© ZDF/Willi Weber
Das Hoff zum Sonntag

Liebe "heute-show", wo ist deine Ambition geblieben?

 

In wenigen Tagen feiert die "heute-show" ihren zehnten Geburtstag. Heute ist die Nachrichten-Satire mit Oliver Welke beliebt wie nie, doch Hans Hoff - ein treuer Fan der ersten Stunde - schaltet künftig nicht mehr ein. In einem Brief erklärt er, warum...

von Hans Hoff
19.05.2019 - 10:36 Uhr

Liebe "heute-show",

du wirst in der nächsten Woche zehn Jahre alt. Mannomann. Zehn Jahre. Das ist doch mal eine Marke am Baum des Lebens.

Ich habe dich all die Jahre begleitet. Ich kann mit Stolz sagen, dass ich jede, aber wirklich jede deiner Ausgaben gesehen habe. Wenn ich mal nach ganz weit weg verreist bin, habe ich die Mediathek genutzt, und wenn ich wegen meines fortgeschrittenen Alters und einer in die Nacht verlegten Sendezeit mitten im gemeinsamen Akt eingeschlafen bin, habe ich am nächsten Tag nachgeholt, was ich verpasst habe. Ich bin also ein treuer Fan.

Ich muss mich korrigieren: Ich war ein treuer Fan, denn wenn ich ganz ehrlich bin, dann muss ich sagen, dass sich etwas verändert hat in unserer Beziehung. Das Feuer, das uns einst zum heißesten Pärchen seit Bonnie und Clyde gemacht hat, glimmt höchstens noch. Ich weiß nicht, an wem von uns beiden das liegt. Beziehungen gehen ja selten zu Ende, weil einer sich doof verhält. Irgendwie haben meistens beide mit dem Scheitern zu tun. Ich weiß also, dass ich durchaus auch Schuld an unserer gegenseitigen Entfremdung trage. Vielleicht bin ich ein bisschen zu oft fremdgegangen mit dem Böhmermann und diesen Bildungstypen von der „Anstalt“. Ich weiß es doch auch nicht.

Ich finde halt, du hast es dir in den letzten Jahren ein bisschen zu bequem gemacht auf deiner Comedy-Couch. Du hast dich gehen lassen, und die Klamotten, die du trägst, die waren schon vor fünf Jahren nicht modern. Nun sind sie so abgewetzt, dass man durch sie durchschauen kann und entdeckt, dass sich darunter nicht sehr viel versteckt. Du schluderst rum, du verlotterst, und du machst ganz offensichtlich keinerlei Anstalten, das zu ändern.

Mensch, "heute-show". Du wirst zehn Jahre alt. Reiß dich mal am Riemen, mach mal das Kreuz gerade und schiel nicht immer nur nach Masse. Du warst doch mal eine ganz intelligente Form der Unterhaltung. Warst du nicht? Okay, dann war ich früher vielleicht anspruchsloser.

Aber ganz ehrlich, deine Art, dir irgendeine Szene mit Angela Merkel rauszusuchen und dich dann darüber lustig zu machen, das war schon früher auf dem Schulhof nicht lustig. Musst du immer alles runterbrechen auf Sendung-mit-der-Maus-Niveau? Politikwitzchen für ganz Doofe? Hast du das nötig?

Zwischendrin immer wieder dieser Rücksturz auf das bemühte Hauruck-Niveau von "Extra 3", diese Zaunpfahlwinkrhetorik. Gähn. Dann wird der Moderator als zu alt und zu fett beschimpft und guckt bewusst deppert in die Kamera. Gähngähn. Gernot Hassknecht regt sich auf. Gähngähngähn. Dann erklärt irgendwer, dass die Missstände, die Olli Welke gerade auch dem letzten Grundschüler plausibel gemacht hat, das Normalste von der Welt sind und lacht sich kaputt über alle Bedenkenträger. Gähngähngähngähn. Ein Witz über die SPD. Gähngähngähngähngähn. Ein Witz über die FDP. Gähngähngähngähngähngähngähn. Beim Bericht über Bayer/Monsanto machst du einen Wortwitz, und aus Aspirin wird Arschpirin. Sag mal, geht’s noch? How low can you go?

Ich bin noch nicht fertig. Lass mich ausreden. Da sind noch diese ewigen Überfallinterviews von Fabian Köster oder Lutz van der Horst. Ich kann gar nicht so viel gähnen, dass es noch auf diese Seite passte. Schließlich stapft Hazel Brugger über einen Heilpraktiker-Kongress und verarscht Impfgegner. Sag mal ganz ehrlich, "heute-show", hast du das nötig, so simple Gags? Mit denen würdest du doch in jeder KiTa ausgebuht. Aber fürs ZDF reicht’s, oder?

Wo ist deine Ambition geblieben? Willst du nicht irgendwann mal das Comedy-Abitur machen? Oder wenigstens zu den Coolen gehören?

Willst du nicht. Ah ja. Dir reicht das, was du hast, und aus Angst, das zu verlieren, machst du immer so weiter. Du willst halt weiter auf den Quoten-Strich gehen, dich prostituieren für den schnellen Erfolg, das "Hart aber fair" im Lustig-Bereich bleiben.

Weißt du was, liebe "heute-show"? Mach das. Ich mach ab jetzt freitags was anderes. Ich muss irgendwie herausfinden, was für mich gut ist. Bislang weiß ich nur, dass du mir nicht mehr gut tust. Wir können ja Freunde bleiben, und wenn du mal irgendwann kapiert hast, dass es auch Spaß machen kann, die Zuschauer wieder ein bisschen zu fordern und nicht nur mit Erwartbarem abzuspeisen, dann rufst du mich an, liebe "heute-show". Vorher aber bitte nicht. Ciao.

Über den Autor

Hans Hoff war Sozialpädagoge, rutschte aber ab 1979 durch Plattenkritiken und Konzertrezensionen in den Journalismus ab. Seit 1990 agiert er als staatlich anerkannter Glotzenbegutachter und mediale Meinungsschleuder vom Dienst.

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