Daniel Brühl © DWDL.de
DWDL.de-Interview mit Daniel Brühl

Brühl über Serienrollen: "Hier hat man einfach die Zeit"

 

Mit „The Alienist“ - in Deutschland als „Die Einkreisung“ bekannt - war Daniel Brühl, sonst im Kino zuhause, erstmals im Emmy-Rennen. Die TNT-Serie ging zwar leer aus, geht aber in eine zweite Staffel. DWDL.de sprach mit Brühl über seine erste Serienhauptrolle und den Stellenwert von Kino in Zeiten des Serienbooms.

von Thomas Lückerath , Los Angeles
25.09.2018 - 11:30 Uhr

Daniel Brühl ist einer der Schauspieler, dem die Boulevardpresse gerne den Stempel „unser Mann in Hollywood“ aufdrückt. Der 40-Jährige Deutsch-Spanier war nach seinem großen Durchbruch mit „Good Bye Lenin!“ vor 15 Jahren immer wieder in internationalen Produktionen zu sehen. Mal ohne große Wahrnehmung in Deutschland, dafür mit großem Erfolg in Spanien, dann wiederum mit Rollen in großen Hollywood-Produktionen wie „Inglourious Basterds“, „Rush - Alles für den Sieg“ oder „The First Avenger: Civil War“. Im vergangenen Jahr lockte den passionierten Kinofan dann die Neugier zu seiner ersten TV-Rolle, wenn man von seinen Anfängen bei der ARD-Dailysoap „Verbotene Liebe“ absieht.



„Es war die interessante Kombination aus düsterer Kriminalgeschichte mit einer sehr unterhaltsamen Geschichtsstunde über New York und all die Wissenschaften, die damals ihre Anfänge hatten. Das ist reich und spannend genug damit sechs Monate zu verbringen“, sagt Brühl im DWDL.de-Interview. Er spielt in „The Alienist“ Dr. Laszlo Kreizler, einen Psychologen im New York des späten 19. Jahrhunderts, der der Polizei, die noch nicht viel von seiner Wissenschaft hält, bei der Jagd nach einem Serienmörder hilft. Die Serie des US-Kabelsenders TNT, die in Deutschland unter dem Titel „Die Einkreisung“ bei Netflix zu sehen war, holte nicht nur starke weil stabile Einschaltquoten sondern auf Anhieb auch eine Nominierung bei den Primtime Emmys als beste Limited Series.

Gegen den großen Favoriten „The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story“ hatte man zwar keine Chance, aber eine zweite Staffel gibt es trotzdem. Brühl freut sich im DWDL.de-Interview darüber, weil er erstmals eine Figur so lange spielen kann. „Ich war traurig nach sieben Monaten in Budapest meinen Mantel an den Haken zu hängen und zu sagen ‚tschüss‘, weil mir noch so viele Sachen ein für meine Figur einfielen“, sagt Brühl beim Gespräch in Los Angeles. „Als Schauspieler mal so einen langen Bogen spielen zu dürfen ist einfach toll. In einem Film musst du dich ja sehr beeilen, an bestimmte Punkte zu kommen - und hier hat man einfach die Zeit.“

Zweifelsohne ist „The Alienist“ ein Period Drama, aber doch sehr aktuell, was Daniel Brühl und die Crew der Serie während der Dreharbeiten schockiert hat. „Wir haben festgestellt, dass wir eigentlich eine sehr zeitgenössische Serie gemacht haben, weil wir viele Themen behandeln, die jetzt wieder auf der Tagesordnung stehen. Wir sind also nicht so weit gekommen. Es geht um Flüchtlinge, um Ausbeutung der Menschen, um die große Differenz zwischen arm und reich. Wir haben irgendwann gedacht: Es ist also gar nicht so angestaubt und historisch sondern relativ modern.“


Nun wird die zweite Staffel gedreht. Bei erfolgreichen Serien eigentlich eine Selbstverständlichkeit, doch bei einer Limited Series die auf einer auserzählten Buchvorlage von Caleb Carr basiert, eher ungewöhnlich. Glücklicherweise hat Carr jedoch noch einen weiteren Roman ("The Angel of Darkness") mit dem von Daniel Brühl portraitierten Dr. Laszlo Kreizler geschrieben. „Wir haben alle darauf gehofft, dass es weitergeht, aber es war halt eine Limited Series, daher wussten wir nicht ob es nochmal weitergehen würde oder nicht. Jetzt wird es ein komplett neues Abenteuer, aber mit denselben Figuren. Das wird wieder aufs Neue spannend“, freut sich Brühl. 2019 soll die neue Staffel kommen.

So wie Brühl von den neuen Möglichkeiten der Serie und dem tieferen Eintauchen in Figuren schwärmt, bleibt die Frage: Welchen Reiz hat dann eigentlich der Kinofilm noch? „Es bleibt trotzdem noch eine Erzählform, an der ich sehr hänge. Das Kino wird immer meine Leidenschaft bleiben. Das ist dann halt die andere Herausforderung, in einem Zeitrahmen von 90 Minuten oder zwei Stunden eine Geschichte zu erzählen. Das wird auch hoffentlich niemals aufhören. Ich brenne für das Kino und habe auch wieder vor, Kino zu machen“, sagt Brühl beim Gespräch in Los Angeles. Übrigens: Eine Woche vor den live übertragenen Primetime Emmys hat "The Alienist" übrigens immerhin einen Preis bei den Creative Arts Emmys abräumen können - für die besten Visual Effects in a Supporting Role.

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