© DMAX/Tilman Schenk
Das Hoff zum Sonntag

Warum die "Steel Buddies" von DMAX so erfolgreich sind

 

Schweiß, Öl, Männlichkeit: Trotz einer gehörigen Portion Gestrigkeit ist das DMAX-Format "Steel Buddies" sehr sehenswert. Das liegt neben Michael Manousakis auch daran, weil die Macher ganz genau wissen, wie schräg die Welt ist, die sie hier zeigen.

von Hans Hoff
26.04.2020 - 08:27 Uhr

Man muss gar nicht lang herumreden. "Steel Buddies" ist nichts für Frauen. Zumindest nicht für Frauen, die über ein zeitgemäßes Selbstbewusstsein verfügen, die sich nicht auf die Qualitäten ihres Körpers reduzieren lassen und gerne mehr sind als eine männliche Pin-up-Girl-Phantasie. "Steel Buddies" ist auch nichts für Menschen mit einem Umweltbewusstsein, das sich nicht in der Frage erschöpft, ob 25 Liter Spritverbrauch auf hundert Kilometer eventuell zu viel sein könnten. "Steel Buddies" ist gleichfalls nichts für Typen, die gerne mal um die Ecke denken. Um es mal kurz zu sagen: "Steel Buddies" ist ein Programm für klassisch Zurückgebliebene, um es noch kürzer zu sagen: für Männer jenes ganz alten Schlages, die nur auf Touren kommen, wenn sie am Grill stehen oder einen Motor ganz laut brummen hören. Und es macht trotzdem streckenweise großen Spaß.

"It‘s a man‘s world", sang einst James Brown, und er muss damals schon gewusst haben, was dieser Tage die maskuline Welt antreibt: "Steel Buddies – Stahlharte Geschäfte", das auch international erfolgreiche Vorzeigeprodukt von DMAX. Sieben Staffeln hat der Männersender vorrätig, was ein echter Repertoireschatz ist, denn die fünf Dutzend Folgen kann man quasi in Dauerschleife wiederholen, ohne wesentlich an Zuspruch zu verlieren.

In "Steel Buddies" geht es um den Schrottplatz von Michael Manousakis im Westerwald. Obwohl man Schrottplatz besser nicht sagt, denn es geht nicht um Wiederverwertung von Altmetall, es geht um die Erfüllung öliger Männerträume, die Romantisierung von Fricklerphantasien, die Idolisierung des aufrechten Kerls, der die Nummer auf einem Schraubenschlüssel nicht für den Verkaufspreis hält.

"Steel Buddies" errichtet ein Denkmal für den geprügelten Macho, der hier, wo es darum geht, ausrangierte Artikel aus Beständen der US-Armee an den Mann zu bringen, noch so sein darf, wie er meint, sein zu müssen.

Dass solch eine hemmungslose Gestrigkeit in aufgeklärten Zeiten funktionieren kann, ist natürlich vor allem der sympathischen Machart der Reihe zu verdanken. Die Produzenten und Redakteure wissen ziemlich genau, wie schräg diese von ihnen gezeigte Welt ist. Genau deshalb verklären sie alle gezeigten Personen gerade so weit, dass man sie noch halbwegs ernst nehmen kann, dass sie aber gleichzeitig ein bisschen wirken wie überdrehte Comic-Figuren. Die Botschaft ist ganz deutlich: Wir wissen, dass wir hier einen ziemlichen Humbug veranstalten, aber nehmt das bitte nicht zu ernst, denn es macht uns einfach Spaß.

Da wird am laufenden Band irgendetwas geliefert, und dann wird es auseinander geschraubt, wonach dann aber wieder alles zusammengeschraubt wird. Männer, die gerne Overalls tragen, schwitzen Maschinenöl und fühlen sich auf diesem riesenhaften Spielplatz ein bisschen wie Actionhelden.

Dazu trägt vor allem die fabulös knarzige Stimme von Dieter Brandecker, einem der prägnantesten Off-Sprecher Deutschlands, bei. Der beginnt die Folge mit "Morlock Motors im Westerwald – Europas größter US-Warenhandel", und schon läuft jedem PS-Anbeter, jedem Westernfreund ein wohliger Schauer über den Rücken. Wie das schon klingt. Legte man Brandeckers Stimme über die Bilder der stundenlangen Betrachtung einer Wanderdüne, mutierten diese umgehend zum Actionkrimi.

Der Chef auf dem Platz ist dabei der Oberpatente vom Dienst, eine Art gepimpter Super Mario, ausgestattet mit viel Bauernschläue und dem Herz auf dem richtigen Fleck. Manousakis kann großartig flapsig erzählen, spricht von Killefick und kann Sätze absondern, die man aus guten Western zu kennen glaubt. "Ruf mal die Leute zusammen", sagt er dann in Chef-Manier, und prompt kommen all die Typen herbei, die ein bisschen so aussehen, als sei ihr Deo auf Dauerversagen programmiert. Was natürlich nicht stimmt. Wollte man es positiv sagen, würde man urteilen, dass die "Steel Buddies" so etwas wie die gewaschenen und aufgeräumten Versionen der Ludolfs sind.

Da dürfen ältere Männer mit zu viel Geld noch Männer sein und sich über fette Trucks und knatternde Jeeps freuen, mit deren Röhren sie alsbald die Nachbarn erschrecken wollen. Man denkt dann lustiger Weise nicht: Wie bescheuert ist das denn, wenn sich da einer drauf freut, die Nachbarn mit Lärm zu belästigen? Nein, die Produzenten der "Steel Buddies" schaffen es, dass man sich mit dem frischgebackenen Jeep-Besitzer freut über die Chance, auch mal als Umweltopasau durchs Dorf knattern zu können.

Dass Frauen in solch einem Männer-Zirkus naturgemäß nur als Randfiguren vorkommen, versteht sich von selbst. Sie tauchen auf als Schmuckstücke, Männerunterstützer oder als heimische Instanzen, vor denen sich auch der härteste Schraubefix fürchtet, wenn er nach einem harten Tag auf dem Schrottplatz heimkehrt und den Schutz seiner Buddies verliert.

Aber schon nächste Woche darf er wieder zurück in das DMAX-Gehege, darf Sätze sagen wie "Das Auto spricht mit mir", darf hemmungslos Spaß an fahrendem Blech haben, immer gemäß der Devise: Bis dass der TÜV uns scheidet.

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