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How to sell Drugs online (fast) © Netflix
Comedyserien beim Fernsehpreis

Deutsche Comedy: Es gibt mehr zu lachen als man denkt

 

Gleich fünf Comedyserien sind in diesem Jahr für den Deutschen Fernsehpreis nominiert - und das waren noch nicht einmal alle Produktionen, die eine Auszeichnung verdient hätten. Das zeigt: Humorvoller war das Fernsehen selten zuvor.

von Alexander Krei
08.06.2020 - 14:24 Uhr

Man kann nicht eben behaupten, dass wir Deutschen ein lustiges Völkchen seien, insbesondere wenn man ans Fernsehen denkt. Natürlich gibt es prägende Formate wie die gerade wieder für den Fernsehpreis nominierte "heute-show" – und wenn es um Humor mit der Brechstange geht, ist in aller Regel auf Mario Barth Verlass. Mit Blick auf die Fiktion war es aber lange Zeit schwer, auf eine Vielzahl sehenswerter Formate zu stoßen. Entsprechend besorgt musste man sein, als der NDR ankündigte, den "Tatortreiniger" in den Ruhestand zu schicken.

Umso erstaunlicher ist jedoch, was sich in den vergangenen Monaten getan hat. Auf einen Schlag bringt das deutsche Fernsehen so viele gute Comedyserien hervor, dass die Zahl der Nominierten beim Fernsehpreis stattliche fünf beträgt. Auffällig ist jedoch, dass der große Quoten-Hit nicht darunter ist. Vielmehr sind es vorwiegend Formate, die in der Nische ihr Publikum gefunden haben. So wie etwa die wunderbare BR-Serie "Hindafing", die vom üblichen Muster bayerischer Produktionen abweicht und eher an "Fargo" erinnert als an die "Rosenheim-Cops".

Die junge Produktionsfirma NeueSuper hat einen besonderen Ansatz gefunden, um eine im besten Sinne deutsche Geschichte in eine moderne Form zu packen. Ganz ähnlich ist auch die btf vorgegangen, die für Netflix die bereits verlängerte Comedyserie "How to sell Drugs Online (fast)" umgesetzt hat. Laut, schnell und bunt haben die Regisseure Lars Montag und Arne Feldhusen die Serie in Szene gesetzt und damit immer wieder den klaren Bruch zur deutschen Spießigkeit gewagt, die der Handlungsort Rinseln mit sich bringt.

Typisch deutsch ist gewissermaßen auch die RBB-Serie "Warten auf'n Bus", die ausschließlich an einer Bushaltestelle in Brandenburg spielt. Das simple, aber gelungene Konzept: Zwei Männer sprechen in einer Art Kammerspiel offen und ehrlich über ihr Leben. Und auch Sat.1 hat sich für seine nominierte Serie "Think Big!" keineswegs eine Fantasiewelt erschaffen, sondern erzählt die Geschichte eines Kölner Plattenbau-Girls, das mit einigen Tricks endlich durchstarten will. "Am Ende ist es wie Blumenkohl und Brokkoli: Beides Scheiße", sagt die junge Frau über ihre Lebenssituation. Nur schade, dass "Think Big!" aus Quotensicht alles war, nur nicht groß.

Das gilt auch für "Frau Jordan stellt gleich". Bei der ProSieben-Ausstrahlung verzeichnete die wunderbare Serie mit Katrin Bauerfeind vor wenigen Wochen nur äußerst enttäuschende Quoten – ein Glück, dass sie vorwiegend für den Streamingdienst Joyn entstanden ist, der bereits neue Folgen in Aussicht gestellt hat. Man darf sich also bereits auf neue Geschichten von Ralf Husmann freuen. Der Autor hat mit "Merz gegen Merz" übrigens noch eine weitere feine Serie gemacht, die es jedoch nicht zu einer Fernsehpreis-Nominierung gebracht hat.

Und es lassen sich noch weitere Beispiele finden, die eine Nominierung durchaus verdient gehabt hätten, allen voran die TNT-Comedyserie "Andere Eltern", deren zweite Staffel vor einigen Monaten zu sehen war. Es gibt also weit mehr humorvolles Fernsehen als man denkt – das ist die eigentliche gute Nachricht. So kann es gerne weitergehen.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Ist Sesselsportler, von Bundesliga bis Darts-WM.

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