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Das Hoff zum Sonntag

"Willicks weltweit": "Jetzt haben wir es echt richtig scheiße"

 

Dem WDR ist es nicht mehr genug, dass Yvonne Willicks ihre Kernkompetenz "Grundloses Staunnen" im Sendegebiet anwendet, nun wurde sie nach Texas geschickt. Hans Hoff ist wütend - und er fordert einen neuen Fernsehpreis dafür.

von Hans Hoff
01.10.2017 - 10:50 Uhr

Es gibt ja viele Fernsehpreise in Deutschland. Trotzdem bleibt eine Lücke. Die Trophäe für die dümmste Sendung des Jahres fehlt mir. Fehlt mir zumindest seit Mittwoch, als in mir der dringende Wunsch erwachte, eine Sendung zu nominieren und dabei den ausstrahlenden Sender ausdrücklich mit zu nennen. Mein Wunsch wäre, dass Anfang des nächsten Jahres jemand auf eine gut ausgeleuchtete Bühne träte und folgenden Satz sagte: „Der Preis für die dümmste Sendung im deutschen Fernsehen geht an 'Willicks weltweit' und den WDR als ausstrahlende Anstalt.“

Ganz ehrlich, mein Intellekt ist schon lange nicht mehr derart beleidigt worden wie von dieser Sendung. Ich kenne Yvonne Willicks zur Genüge und habe mich oft genug und zu recht abfällig über sie geäußert, weil sie als WDR-Haushaltsexpertin mit der Kernkompetenz „Grundloses Staunen“ immer wieder das Dööfchen vom Dienst in deutschen Küchen und in Fußgängerzonen des Sendegebiets spielt. Ich habe mir erklären lassen, dass der WDR das tun muss, weil er ja ein regionales Programm veranstaltet, weil er Beiträge kassiert, um im Lande NRW Grundsätze für Depperte zu erklären. Im Prinzip läuft das auf dem Niveau von Lehrsätzen wie: Wenn der Topf heiß ist, dann kann man sich daran verbrennen. Dazu gehört natürlich Willicks, die dann ihre Pupillen in die Kamera quellen lässt und wider besseres Wissen „Ist das so?“ fragt.

Dagegen sage ich nichts mehr und akzeptiere das als mir verschlossene Welten des regionalen Programmauftrages. Ich bin aber empört, wenn ich mitbekomme, dass es nicht mehr genug ist, wenn NRW mit solchen Konvoluten geflutet, sondern die von Willicks gezüchtete Dummheit nun auch noch weltweit praktiziert wird. „Willicks weltweit“ ist aber nun da, eine neue Sendung, und sie steht ganz offenbar für die globale Strategie des WDR nach dem Motto „NRW ist nicht mehr genug“.

Ich kann ja verstehen, wenn eine Moderatorin Lust hat, mal eine Reise anzutreten in ein fernes Land, sagen wir mal Texas. Darf sie machen. Dafür verdient sie genug. Warum aber muss sie auf Senderkosten noch einen Redaktionskollegen, einen Kamera- und einen Tonmann mitnehmen, um in einer Woche Dinge herauszufinden, die nicht über den Hauch von Relevanz für die Menschen im Sendegebiet verfügen, von denen noch nicht einmal klar ist, ob sie so, wie sie präsentiert wurden, überhaupt wahr sind und nicht nur die abgelutschtesten der abgelutschten Klischees bedienen? Ich sage mal so: Bei RTL II würde man sich für solch einen Mist schämen.

Ein Beispiel: Da kommt Willicks mit ihrem Team in Austin/Texas an und steht mit zerzaustem Haar in einem Hauseingang und schaut auf ein Gewitter. Das soll natürlich wirken wie Kriegs- oder zumindest Katastrophenberichterstattung, wobei ich hier gerne sagen möchte, was die eigentliche Katastrophe ist, das aber lasse.

