Mad Men © Frank Ockenfels/AMC

Mad Men: Wieder Mieder und Whisky

 

von Regine Pfaff
04.09.2013 - 17:29 Uhr

Drehbuchschreiber und Kreativkopf Matthew Weiner kassierte bei HBO im Jahre 2002 eine Absage für das Projekt, wanderte aber weiter zu AMC, wo das Vorhaben im Jahr 2007 mit der ersten Staffel umgesetzt wurde. Im Frühjahr dieses Jahres ging die Drama-Serie in die sechste Staffel, die am 23. Juni ihr Finale feierte. In Deutschland startete der FOX Channel im Jahr 2009 mit der Ausstrahlung und ZDFneo nahm sich im Free-TV der Thematik, mit der Werbebotschaft „Hinter jeder erfolgreichen Frau steht ein Mann, der ihr auf den Arsch glotzt“ 2010 an.

Die fiktive Werbeagentur, die in den frühen 60er Jahren als „Sterling Cooper“ startete, sich durch Ab-und Zugänge mittlerweile „Sterling Cooper & Partners“ nennt, verkauft, wie für die Werbebranche üblich, hauptsächlich Träume. Allen voran der geheimnisvolle, schwer durchschaubare, aber sehr erfolgreich agierende Werbefachmann Don Draper (Jon Hamm). Der Anzug sitzt 24/7, eine Zigarette brennt fast toujours an der rechten und ein Glas Hochprozentiges schmückt meist die linke Hand. Dass Traumwelten aber selten den Charakter des Realen besitzen und beruflicher Erfolg, gemessen an einem hohen Kontostand, nicht ausreichend für Lebensqualität und persönliche Ausgeglichenheit sein muss, deutet bereits der Vorspann mit einem sich im freien Fall befindenden Don Draper an. Zur Musik von RJD2 stürzt er an den Zufriedenheit und die Vorzüge des American Dreams proklamierenden Werbeplakaten der Hochhausfassaden vom Arbeitsplatz des Kreativen direkt in die Tiefe. Ein ambivalenter Protagonist, der vor allem im Privaten immer zu fallen droht, mehr sucht als findet und selten zur Ruhe kommt.

Dennoch könnte man trotz des Status' als Kritikerliebling und der Sammlung von Emmys und Golden Globes behaupten, dass „Mad Men“ polarisiert. Vereinzelt wird der Historien-Serie vorgeworfen, lediglich von der Atmosphäre zu leben: Mehr Schein als Sein, opulente Inszenierungen, pompöse Ausstattung, sozusagen die Dominanz reiner Ästhetik, was den simplen und langsam erzählten Plot zu kaschieren versuche. Die andere Seite hingegen sieht in der Serie ein detailgetreu nachgezeichnetes Bild, das, in einen zeitlichen Kontext eingebettet, verschiedene Lebensstile, die Problematiken in Form von Rollenverteilung und gesellschaftlichen Hierarchien mittels Bühnenbild und Kostümierung wiedergibt und ein treffendes Porträt sozialer Veränderungen skizziert. In Sachen Emmys hat die Pro-“Mad Men“-Fraktion zumindest die Kritiker hinter sich. Doch wie lange noch?

Nachdem die Serie über die New Yorker Werbeagentur in der Madison Avenue bis zum Jahr 2012 vier Jahre in Folge die Königsdisziplin für sich entscheiden konnte, hätte man mit einem Sieg im letzten Jahr einen neuen Rekord aufstellen können: 5 Siege in Folge - was in der Stiefschwestern-Kategorie „Beste Comedy“ bereits „Frasier“ (1994-1998) gelungen war. Allerdings machte "Homeland" den Männern aus der berüchtigten Straße in New York einen Strich durch die Rechnung, Fernsehgeschichte zu schreiben.

Der Blick auf den Verlauf der Emmy-Nominierungen von "Mad Men" zeigt zudem eine weniger erfreuliche Tendenz. Zwar ist die Nominierungszahl von 12 wieder zweistellig, im Vergleich zum Vorjahr (17) und dem Rekordjahr 2011 (19) nimmt die Zahl jedoch ab. Im ersten Jahr der Emmy-Teilnahme 2008 konnte man bei 16 Nominierungen zudem in sechs Kategorien gewinnen - letztes Jahr standen die Macher mit leeren Händen da. Daher dürften „Nominierung“ und „Sieg“ als zwei Paar Schuhe gelten, so dass angesichts einer recht hohen Nominierungszahl die Ausbeute real gewonnener Kategorien mittlerweile gar nicht mehr so groß erscheint. Eine Erwähnung wert ist neben all der Angabe von Quantitäten und Verhältnissen aus Nominierungen und Siegen allerdings die Bemerkung, dass „Mad Men“ auch dieses Jahr wieder bei fast allen wichtigen und prestigeträchtigen Kategorien vertreten ist.

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