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ZDF-Intendant drückt aufs Tempo

Schnellstmöglich: Bellut will ZDFkultur einstellen

von Alexander Krei
22.02.2013 - 10:29 Uhr

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Gerüchte über eine Einstellung von ZDFkultur gab es bereits seit vergangenen Sommer - nun, nicht mal zwei Jahre nach dem Start, ist das Ende des Digitalkanals beschlossene Sache, wie das ZDF am Freitagvormittag mitteilt. Alle bislang bekannten Details.

Die Bombe drohte schon einige Zeit zu platzen. Am Freitagvormittag war es dann soweit: Wie der Mainzer Sender in einer wortkargen Mitteilung bekanntgab, wird Intendant Thomas Bellut dem ZDF-Fernsehrat und den Bundesländern vorschlagen, den Digitalkanal ZDFkultur in seiner jetzigen Form einzustellen. Die von der Politik geforderte Beitragsstabilität zwinge das ZDF zu Sparmaßnahmen, sagte Bellut. Bis zur endgültigen Entscheidung der Bundesländer soll ZDFkultur auf ein Wiederholungs- und Schleifenmodell umgestellt werden - und zwar "so rasch wie möglich", heißt es.

Die "anerkannt innovativen Programmformate", wie sie das ZDF bezeichnet, sollen von ZDFneo und 3sat übernommen werden. Mit "Roche und Böhmermann" hat man allerdings gerade erst das wohl wichtigste Aushängeschild verloren. Ganz überraschend kommt das geplante Aus von ZDFkultur jedoch nicht. Bereits im Sommer vergangenen Jahres deutete ZDF-Intendant Thomas Bellut erstmals an, sich künftig einen Sender der Familie sparen zu wollen. "Wir müssen uns schon fragen, wie viele Digitalkanäle wir stemmen können", sagte er im Juli 2012 in einem "Zeit"-Interview.

Priorität hätten demnach ZDFinfo und ZDFneo. Für ZDFkultur gab es schon damals nicht mehr als ein paar warme Worte. "Trotzdem habe ich auch ein Herz für ZDFkultur. Viele Angebote gefallen mir gut", so Bellut damals. Wenige Tage später wurde das Aus des täglichen Magazins "Der Marker" beschlossen, dessen letzte Ausgabe inzwischen längst über den Bildschirm gegangen ist. Die Einstellung bezeichnete das ZDF gegenüber DWDL.de als "unumgänglichen Schritt im Rahmen des Priorisierungsprozesses zur Umsetzung der Sparauflagen der KEF". Nun, nicht mal zwei Jahre, nachdem ZDFkultur aus dem Theaterkanal hervorging, steht also der komplette Sender vor dem Ende.

Welche Formate eine Zukunft bei anderen Kanälen haben werden, ist noch unklar. Doch eine Fortsetzung der Comedy "Götter wie wir", die kürzlich sogar für den Grimme-Preis nominiert wurde, gilt wohl als wahrscheinlich. ZDFkultur zeigte zuletzt aber auch den Sex-Talk "Im Bett mit Paula" und eine Neuauflage der einst bei kabel eins ausgestrahlten Musiksendung "Number One" mit Markus Kavka. Erst zu Beginn des Jahres war Dinesh Kumari Chenchanna zur neuen Koordinatorin für ZDFkultur und 3sat ernannt, nachdem der ehemalige Senderchef Daniel Fiedler in die neue zentrale Redaktion "Kultur Berlin" gewechselt war.

Das Aus von ZDFkultur wird wohl ganz sicher auch die Debatte um einen gemeinsamen Jugendkanal mit der ARD beflügeln. Immer wieder hatten sich Verantwortliche der ARD zu Wort gemeldet. Beim ZDF gab man sich allerdings stets betont zurückhaltend, auch wenn ZDF-Intendant Thomas Bellut kürzlich sagte: "Ich kann den verbreiteten Wunsch nach einem von ARD und ZDF gemeinsam betriebenen Jugendsender nachvollziehen und in der Sache spricht viel dafür, diese Herausforderung anzugehen". Gleichzeitig gab er nämlich zu bedenken, dass nicht nur ein überzeugendes Konzept nötig sei, sondern auch entsprechende Gelder, um das zu finanzieren. Mal eben nebenbei geht das nicht: "Jugendliche sind das am schwersten erreichbare Publikum."

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