Foto: Rose d'OrMit dem ersten "Catch of the day" begann am Donnerstagnachmittag der Konferenzteil des diesjährigen Festivals. Vor etwa 80 Vertretern internationaler Produktionsfirmen ging es John Gough (Foto) darum, einen eingeordneten und kurzgefassten Überblick über das Genre zu geben. Seine Einschätzung gebe aber keinen Hinweis auf die Vergabe der Preise am Samstag, so seine Einschränkung.

Wo also steht die Gameshow? In den vergangenen 50 Jahren wurden rund 500 verschiedene Formate entwickelt. Allein 250 davon aber in den letzten zehn Jahren: Da habe die zunehmende Programmvielfalt mehr Programmierungsmöglichkeiten mit sich gebracht. Im Vergleich zu fiktionalen oder journalistischen Angeboten und auch den immer spektakuläreren Realityshows bleibt die Gameshow ein günstiges Programm, so Gough. Und das ist sie schon seit über 50 Jahren. 1956 startete "The Price is right" in Amerika und läuft noch heute. Als modernen Klassiker führt Gough "Wer wird Millionär" an. Aber die Frage sei, was als Nächstes komme.

Drei Keywords seien bei der Weiterentwicklung des Genres von Bedeutung. "Changes in social attitudes", "Relaxation of TV industry guidelines" und "Changes in the law". Letzterer Punkt habe zum Beispiel erst vor kurzer Zeit auch in Großbritannien Gerichtshow-Formate ermöglicht und damit der TV-Industrie ganz neue Formate ermöglicht. Mit Verweis auf den Screen Digest der FRAPA (The Format Recognitation and Protection Association), stellen Gameshows 50 Prozent der globalen Fernsehsendezeit - wobei Deutschland dabei wahrlich keinen großen Beitrag geleistet haben kann.

Anders als zum Beispiel Belgien. Gough pickte aus den diesjährigen Nominierungen für die Goldene Rose in der Kategorie Gameshow die interaktive Show "The Home Team" heraus. Mit 30 Prozent Marktanteil läuft die Show derzeit in Belgien in der zweiten Staffel. Die von der Produktionsfirma DeMensen und dem belgischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen produzierte Sendung wurde dann von Raf Uten und Maurits Lemmens vorgestellt.

Anders als bisherige mutlose Ideen, basiert "The Home Town" maßgeblich auf dem Prinzip der Interaktivität und lässt in jeder Ausgabe des eigentlich klassischen Quiz eine Familie von zuhause mitspielen. Mit EB-Wagen und Moderatorin vor Ort im Wohnzimmer menschelt dieser Part der Show - die ansonsten sehr nüchtern und teilweise auch technisch daher kommt. Das hat einen Grund: Neben dem zuhause besuchten Team können am Fernseher alle Zuschauer per Teletext mitspielen. Ist man erfolgreich, bekommt man einen Code der per SMS abgeschickt möglicherweise dazu führt, dass das Kamerateam nächste Woche bei einem selbst vor der Tür steht.

Beantwortet werden Multiple Choice-Fragen. Anderes ist bei der Interaktivität über die Fernbedienung nicht möglich. Diese Einschränkung gebe es leider, so Raf Uten auf Nachfrage. Auch die Tatsache, dass der Teletext längst nicht in allen Ländern so verbreitet ist wie bei uns, macht das Format nicht überall möglich. Clever ist das Format trotzdem - besonders weil man, so Uten, anders als bei Sendungen wie "Deutschland sucht den Superstar" nicht nur eine SMS abschickt und wegzappt. Gewinnen können nur die Zuschauer, die während der Sendung nicht umschalten. Tun sie dies, finden Sie nicht mehr auf die versteckten Teletextseiten zurück, die am Ende bei richtig beantworteten Fragen den entscheidenden Code offenbaren.

Ob nun speziell dieses Format die interessanteste Entwicklung im Genre Gameshow darstellt, darf nach der einstündigen Veranstaltung natürlich bezweifelt werden. Aber sie macht klar, wie schmerzlich im deutschen Fernsehen jegliche Art von Primetime-Gameshow fehlt. Gerade die Szenen der vor Ort im Wohnzimmer von einer Moderatorin besuchten Familie erinnert an all die unzähligen Gameshow-Experimente der Privatsender in den 90er Jahren. Man mag sie im Nachhinein belächeln und das jetztige Programm - wenn man "Alm" und Dschungel ausblendet - als erwachsener bezeichnen. Manchmal jedoch wäre mehr Mut für neue Ideen und das Experimentieren wünschenswert.