihe über die No Angels. Andere Projekte beleuchteten unter anderem Jan Delay, Viva oder auch Max Herre und Joy Denalane. Als die Echt-Doku 2023 veröffentlicht wurde, schrieb DWDL.de in Bezug auf mögliche Folgeprojekt: "Das führt unweigerlich zu der Frage, welche Stars sonst noch alte Privataufnahmen in ihren Kellern liegen haben. [...] Wie war das damals genau mit der deutsch-amerikanischen Boyband US5 und Lou Pearlman?"