Foto: Medientage MünchenDerzeit liegt der Schwerpunkt der massenhaft aus dem Internet heruntergeladenen Daten noch auf Audio-Inhalten. Für die Radiosender könnte dies der Beginn einer Rennaissance ihres Mediums mit dem angestaubtem Image sein, wenn die Macher nur darauf achten, den richtigen Ton zu treffen und vor allem die Bedürfnisse der Nutzer im Auge behalten.

Knapp 10 Millionen Menschen über 14 Jahren nutzen in Deutschland derzeit mobile MP3-Player, erklärt Wolfgang Werres, Geschäftsfüher des Marktforschungsinstituts TNS Infratest Media Research. Zwar sind das weniger als zehn Prozent der Bevölkerung, in der jungen Zielgruppe bis 29 Jahre jedoch hat schon fast die Hälfte ein solches Gerät. Die komprimierten MP3-Dateien seien auf dem besten Weg, ältere und vor allem sperrigere Speichermedien wie Kassetten und CDs abzulösen und dadurch die Nutzung von Audio-Inhalten nachhaltig zu verändern, erklärt Werres.


Kristian Kropp, Geschäftsführer und Programmdirektor von big FM in Stuttgart hat bei der jungen Zielgruppe mal nachgefragt. Herausgekommen sind "Visual Radio" als Verknüpfung von herkömmlichem Radio mit Handydiensten und mit "big FM 2C" der erste bebilderte Hörfunk, der im Handy-TV-Packet der MFD enthalten ist.

Den DJ sehen, Infos zu Songs und Künstlern, das Programm mitbestimmen und mit anderen Hörern in Kontakt treten wollen die Menschen, die die Welt ohne Internet gar nicht mehr kennen. Das Radio also wieder - wie in früheren Zeiten mit Hörerwünschen und Anrufsendungen - ein Medium zum Community-Building. Darauf hat Kropp sein Programm eingestellt. So will er die jungen Leute für das Radio zurückgewinnen.

Rund 80 Prozent des genutzten MP3-Contents ist Musik. Früher einmal lag die Musikkompetenz beim Radio, erklärt Kropp. Heute jedoch habe das Radio die Kompetenz in den Ohren seines Publikums abgeben müssen an Internet und Fernsehen und kämpfe derzeit mit den Zeitschriften um den dritten Platz.

"Wir machen das, um Geld zu verdienen", lautet die schlichte Motivation des Radiomanns. Für einen Radiosender klassischer Bauart immer schwieriger. So ist "big FM" längst keine einfache Radiostation mehr, sondern eine multimediale Marke, die seine Hörer- und inzwischen auch Kundschaft mit Radio, Online- und Handydiensten sowie Events versorgt. Auch für die Werbewirtschaft hoch spannend.

So empfindet auch Kropp seinen Job, das merkt man ihm an. Vor allem, so sagt er, weil man in diesem Bereich derzeit sehr viel lernen könne indem man gemeinsam mit Hörern und Werbekunden neue Wege beschreite. Schließlich war es für einen Radiomacher früher undenkbar, dass er Volontariate in der Bildbearbeitung anbietet.