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"Neue Stufe"

"extra 3" will Erdogan-Satire mit türkischem Text versehen

von Alexander Krei
29.03.2016 - 15:55 Uhr

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Die Türkei hat den deutschen Botschafter offenbar dazu aufgefordert, die Erdogan-Satire von "extra 3" zu löschen. Das könnte sich als Boomerang entpuppen: Die Redaktion kündigte an, das Video mit türkischen Untertiteln versehen zu wollen.

Die Redaktion des NDR-Satiremagazins "extra 3" will ihren knapp zweiminütigen Beitrag über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit türkischen und englischen Untertiteln versehen. "Ich finde, das ist wichtig und das sollte man machen", sagte der Redaktionsleiter Andreas Lange am Dienstag bei NDR Info. Dass die türkische Regierung den deutschen Botschafter wegen des kritischen Beitrags einbestellte, sei eine "neue Stufe" und "bedenklich". Gleichzeitig freue man sich aber über die Verbreitung des Videos, das nach Bekanntwerden des Vorfalls zusätzliche Aufmerksamkeit erhalten hatte.

NDR-Chefredakteur Andreas Cichowicz zeigte indes wenig Verständnis für das reichlich dünnhäutige Vorgehen der türkischen Regierung, auch wenn im Sender bislang keine Beschwerde eingegangen sei. "Dass die türkische Regierung wegen eines "extra 3"-Beitrags offenbar diplomatisch aktiv geworden ist, ist mit unserem Verständnis von Presse- und Meinungsfreiheit nicht vereinbar. In Deutschland ist politische Satire erfreulicherweise erlaubt. Darunter fällt auch der 'extra 3'-Beitrag", sagte Cichowicz gegenüber dem Medienmagazin DWDL.de und äußerte sich via Twitter mit einem Augenzwinkern: "Wir möchten uns hiermit noch bei Herrn Erdogan für die Unterstützung bedanken, unser Video weiter zu verbreiten."

Kritk am Vorgehen der türkischen Regierung kam auch vom Deutschen Journalisten-Verband. "Der türkische Machthaber Erdogan hat offenbar die Bodenhaftung verloren", sagte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall. "Wenn er wegen einer Satire den deutschen Botschafter in den Senkel stellt, haben die Macher von 'extra 3' ins Schwarze getroffen." Erdogan sei Opfer des "Streisand-Effekts" geworden", so Überall. "Seine außenpolitische Empörung ist so lächerlich, dass er sich zum Gespött der sozialen Netzwerke gemacht hat.“ Über das berechtigte Gelächter dürfe aber nicht übersehen werden, dass "die Verfolgung kritischer Journalisten in der Türkei bittere Realität ist".

Unterdessen sind neue Details zu dem Vorfall bekanntgeworden. So soll das türkische Außenministerium vom deutschen Botschafter Martin Erdmann in der vorigen Woche verlangt haben, dass der NDR-Beitrag nicht mehr gezeigt wird. "Wir haben verlangt, dass die Sendung gelöscht wird", sagte ein nicht näher benannter türkischer Diplomat der Nachrichtenagentur AFP.

"extra 3" hatte sich in einem knapp zweiminütigen Video auf satirische Weise mit Erdogans umstrittener Politik auseinandergesetzt - und zur Musik von Nenas "Irgendwie, irgendwo, irgendwann" den Song "Erdowie, Erdowo, Erdogan" getextet. Darin heißt es hinsichtlich der jüngsten Angriffe auf die Pressefreiheit in der Türkei: "Redaktion wird dicht gemacht, er denkt nicht lange nach und fährt mit Trängengas und Wasserwerfern durch die Stadt". Und: "Ein Journalist, der irgendwas verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast".

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