Noch ein prominenter Abschied bei Netflix: Der Streamingdienst trennt sich von seinem Filmchef Dan Lin. Er habe mit seinem "Qualitätsanspruch, seinem Verhandlungsgeschick und seiner Strategie" das Filmgeschäft weiterentwickelt, sagte Ted Sarandos, Co-CEO von Netflix. Lin war im April 2024 zu Netflix gekommen, um die Zahl teurer Filmproduktionen zu reduzieren und stärker auf deren Wirtschaftlichkeit zu achten. Unter seiner Führung entstanden unter anderem "War Machine", "Happy Gilmore" und "The Rip".
Die Trennung soll Lin bereits am vergangenen Wochenende mitgeteilt worden sein, wie der US-Branchendienst "Deadline" berichtet. Er selbst erklärte, die Aufgabe sei "ein großes Privileg" gewesen.
Sein Abgang erfolgt kurz nach einer größeren Entlassungswelle bei Netflix. Erst in der vergangenen Woche hatte der Streamingdienst den Abbau von rund 1.000 Stellen angekündigt. Auch Doug Belgrad, der als Co-Leiter des Filmgeschäfts fungierte, muss im Zuge dessen gehen. Für Aufsehen sorgte zudem die Entlassung von Bela Bajaria, die über viele Jahre hinweg als Chief Content Officer bei Netflix fungierte (DWDL.de berichtete). Einen Nachfolger für Dan Lin will Netflix indes erst benennen, wenn Peter Rice offiziell die Leitung des Content-Bereichs übernommen hat. Er soll seinen Posten in wenigen Tagen antreten.
Als mögliche Kandidaten für Lins Nachfolge werden laut "Deadline" Michael De Luca und Pamela Abdy gehandelt, die zuletzt das Filmgeschäft von Warner Bros. verantworteten. Dem Bericht zufolge müssen jedoch zunächst ihre vertraglichen Angelegenheiten mit Warner Bros. abgeschlossen werden. Eine konkrete Entscheidung gibt es aber bislang wohl nicht.
Klar ist: An entscheidenden Positionen stellt sich Netflix neu auf. Zwar ist Netflix heute tatsächlich inhaltlich erheblich breiter aufgestellt als noch vor einigen Jahren, zuletzt wurde die Kritik an der programmlichen Aufstellung trotzdem zunehmend lauter. Dabei ging es unter anderem um Engagement-Probleme. Gleichzeitig fehlten zuletzt prestigeträchtige Produktionen, weil Netflix vermehrt auf Masse statt Klasse setzte. Diese subjektive Wahrnehmung lässt sich auch an der Zahl der Emmy-Auszeichnungen festmachen: 2021 waren es noch 44 - ein Allzeit-Rekord für eine einzelne Plattform. In diesem Jahr waren es nur noch 16, womit man weit hinter Apple TV sowie hinter HBO Max rangierte.
Die nun bekannt gewordene Personalentscheidung fällt in eine Phase, in der Netflix seine Filmstrategie ohnehin neu ausrichtet und stärker auf Kinoauswertungen setzt. Sarandos hatte sich zuletzt für ein exklusives Kinofenster von 45 Tagen ausgesprochen. Wie viel kreative Freiheit und welchen Stellenwert Kinostarts Netflix künftig einräumt, dürfte auch für die Besetzung der vakanten Führungsposition entscheidend sein.
von




