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Das Hoff zum Sonntag

Ein Filmchen wie ein (Geschlechts-)Verkehrsunfall

 

Ein an dieser Stelle namentlich nicht genannter Fernsehsender hat einen namentlich nicht genannten Verhaltensauffälligen bei der Vergrößerung seiner Männlichkeit begleitet. Hans Hoff ist sich sicher: Dafür werden alle Beteiligten in die Hölle kommen.

von Hans Hoff
05.05.2019 - 08:33 Uhr

Es gibt Welten, die meidet man instinktiv, weil man weiß, dass sich dort Abgründe auftun, die tiefer sind als alles, was die Vorstellungskraft eines durchschnittlichen Medienbeobachters so hergibt. In diesen Welten geschehen Dinge, für die im Hirn erst einmal Synapsen freigeschaltet werden müssen. Und dann gibt es Kollegen, die einem Links zuschicken, hinter denen sich Bilder aus den bislang gemiedenen Abgründen verstecken, die so nachhaltig verstören, dass man die Kollegen spontan wegen seelischer Beschädigung verklagen möchte. Bis man versteht, dass die armen Kollegen auch nur ihrer Verwirrung Luft machen wollten, für ihr Entsetzen einen Ausweg suchten.

Oder um es anders zu sagen: Wenn du denkst, du wärst ganz unten, dann bist du noch lange nicht ganz unten. Dann hast du das Netzangebot eines deutschen Trashkanals noch nicht gesehen. Dort gibt es ein Filmchen, auf das hier ganz bewusst nicht verlinkt wird, um nicht unnötig Werbung für diese audiovisuelle Katastrophe zu machen. Aus Geschmacksschutzgründen und um verstörende Träume in den Nächten nach dem Anschauen zu verhindern, wird auch der Sender nicht genannt. Nur so viel: Alle, die dort arbeiten, kommen später mal in die Hölle. Und alle, die das Filmchen ausfindig machen und anschauen, auch. Es sei hier also gewarnt vor dem Anschauen dieses geistig tiefergelegten Filmchens. GEWARNT! Don’t do it! Nein! Finger weg!

Es reicht, dass ein paar Medienfuzzis ihr Karma-Konto plündern mussten und nun Probleme haben, all das zu verkraften, was dort zu sehen ist. Um es kurz zu sagen. Es geht dort um einen zu kurz gekommenen Penis. Oder besser gesagt: Es geht um den in vielerlei Hinsicht zu kurz gekommenen Träger just dieses Penis-Exemplars. Es handelt sich dabei um einen als Schlagersänger titulierten Verhaltensauffälligen, der bislang vor allem bekannt geworden war durch die Liaison mit einer so genannten TV-Anwältin, die gleichfalls in der Kategorie verhaltensauffällig zu führen ist.

Dieser „Promi“ wird als Hengst vorgestellt, als einer, der schon über 1000 Frauen glücklich gemacht haben will, der aber unzufrieden ist mit der Form seines Gehänges in nicht erigiertem Zustand. Also will er sich den Penis vergrößern lassen bei einem Schönheitschirurgen. Der nimmt sich den Problem-Penis vor, setzt Spritzen hinein und verfüllt ihn im Rahmen einer Operation mit Fett aus dem Bauchraum. Als der Patient aus der Narkose erwacht, wird ihm eröffnet, dass sein Teil sechs Wochen geschlechtsverkehrsuntauglich ist, was den Träger aber nicht daran hindert, es schon nach ein paar Tagen wieder in Betrieb zu nehmen, woraufhin es zwangsläufig zu einer Art Geschlechtsverkehrsunfall kommt. Als Folge gibt der Schlagersänger an, dass er nunmehr weniger Lust verspüre und überlege monogam zu werden, was wichtig ist, weil er mit seinem Teil in einer Kuppelshow des zur Hölle verdammten Senders auftreten will und man dort offenbar keine Vielfachbeschläfer brauchen kann.

Nun könnte man sagen: Was soll die Aufregung? So viele Brustvergrößerungs- und Bauchfettabsaugungsshows sind schon unbeanstandet über den Schirm gegangen, dass es auf das bisschen Penis-Zurschaustellung nun auch nicht mehr ankommt. Ja, könnte man sagen, wäre da nicht die perfide Inszenierung dieses Filmchens, die sehr deutlich belegt, dass sich alle Beteiligten pausenlos die Bäuche vor schadenfreudigem Lachen gehalten haben. Dafür gehören sie in die Hölle. Nur, falls das jemand vergessen haben sollte.

„Er lässt exklusiv für … die letzte Hülle fallen“, heißt es da in Marktschreiermanier, und dann ist zu sehen, wie sein Penis vermessen, bemalt und gespritzt wird. „Sein Ding soll größer und die Frauen damit noch glücklicher werden“, heißt es krude. „Dafür legt er sich vor unserer Kamera exklusiv für uns auf den OP-Tisch“, tönt es, bevor noch einmal die Entschlossenheit betont wird. „Und wir zeigen alles: Spritzen, den Horror, gefühlvolle Handarbeit und die verhängnisvollen Folgen.“

Dann gibt es noch mit Bläserfanfaren untermalte Zooms aufs Geschlechtsteil. „Wie macht man aus einer Nudel einen Gartenschlauch“, fragt schließlich scheinheilig die Off-Stimme, und spätestens da ist zu spüren, wie irre komisch sich die von der Produktionsfirma, die übrigens auch alle in die Hölle gehören, bei der Betextung vorkamen.

Doch, sie kommen in die Hölle. Alle. Die vom Sender, die von der Produktionsfirma, der Arzt, der „Promi“, die rundherum Reklame schaltenden Firmen, alle, die bei diesem Abgrund-Theater mitgemacht haben. Für die Kollegen und mich suche ich derweil noch einen geräumigen Beichtstuhl oder einen Schamanen, der uns hilft, die Last des Gesehenen von der Seele zu pusten. Angebote bitte per Mail.

Über den Autor

Hans Hoff war Sozialpädagoge, rutschte aber ab 1979 durch Plattenkritiken und Konzertrezensionen in den Journalismus ab. Seit 1990 agiert er als staatlich anerkannter Glotzenbegutachter und mediale Meinungsschleuder vom Dienst.

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