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Das Hoff zum Sonntag

Germany's Next Top-Phrase: "Auf eigenen Wunsch"

 

So viel personelle Bewegung wie in den letzten Wochen und Monaten war selten in der Medien-Branche. Und ist es nicht erstaunlich, wer da plötzlich alles "auf eigenen Wunsch" seinen Posten räumt? Alternativ bleibt allenfalls der Rückzug "aus persönlichen Gründen".

von Hans Hoff
07.04.2019 - 08:33 Uhr

Überraschend gab am Freitag die Hans Hoff Medien AG die Trennung von Hans Hoff bekannt. Das Unternehmen dankte seinem Namensgeber und versicherte, dass man einander freundschaftlich verbunden bleibe. Hans Hoff, der Vorstandsvorsitzende, dankte in einer Stellungnahme Hans Hoff für die geleistete Aufbauarbeit. Ohne Hans Hoff sei das Unternehmen quasi nicht denkbar gewesen. Hans Hoff habe die entscheidenden Impulse zum Ausbau der Marke gegeben, habe sich aber nunmehr entschlossen, das Unternehmen auf eigenen Wunsch zu verlassen. Seine Position übernimmt der bislang als Alter Ego fungierende Hans Hoff.

"Meine besten Jahre habe ich der Hans Hoff Medien AG gegeben, aber jetzt möchte ich mich neuen Herausforderungen stellen", verlautete Hans Hoff, der vor allem seinen Mitarbeitern für all die Jahre aufopferungsvoller Kreativität dankte. "Ohne sie wäre ich ein Nichts gewesen", sagte der Abtrünnige.

Ja, ich weiß, das klingt nach Quatsch. Ist es auch. Meine Presseabteilung hat mich auf Knien gebeten, Abstand zu nehmen von dieser unsäglichen Zeugnis-Lyrik. Aber wer wäre ich, auf PR-Fuzzis zu hören. Erst recht, wenn ich sie bezahle. Ich mache, was ich will, und ich wollte nun mal sicher gehen, dass ich nicht schon wieder einen Trend verschlafe.

Überall im Mediengeschäft verlassen derzeit wichtige Leute wichtige Posten, werden Strukturen auf links gezogen, was absehbar macht, dass die Umbauprozesse noch lange nicht an ihrem Ende angekommen sind. Kein Stein bleibt auf dem anderen. Man kann sich die Namen all derer, die nun nicht mehr tun, was sie lange taten, die es aber "auf eigenen Wunsch" nun nicht mehr tun, gar nicht mehr merken.

"Auf eigenen Wunsch" wird deshalb bestimmt in der Jahresendabrechnung der meistgebrauchten Phrasen einen der vorderen Listenplätze besetzen. "Auf eigenen Wunsch" oder wie es in der Branche hinter vorgehaltener Hand heißt: unfreiwillig, aber mit einer ordentlichen Abfindung versehen. Und mit einer Schweigeklausel, die verhindern soll, dass die wahren Umstände des Absprungs vom Personalkarussells zu Tage treten.

Wer ist in den jüngsten Monaten nicht alles "auf eigenen Wunsch" aus seinem Unternehmen ausgeschieden? Von wem war nicht alles zu hören, dass er dem Unternehmen weiter beratend zur Seite stehen wird? Ich fürchte ja, dass einzelne Unternehmen Gefahr laufen, überberaten zu werden, wenn ihnen künftig so viele ehemalige Mitarbeiter beratend zur Seite stehen. Was sollen dann PriceWaterhouseCoopers oder KPMG oder Roland Berger noch tun? Werden da alle arbeitslos?

Natürlich gibt es auch noch Variationen im virusgleich grassierendem Outplacement-Sprech. "Aus persönlichen Gründen" kommt auch immer sehr gut, wenn es für "auf eigenen Wunsch" nicht mehr gereicht hat und man eine Trennung auf einseitigen Wunsch nicht Rauswurf nennen möchte, bevor nicht das Arbeitsgericht final über die Causa geurteilt hat.

Übertrüge man all diese Stellenwechsel-Folklore mal auf eine stinknormale Ehe, dann würde die Frau den Mann in flagranti mit seiner Sekretärin erwischen oder einfach nur glauben, sie hätte ihren Mann mit einer anderen erwischt, wonach man flugs die "gemeinsame" (haha) Erklärung herausgibt, dass der Mann nunmehr "auf eigenen Wunsch" auf der Couch schläft, um sich endlich auch einmal der Herausforderung einer einsam verbrachten Nacht zu stellen.

"Aus persönlichen Gründen" heißt es, wenn die Betrogene ein paar Stufen rabiater reagiert und den Fremdgeher gleich vor die Tür setzt. Während sie noch die Schlösser austauschen lässt, geht natürlich die Rede vom großen Respekt, den sie vor seiner Entscheidung, die in Wahrheit ja gar nicht seine ist, hat, und natürlich wird sie ihm auch für seinen jahrelangen Einsatz und seine Erfolge danken.

Ein bisschen kenne ich das aus meiner Zeit als Popmusik-Beobachter. Da brachen Bands angeblich "wegen unterschiedlicher musikalischer Auffassung" auseinander, was meistens als Synonym zu verstehen war für den Umstand, dass sich zwei Arschlöcher mehrfach die Köppe eingeschlagen hatten, weil sie sich über die Aufteilung der bandeigenen Drogenration nicht einigen konnten und eine weitere Zusammenarbeit die Plattenfirma eindeutig zu viel Geld gekostet hätte.

Aber auch wenn ich das ganze Geplänkel kenne und es branchenübergreifend grassiert, so ist doch schon bemerkenswert, wie viele "auf eigenen Wunsch"-Nachrichten und wie viele "aus persönlichen Gründen"-Meldungen in den vergangenen Wochen die Runde machten, wie viel Respekt da beschworen wurde und wie dankbar alle allen waren. Es mögen welche darunter gewesen sein, wo Wortlaut der Pressemitteilung und Realität tatsächlich zueinandergepasst haben mögen. Aber es dürften wenige gewesen sein. Sehr wenige.

Wie viele genau, das bleibt im Dunkel. Man ist halt diskret unterwegs im Mediengeschäft.

Ich möchte gar nicht wissen, wie viel Geld dort in den vergangenen Wochen verbrannt wurde. Wahrscheinlich könnte man mit den Abfindungsunsummen ohne weiteres einen neuen Sender aufmachen und monatelang mit Top-Programm ausstatten.

Aber was erzähle ich. Ich verabschiede mich jetzt "auf eigenen Wunsch" von diesen Zeilen und suche "aus persönlichen Gründen" eine neue Herausforderung. Ich werde künftig Menschen beraten, die irgendetwas "auf eigenen Wunsch" machen wollen und dies "aus persönlichen Gründen" zu tun gedenken. Denen schreibe ich Presseerklärungen, die nichts, aber auch gar nichts aussagen. Ich steige quasi ein in den Markt der Coke Zero unter den Öffentlichkeitsmeldungen. Ich sage nichts, verblende das aber mit viel Aufputschmittel.

Ich danke mir daher hier und jetzt für all das, was ich erreicht habe und bezeuge mir und meiner Leistung den größten Respekt. Es kann so einfach sein im Mediengeschäft.

Über den Autor

Hans Hoff war Sozialpädagoge, rutschte aber ab 1979 durch Plattenkritiken und Konzertrezensionen in den Journalismus ab. Seit 1990 agiert er als staatlich anerkannter Glotzenbegutachter und mediale Meinungsschleuder vom Dienst.

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