Foto: DWDLBei der These, dass es sich bei der Einführung des IPTV um eine grundlegende Änderung der Medienlandschaft handelt, gar eine "Revolution" bevorsteht, waren sich eigentlich alle Teilnehmer des Diskussonspanels "Chancen und Konsequenzen von IPTV" einig. Doch was macht diese Revolution eigentlich aus? Was bewirkt IPTV? Warum sollte der Zuschauer darauf umsteigen?

Zunächst einmal bewirke IPTV und damit die zusätzliche Verbreitungsmöglichkeit über Breitbandnetze eine Zunahme bzw. erst ein wirkliches Entstehen des Wettbewerbs zwischen den unterschiedlichen Plattform, was im Allgemeinen - Vertreter der Satelliten- und Kabelnetzbetreiber waren nicht anwesend - auch begrüßt wurde. Dadurch werde mehr Vielfalt möglich, der Content werde wichtiger und die Medienlandschaft werde darüberhinaus demokratisiert, was beispielsweise am user-generated Content festgemacht wurde.

Da durch IPTV die Distributionskosten wesentlich reduziert werden, sieht Dr. Susanne Stürmer von der UFA Film & TV-Produktion die Chance gekommen, auch für kleinere Zielgruppen Inhalte zu produzieren. Nischenprogramme werden möglich, durch die Zuschauer hergestellte Inhalte können übertragen werden - quasi eine Rennaissance des Offenen Kanals - oder auch begleitende Erzählstränge zu "normalen" Fernsehprogrammen, die es nicht ins Programm eines größeren Senders schaffen, könnten verbreitet werden. Klemens Dreesbach von I-D Media pflichtete bei, dass viele Markenartikler am liebsten eigene Sender starten würde, was durch IPTV durchaus denkbar werde.

In eine ähnliche Richtung ging auch André Zalbertus, Geschäftsführer von center.tv Heimatfernsehen. Durch die einfach und kostengünstige Distribution von IPTV-Programmen könne endlich auch lokales Fernsehen profitabel hergestellt und verbreitet werden. Darin sieht er ohnehin einen Markt der Zukunft. Da die Fernsehproduktion zunehmend preiswerter werde, gebe es in Zukunft auch immer mehr Fernsehmacher, was es nötig mache, sich von den anderen zu differenzieren. Dies sei mit lokalen Inhalten besonders gut möglich.

Große Umwälzungen erwartet Dr. Marcus Englert, bei ProSiebenSat.1 für das Diversifikationsgeschäft zuständig, durch IPTV im Anfangsstadium nicht. Zunächst werde nur das lineare Fernsehprogramm 1:1 von anderen Distributionskanälen übernommen - in erster Linie wünsche der Zuschauer auch noch einen passiven Konsum der Inhalte. Daher erwartet er zunächst auch keinen Siegeszug des IPTV und Marktanteile maximal knapp im zweistelligen Bereich für den neuen Übertragungsweg. In diesem Sinne sei das Thema momentan etwas "overhyped".

Foto: DWDLDamit sich IPTV durchsetzen kann, müsse es seine wahren Stärken ausspielen, die durch den eingebauten Rückkanal möglich werden. Dieser sei zwar auch beim Kabel theoretisch möglich, jedoch hätten die Netzbetreiber in dieser Hinsicht "komplett versagt bisher", so Englert. Durch die Rückkanal werde aber erstmals interaktives Fernsehen tatsächlich möglich, worüber seit Jahrzehnten diskutiert werde. Doch damit die Sender solche Angebote machen können, müsse die Telekom Tools zur Verfügung stellen - und die stehen bislang auch noch aus.

Um sich gegen Kabelnetze und Satellit zu behaupten, muss nach Ansicht aller Panelteilnehmer für die Zuschauer echten Zusatznutzen bieten. Dieser könnte nach Ansicht von André Zalbertus in der direkten Kommunikation mit den Zuschauern ohne Medienbrüche liegen. Als vielversprechendes Angebot sahen unter anderem Manfred Moormann von der Telekom Austria, Hannes Heyelmann von Turner Broadcasting und Marcus Englert von ProSiebenSat.1 Video-on-demand- bzw. Subscripted-VOD-Angebote an.

Ein ganz spannendes Angebot sind nach Ansicht von Hannes Heylemann und Klemens Dreesbach auch digitale Videorecorder, die direkt ins Netz integriert sind. Zwar würden sich viele Sender noch dagegen sperren, doch sollten gerade diese aus Eigeninteresse solche Angebote fördern. So könnten Netzbetreiber das einfache Überspringen von Werbung verhindern, bei Geräten zu Hause sei dies jedoch nicht der Fall. Den interaktiven Ideen sind insgesamt kaum Grenzen gesetzt. So bietet Turner Broadcasting in ausländischen Netzen beispielsweise bereits auch Spiele via TV an.

Wichtig sei vor allen Dingen eines: Den Zuschauer interessiert es nicht, welche Technik dahintersteckt. Für den Normalnutzer ist nur wichtig, dass es funktioniert, dass es einfach zu bedienen ist und dass vielleicht auch neue spannende Inhalte dazukommen. In diesem Sinne müsse bei der Vermarktung von IPTV weniger auf die technische Seite eingegangen werden, sondern der konkrete Nutzen für den Kunden dargestellt werden.