Foto: DWDL"Freuen wir uns für die Gastronomie rund um das Casino", scherzte ein deutscher Produzent auf der Suche nach einem ruhigen Platz für ein Gespräch mit einem Kollegen. Gespart wurde nämlich auch bei der Verpflegung: Zwischen den Konferenzen mussten sich die Festivalteilnehmer mit Hefeteilchen und süßen Kleinigkeiten begnügen - Lunch war diesmal nicht vorgesehen. So ließen sich mittags in der Gastronomie rund um das Casino zahlreiche Menschen mit Rose d'Or-Umhängern beobachten. Es sind banale Details, die aber so manchen Zeitplan durcheinander brachten, wenn Treffpunkte neu vereinbart werden müssen und man die Teilnehmer nicht am Veranstaltungsort halten kann.

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Vom Organisatorischen zum Inhaltlichen: Für eine Überraschung sorgte die hohe Nachfrage nach dem "WDR Poetry Slam" an den Filmkiosen. Das von Jörg Thadeusz moderierte Format war zwei Tage in Folge meistgefragtes Programm - weit vor z.B. "Schlag den Raab", was sich aber auch noch in den TopTen wiederfand. Trotz einer Rekordzahl von eingereichten Wettbewerbsbeiträgen fehlten den nach Luzern angereisten TV-Produzenten aus Deutschland aber die entscheidende Formatneuheit, wie unisono beklagt wurde.
 


Immerhin: Ein sehr bemerkenswertes, aber nicht spektakuläres Format war "My last words". Es bekam keine Goldene Rose, aber eine besondere Erwähnung der Jury. Obgleich in der Kategorie "Reality" nominiert, kann man "My last words" schwerlich in eine Schublade stecken mit Formaten wie "Big Brother" und Co. Für jede Folge des aus den Niederlanden kommenden Format wird ein todkranker Mensch während seiner letzten Wochen dokumentarisch von einem Filmteam begleitet. Es dokumentiert die letzten Tage, auch die Beerdigung - und zeigt der Familie des Verstorbenen eine vor seinem Tod aufgezeichnete Videobotschaft. Ein Realityformat von ungekannter Emotionalität - und mit dem nötigen Respekt vor Thema und Protagonisten.

Grafik: DWDL; Logo: Rose d'OrAm Mittwochabend bei der Preisverleihung ging es dann aber ohnehin nicht mehr um Programmtrends und Neuentdeckungen. Es wurden die Gewinner der neun Goldenen Rosen bekannt gegeben. Und Moderator Ben Elton erhielt noch einmal seine Ehrenrose überreicht - was schon in der Comedy Night am Montag zweimal vollzogen wurde. Mit Elton hat das Festival in diesem Jahr einen britischen Allround-Künstler für die Ehrenrose ausgesucht, der in Deutschand weitgehend unbekannt ist. Als Autor des Queen-Musicals "We will rock you" und Autor sowie Akteur mehrerer britischer Comedy und Fime hat er sich auf der Insel allerdings einen großen Namen gemacht - und in Luzern allen bewiesen, dass er den Preis verdient hat.

Kritikpunkte finden sich trotzdem reichlich bei der Rose d'Or 2007. Sie stecken aber im Detail, sind häufig organisatorischer Natur und bei einem völligen Neuanfang verkraftbar. Mehr TV-bezogene Panels statt Unternehmenspräsentationen, mehr Filmkioske, mehr Raum für Gespräche und eine vielleicht großzügigere Verpflegung würden dem Festival gut tun - inhaltlich wie atmosphärisch. Nach der Rose d'Or ist vor der Rose d'Or - die im kommenden Jahr vom 2. bis 6. Mai stattfindet.