Kleine Entzauberung der Preisverleihung

"Breaking Bad"-Festspiele bei den Primetime Emmys

von Thomas Lückerath
26.08.2014 - 05:07 Uhr

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© Television Academy

Zahlreiche Abschiedsgeschenke für „Breaking Bad“ und auch sonst eher konservative Entscheidungen: Die 66. Primetime Emmy Awards erwiesen sich als sehr rückwärtsgewandt. Wer in Downtown Los Angeles jubeln konnte…

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Kein Mut, eine Fantasy-Serie wie „Game of Thrones“ in der Königsdisziplin zu ehren. Keine Ehre für „Orange is the new black“, eine gefeierte neue Comedyserie. Und auch die HBO-Krimiserie „True Detective“ bekam nur einen Emmy (Outstanding Directing for a drama series) trotz Favoritenrolle. Stattdessen viele Preisvergaben an Vorjahres-Gewinner und „Breaking bad“-Festspiele. Die 66. Primetime Emmy Awards in der Nacht zu Dienstag entpuppten sich beim Blick auf die Preisentscheidungen als eine recht konservative Preisverleihung. Dass die Entscheidungen bei den Emmys von den Mitgliedern der Television Academy bestimmt werden, mag der Auszeichnung unumstritten Gewicht verleihen, wie es eine Fachjury schwer könnte. Doch auf neue Serien und Trends reagieren die Emmys stets mit Verzögerung. Eine Fachjury wäre da möglicherweise progressiver.

Stattdessen wurden in diesem Jahr auffällig viele Emmys an eine längst beendete Serie oder Vorjahres-Gewinner vergeben - eine Trägheit, die auch von US-Journalisten längst deutlich kritisiert wird. Das ist umso ärgerlicher, da die von Seth Meyers moderierte TV-Gala selbst so kurzweilig war wie lange nicht. Schon sein StandUp zu Beginn konnte mit Biss und Selbstironie überzeugen. Verdient hat eine Ausnahmeserie wie „Breaking Bad“ all ihre Preise und doch hat es natürlich einen Beigeschmack, dass die Serie nur deshalb noch einmal bei den Primetime Emmys im Rennen war, weil AMC die Ausstrahlung der letzten Staffel aus Marketing-Sicht clever aufgesplittet hat.

So konnten sich in der vergangenen Nacht in Los Angeles nicht nur Anna Gunn und Aaron Paul je über einen Emmy für ihre Nebenrollen in „Breaking Bad“ freuen und Moira Walley-Beckett einen Emmy für Outstanding Writing bei „Breaking Bad“, konkret die Folge mit dem Titel „Ozymandias“, entgegennehmen. Auch Bryan Cranston wurde noch ein letztes Mal mit dem Emmy als bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie ausgezeichnet. Es ist sein vierter Emmy für die Rolle des Walter White. Und am Ende der dreistündigen Verleihung holte „Breaking Bad“ - wie im vergangenen Jahr - den Emmy in der Königsdisziplin als beste Serie des Jahres.



In den Comedy-Kategorien ging „Orange is the new black“ völlig leer aus. Bitter für Netflix, da auch „House of Cards“ in der vergangenen Nacht keinen einzigen Emmy bekam. Stattdessen wurde „Modern Family“ im 5. Jahr in Folge mit dem Emmy als beste Comedyserie geehrt und schreibt damit Geschichte. Und auch bei den Hauptrollen in Comedyserien gewannen mit Julia Louis-Dreyfus („Veep“) und Jim Parsons („The Big Bang Theory“) die Vorjahres-Gewinner. In den Nebenrollen gewannen Ty Burrell („Modern Family“) sowie Allison Janney („Mom“). Der Emmy für das beste Drehbuch einer Comedyserie ging an Louis C.K. für seine Serie „Louie“. Der Emmy für die beste Regie einer Comedyserie ging an Gail Mancuso für „Modern Family“. Die in den USA bei ABC laufende Comedy ist mit drei gewonnenen Preisen in der TV-Gala wieder einmal einer der großen Gewinner der Emmys.

Ebenfalls drei Emmys holte sich die BBC-Serie „Sherlock“. Benedict Cumberbatch wurde als bester Hauptdarsteller in einer Miniserie/Movie ausgezeichnet und sein Kollege Martin Freeman für die beste Nebenrolle in einer Miniserie/Movie. Beide waren leider nicht vor Ort in Los Angeles, um ihre Auszeichnungen entgegenzunehmen. Anders als Steven Moffat, der für sein Drehbuch zu „Sherlock: His last vow“ mit einem Emmy ausgezeichnet wurde. Die Siegesserie für „Sherlock“ sorgte dafür, dass sowohl der HBO-Film „The Normal Heart“ als auch die FX-Miniserie „Fargo“ mehrfach leer ausgingen. Doch dann: „The Normal Heart“ holte den Emmy als bester Television Movie und „Fargo“ räumte doch noch höchstverdient den Emmy in seiner Königsdisziplin als beste Miniserie des Jahres ab. Zusammen mit einem Emmy für beste Regie einer Miniserie erhält die in den USA bei FX und in Deutschland bei Netflix laufende Serie zwei Emmys an diesem Abend.

Zwei Emmys in den Miniserien-Kategorien gingen an „American Horror Story: Coven“. Kathy Bates gewann die Auszeichnung als beste Nebendarstellerin, Jessica Lange als beste Hauptdarstellerin in einer Miniserie oder Movie. Aus deutscher Perspektive weniger spannend: Der Emmy für Outstanding Writing for a variety specials ging an Sarah Silverman für ihr HBO-Special „Sarah Silverman: We are miracles“ und die Auszeichnung für die beste Regie eines Variety-Specials geht an Glenn Weiss für die 67. Annual Tony Awards. Beste Variety Series wurde wie schon im vergangenen Jahr auch diesmal „The Colbert Report“. Als bestes Reality-Competition Programm wurde nach „The Voice“ im vergangenen Jahr diesmal wieder Dauerbrenner „The Amazing Race“ ausgezeichnet. Und dann gibt es noch eine weitere Siegerin am Ende des Abends: Julianna Margulies die als beste Hauptdarstellerin für „The Good Wife“ ausgezeichnet wurde.

Die 66. Primetime Emmys werden in Erinnerung bleiben als „Breaking Bad“-Festspiele, die unterhaltsam inszeniert waren. Es ist das Jahr in dem Netflix trotz „House of Cards“ und „Orange is the new black“ bei der TV-Gala gänzlich leer ausging und selbst das gefeierte „True Detective“ von HBO nur einen Emmy holte. Einmal mehr erwiesen sich die Mitglieder der Television Academy als sehr treu gegenüber etablierten Produktionen und verliebt in schon beendete Serien. Immerhin: Zusammen mit den schon vor einer Woche bei den Creative Arts Emmys vergebenen Preisen ist die britische Produktion „Sherlock“ die von den Mitgliedern der US-amerikanischen Television Academy meistausgezeichnete Serie des Jahres (mit sieben Emmys). Das ist eine Öffnung, die „Downton Abbey“ noch versagt blieb.

Auf Seite 2: Ein Überblick über die Gewinner in den wichtigsten Kategorien

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