Frau Larsson, Sie kennen die Radio- und die Podcast-Welt bestens. Ist das mit dem Fernsehen jetzt ein Traum, der sich für Sie erfüllt oder bloß ein schöner Zufall?

Ich würde gerne total abgeklärt sagen können, dass es sich einfach so ergeben hat. Aber es ist ein totaler Traum – und ich wollte das unbedingt. Dass ich Radio machen durfte, einen erfolgreichen Podcast habe, inzwischen auf der Bühne eine Arena-Tour spielen darf, das ist alles komplett irre. Aber dieser Fernsehwunsch war schon von Kindestagen da. 

Viele Menschen in Ihrem Alter finden das gute, alte Fernsehen eher langweilig. Wieso ist das bei Ihnen anders?

Ich bin ein altes Fernsehkind und mit diesen ganzen Shows groß geworden, vor allem mit Comedy-Formaten. Anke Engelke, Annette Frier, die "Wochenshow"... ich habe früher auch Sendungen geschaut, die ich überhaupt nicht verstanden habe und habe viele davon sogar nachgespielt, was meine Eltern mal mehr, mal weniger lustig fanden. Das hat mich geprägt und ist bis heute in meinem Kopf geblieben, auch als ich dann angefangen haben, Radio zu machen. Für viele meiner Kolleginnen und Kollegen war das Fernsehen dann der nächste logische Schritt. Und auch ich habe daher immer wieder gefragt, ob Fernsehen wirklich so anders ist. Die Antwort darauf wollte ich unbedingt erfahren.

Sie haben inzwischen die erste Staffel Ihres "Neo Social Clubs" aufgezeichnet. Wie lautet die Antwort auf Ihre Frage?

Es ist wirklich anders. Und es ist auch anders als alles, was ich gemacht habe. Besonders weil es so ein großes Team im Hintergrund gibt. Sicher, wenn ich auf Tour bin, sind auch viele Menschen involviert, aber am Ende des Tages bin ich doch sehr alleine für das verantwortlich, was auf der Bühne passiert. Bei deiner Fernsehproduktion ist man aber wirklich überhaupt nicht alleine – und das finde wirklich geil. Ich habe richtig Bock, gemeinsam an einer Sache zu arbeiten, auf die alle Bock haben. Auch während der Aufzeichnung hat es mir sehr geholfen, so viele Leute an meiner Seite zu wissen, denn natürlich war ich aufgeregt und habe auch einigen Druck verspürt, als ich das erste Mal so lange vor der Kamera moderiert habe.

Ihre Show basiert auf einem amerikanischen Late-Night-Format, folgt aber nicht dem klassischen Late-Night-Muster.

Ich finde diese typischen Late-Night-Shows toll, aber bin mir nicht sicher, ob dieses Konzept mit tagesaktuellem Stand-up, Gästen, Spielen, Musik und Tschüss im Jahr 2026 noch funktioniert. Aber dieses Format, "@Midnight", das wir nun adaptieren, empfand ich von Beginn an als Perfect Match, weil wir vom Sender viel Freiraum bekommen haben. Es ist schließlich Comedy und keine bierernste Gameshow mit Regeln und Punkten.

Neo Social Club © ZDF/Niels Freidel Laura Larsson mit ihren Gästen Nilam Farooq, Simon Pearce und Ana Lucía.

In der Sendung geht es um Clips aus dem Internet. Beim Blick in die Vergangenheit finden sich einige Beispiele dafür, dass es – vorsichtig formuliert – oft eher schwierig war, wenn versucht wurde, das Internet ins Fernsehen zu holen. Warum klappt's bei Ihnen besser?

Ich bin auch kein Fan davon, Internet im Fernsehen zu machen. Deshalb wollen wir auch nicht einfach irgendwelche Memes erklären oder dem Publikum Videos vor die Füße werfen und sagen: Schaut her, das ist gerade der Trend! Wir wollen vielmehr Social Media gemeinsam konsumieren – mit einem sehr diversen Panel, das gleichermaßen ahnungslos ist bei diesem ganzen absurden Zeug, das uns jeden Tag in die Timeline gespült wird. Durch die Spiele, die wir uns dazu ausgedacht haben, funktioniert das ziemlich gut und wirkt glücklicherweise nicht wie eine Fernsehshow, die besser im Internet aufgehoben wäre.

 

"Ich will's feiern, dass es noch Menschen gibt, die richtig Bock auf Fernsehen haben."

 

Ist die wahre Talentschmiede fürs Fernsehen heutzutage nicht trotzdem eher bei TikTok und Instagram zu finden?

Ich glaube tatsächlich, dass wir unfassbar viel Talent bei TikTok sehen. Das sind Leute, die einfach keine Angst vor der Kamera haben. Dennoch sollte man in beide Richtungen keine falsche Arroganz haben, weil ich davon überzeugt bin, dass man in beide Richtungen etwas dazulernen kann. Mir selbst hat meine Zeit beim Radio beispielsweise sehr geholfen zu lernen, mit Texten oder einer Redaktion umzugehen. Leute, die ausschließlich bei TikTok ihre eigenes Ding durchziehen, müssen das vielleicht erst noch lernen. Genauso wie das Fernsehen offen sein muss für Spontanität und Schnelligkeit, wie man sie bei TikTok sieht.

Nun ist Ihre Show ja nicht nur fürs lineare Fernsehen gemacht, sondern soll auch im Streaming ihr Publikum finden. Wie definieren Sie für sich in diesem Fall Erfolg?

Darüber habe ich ehrlich gesagt noch nie so recht nachgedacht, weil ich einerseits mit großer Freude an die Sendung gehe, andererseits aber auch mit einer gewissen Angst zu scheitern. Ich bin mir allerdings gar nicht so sicher, woran man in diesem Fall eigentlich merkt, dass man scheitert.

Vielleicht wenn am Tag nach der Ausstrahlung niemand vom Sender anruft?

Gut möglich. (lacht) Eine zweite Staffel wäre natürlich super. Für mich ist der "Neo Social Club" aber schon jetzt ein persönlicher Erfolg, weil mir die Aufzeichnungen unfassbar viel Spaß gemacht haben. Zur linearen Ausstrahlung habe ich sogar Freunde und Familie zur gemeinsamen Watch-Party eingeladen. Ich möchte da wahrscheinlich nur sterben, aber ich will's eben auch feiern, dass es noch Menschen gibt, die richtig Bock auf Fernsehen haben.

Frau Larsson, vielen Dank für das Gespräch.

"Neo Social Club mit Laura Larsson" ab Mittwoch im ZDF-Streamingportal und donnerstags um 22:15 Uhr bei ZDFneo