Tatsächlich rauscht offenbar in der Nähe ein Tornado vorbei. Wird zumindest suggeriert. „Jetzt haben wir es echt richtig scheiße“, sagt Willicks, die zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnt, dass sie damit schon einen aussichtsreichen Urteils-Vorschlag für die Sendungsbewertung liefert. Dann schiebt sie schnell noch ein paar Bilder von den Überschwemmungen in Houston dazu. Die haben zwar fünf Monate nach den Dreharbeiten stattgefunden, aber so etwas verschwimmt bei ihrer Frontberichterstattung leicht mal. „Wer das texanische Wetter nicht am eigenen Leib erlebt hat, kann sich diese Gewalten kaum vorstellen“, sagt sie und schließt damit all jene von Erkenntnis aus, die nicht mal wie sie bei einem Gewitter mit zerzaustem Haar in einem Hauseingang gestanden haben.

Aber dann ist der Tornado so schnell weg wie er aufgetaucht ist, und Willicks kann mit Team feststellen, dass in Texas alles eine Nummer größer ist, sogar die Autos auf dem Supermarktparkplatz. Sie lässt sich von einem riesigen Kühlschrank verschlingen und per Bluetooth beschallen. Sie kauft Riesenpackungen fetthaltiger Substanzen wie Mayonnaise und Peanutbutter. Dann nimmt sie die Packungen in die Hand, schaut drauf und sagt, dass da aber ganz viel Fett drin ist und dass das gar nicht gesund ist. Das ist natürlich wichtige Verbraucherinformation für Menschen in NRW, die ja zwischen Minden und Bad Münstereifel beinahe täglich in die Gefahr geraten, in einem texanischen Supermarkt mal eine Riesenpackung Peanutbutter zu kaufen und dann am enthaltenen Fett zu sterben.

Dann führt die Redaktion Willicks noch ganz viele typische Amerikaner zu. Also nicht wirklich typische, weil die meisten ihrer Gesprächspartner deutsch sprechen. Aber die, die da sind, reichen, um die gängigsten Klischees breitzutrampeln. Alles groß, alles fett, alles teurer als zu Hause.

Als sie Waschmaschinen inspiziert, stellt sie fest, dass man in Amerika andere Einstellungen bei den Temperaturen nutzt. Ja Potztausend. Wer hätte das gedacht? Dann stürzt sie sich kopfüber in eine Waschmaschine, kommt aber leider wieder heraus. „So große Teile kann man ja in Deutschland nirgendwo hinstellen“, sagt sie, um dann noch ihre Lieblingsfloskeln im Übermaß zu verteilen. Sie sagt „Ich flipp aus“, und wenn sie das nicht sagt, sagt sie „Das ist echt einfach unglaublich.“

Ja, das ist es, aber anders als sie das meint. Das ist nicht nur Geldverschwendung, das ist öffentlich-rechtliche Volksverdummung im Übermaß. Gerechtfertigt durch nichts als die Ideenlosigkeit der zuständigen Programmmacher.

Am Ende trägt Willicks einen Cowboyhut und Fransenstiefel und sieht exakt so aus wie man sich einen strunzdummen deutschen Touristen in Amiland vorstellt. In dem Moment wünscht man sich, dass nie jemand in Texas diesen Film sieht. Sonst kämen die Menschen dort noch auf die Idee, dass das Fernsehen in Nordrhein-Westfalen die Menschen künstlich dumm hält.

„Die Amerikanerinnen und Amerikaner haben es auch nicht leicht, ihren Alltag zu organisieren“, resümmiert die Patente vom Dienst schließlich am Schluss und endet dann in einer Weisheit aus dem Poesiealbum: „Aber im Grunde haben wir alle die gleichen Sorgen.“

Da stand ich schon auf der Couch, heiser vom Herausbrüllen meiner Empörung. Die Nachbarn klopften bereits an die Wände und vermuteten wahrscheinlich, dass in meiner Wohnung irgendjemand missbraucht werde. Das stimmte sogar. Ich wurde missbraucht. Ich wurde missbraucht vom WDR, der mich mit seinem eigentlich für den regionalen Gebrauch gedachten Programm exakt so dumm machen will wie er Willicks inszeniert. Das gehört eindeutig bestraft. Mit Beitragskürzung, Entlassung der zuständigen Redaktion, Abschiebung von Fernsehdirektor Jörg Schönenborn und Intendant Tom Buhrow. Beide Chefs müssen nach Texas und dort Willicks Sendung nachstellen. Ortstermin. Damit sie mal merken, was sie da so ausstrahlen. Und dann müssen sie noch den von mir initiierten Fernsehpreis abholen und sich öffentlich schämen. WTF.

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