Es ist das nächste Online-Only-Format, das der SWR startet: Ab sofort gibt es jeden Freitag ab 19 Uhr in der ARD-Mediathek die neue Comedy "Tahnee.7" zu sehen. Dabei handelt es sich um einen satirischen Wochenrückblick, in dem Tahnee auf die Ereignisse der vergangenen Tage zurückblickt und einordnet. Dabei gibt es Stand-Up-Elemente, Tahnee nutzt dafür aber auch Parodien, schlüpft in die Rollen von Ruth Moschner, Lisa Eckhart oder Bruce Darnell.

Die ganze Sendung wird wöchentlich aktuell produziert, findet aber nicht im Studio statt. "Es war von Anfang an klar, dass es nichts im Studio werden sollte", sagt Tahnee im Gespräch mit DWDL.de über den Entstehungsprozess der Sendung. "Studios sind so clean, das bin ich nicht. Ich denke sehr in Bildern und wusste, dass es düster werden soll, wenn es um meine Gedankenwelt geht." Dass es tatsächlich düster geworden ist, kann man schon jetzt in Ausgabe 0 sehen, die Tahnee vorab bei Youtube hochgeladen hatte, um Feedback ihrer Community zu erhalten. Drehort ist ein alter Bunker. 

Im Vergleich zu dieser "Beta"-Ausgabe wird sich in den regulären Folgen, von denen es insgesamt acht geben wird, noch ein wenig ändern, das Grundgerüst aber steht. Tahnee ordnet die Woche aus ihrer Perspektive ein, eben mit Stand-Ups und Parodien und in einem ungewohnten Setting. Und weil ihre Gedanken "keiner logischen Konsequenz folgen" würden, könne es sein, dass es auch schon einmal wirr werden. "Das soll und darf so sein", sagt sie. Mit dabei ist auch André Herrmann ("Comedy Central Roast Battle", "Roasts der Woche"), der als Sidekick agiert und den die meisten Zuschauer wohl als Roaster kennen. "Wir harmonieren sehr gut und sehen Dinge aus einem ähnlichen Blickwinkel. Das verpacken wir aber unterschiedlich, ich in Parodien und er in Roast-Elementen", sagt Tahnee über die Zusammenarbeit mit Herrmann. 

Tahnee © SWR/Riverside/Guido Schröder Tahnee zusammen mit André Herrmann.

Die Comedienne ist aber nicht nur die entscheidende Person vor der Kamera. Tahnee hat das Format maßgeblich mitentwickelt, schreibt auch die Bücher, macht die Regie und ist im Schnitt mit dabei. Von ihr kam auch die Idee zur Sendung, die sie nun gemeinsam mit Riverside Entertainment produziert. "Für mich ist das Format ein Schritt zu mehr Eigenständigkeit. Vor allem auch, weil ich in alle Prozesse eingebunden bin", sagt sie gegenüber DWDL.de. In jedem Fall, das ist Tahnee wichtig, soll das Format anders sein als vergleichbare Sendungen, die man grob als "Wochenrückblick mit Comedy-Elementen" zusammenfassen kann. "Mein Anspruch war, dass es anders ist und hier und da auch aneckt. Ich wollte einfach was Neues machen", sagt sie und schiebt hinterher: "Es soll nichts Glattgebügeltes sein."

90 Prozent der Auftritte weggebrochen

Normalerweise geht Tahnee mit ihren Solo-Programmen ("geschicktzerfickt", "Vulvarine") regelmäßig auf Tour, in Zeiten einer globalen Pandemie ist das natürlich nicht möglich. "Dadurch, dass ich seit einem Jahr zum überwiegenden Teil nicht auf Bühnen stehen kann, sind Mediatheken, das Fernsehen oder auch Youtube das einzige für mich, das funktioniert", sagt sie. Zu sehen ist sie seit jeher durch Gastauftritte immer in vielen verschiedenen Formaten, zwischen 2016 und 2018 moderierte sie "Nightwash" und einst präsentierte sie auch die wenig langlebigen "Comedy Champions" bei RTLzwei. Zuletzt gehörte sie in der Amazon-Produktion "Binge Reloaded" zum festen Ensemble. Dennoch seien 90 Prozent ihrer Auftritte durch Corona weggefallen. 

Durch die Pandemie und den damit verbundenen Stillstand habe sie aber eben auch Zeit gefunden, um mal etwas herunterzukommen, sagt sie. Die Auftragsbücher in den vergangenen Jahren waren regelmäßig so voll, dass dafür keine Zeit blieb. Dadurch ist "Tahnee.7" entstanden. In diesem Jahr feiert die erst 28-Jährige zudem ihr 10-jähriges Bühnenjubiläum. "Ich habe in den Anfangsjahren manche Sendungen gemacht, die furchtbar waren", gibt Tahnee im Gespräch mit DWDL.de unumwunden zu. "Aber das passiert natürlich. Ich habe mit 19 angefangen und bin in die ganze Branche reingefallen." Und wenn die Karriere zu großen Teilen eben auch im Fernsehen stattfindet, ist das alles dokumentiert. "Einiges von früher will ich heute auch nicht mehr sehen", sagt sie und muss dabei selbst lachen. 

"Für mich ist das Format ein Schritt zu mehr Eigenständigkeit."
Tahnee

Heute hat sie viele Angebote, auch für klassische Late-Night-Shows. Etliche Anfragen lehnt sie ab. "Dass meine Agentin das so mitträgt, Chapeau!"  Über die Jahre habe sie ein gutes Gefühl dafür bekommen, was zu ihr passe und was nicht. "Auch deshalb finde ich das Projekt mit dem SWR jetzt so toll. Das ist mein erstes, eigenes Ding." Das Format selbst will sie sukzessive weiterentwickeln, starten wird man bewusst mit nur rund 15-minütigen Folgen. Und auch wenn vorerst nur acht Ausgaben geplant sind, hört es sich im Gespräch manchmal schon so an, als würde Tahnee bereits an die Zeit danach denken. Die Sendung soll der Anfang von etwas Neuem sein. 

Diese Sicht hat man ganz offensichtlich auch beim zuständigen SWR. Philipp Bitterling, Abteilungsleiter Programmplanung, bezeichnet Tahnee als "absoluten Gewinn mit Haltung und Biss, Herz und ganz viel Humor". Bitterling: "'Tahnee.7' ist für mich der Auftakt unserer Zusammenarbeit." More to come - so viel scheint sicher. Zum Auftakt geht’s in Tahnees Wochenrückblick übrigens auch um eines der dominierenden Medienthemen der vergangenen Tage: Dieter Bohlen und sein RTL-Aus. Beschäftigen will sie sich aber auch mit den Corona-Demos und dem Thema Mallorca-Urlaub. 

"Tahnee.7" ist ab sofort immer freitags ab 19 Uhr in der ARD Mediathek verfügbar.