Betriebsrat erwartet Kündigung für alle 192 Mitarbeiter

Logo: VIVADie Heiterkeit einer Sarah Kuttner will in diesen Tagen bei vielen VIVA-Mitarbeitern nicht ansteckend wirken: Während die Moderatorin vor laufender Kamera ihre Scherze über den "kleinen aber feinen Kuddelmuddel auf der MTV/VIVA/Viacom-Front" macht, bestätigten bereits mehrere Mitarbeiter des Musiksenders gegenüber DWDL, dass die Stimmung im Haus auf dem Tiefpunkt ist. Für 192 Mitarbeiter des Senders geht es um mehr als die Frage, ob das Programm noch attraktiv bleibt.

Wie der Betriebsratsvorsitzende Thomas Diekmann am Freitag gegenüber der Presse verlauten ließ, drohe wohl spätestens im Februar allen Mitarbeitern des Unternehmens die Kündigung. Für den Betrieb des Musiksenders auf Sparflamme benötigt man dann nach Einschätzung Diekmanns maximal zehn Prozent der bisherigen Belegschaft, die Viacom dann neu einstellen kann. Den VIVA-Mitarbeitern in Köln muss es da wie Hohn vorkommen, wenn im Zusammenhang der Übernahme noch einmal der Begriff "Senderfamilie" fällt.

"Ablauf Kommunikation Betriebsschließung"

Lesen Sie auch...
Kuttner will vom Ende nix wissen – aber spricht darüber

Nach elf Jahren und einem Monat: VIVA nimmt Abschied

VIVA-Gründer und Noch-Chef Dieter Gorny hatte den Mitarbeitern am Donnerstag den Zeitplan für die Abwicklung erläutert: Nach der VIVA Media-Hauptversammlung im Februar und dem In-Kraft-Treten des so genannten Beherrschungsvertrags, hat der neue Eigentümer Viacom endgültig die volle Entscheidungsbefugnis über das, was übrig bleibt. Bereits in der vergangenen Woche hatte Gorny übrigens laut Presseberichten eine eMail an die Mitarbeiter verschickt, der versehentlich den Titel "Ablauf Kommunikation Betriebsschließung" trug.

Vor diesem Hintergrund wirken Heiterkeit und Zuversicht von VIVA-Mitarbeitern gegenüber den Zuschauern und der Öffentlichkeit doppelt tragisch: Sie müssen Konzepte und Strategien verteidigen, die sie nicht geplant haben und die sie ihren Job kosten. Da stammelte auch die wortgewandte Sarah Kuttner am Donnerstagabend: "Fakt ist ja tatsächlich, dass all diese ganze Zusammenlegung für unglaublich konfuse kuddelmuddel-berechtige Ängste auf der Jobebene unter den Angestellten, Unsicherheiten, Sorgen machen usw. Das finden wir doof. Das find ich schlecht. Es wird nicht vernünftig kommuniziert, nicht in den Häusern, nicht nach draussen." Sarah Kuttner hat gesprochen.