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DWDL.de-Interview

Peter Turi über seine Zukunftspläne

 

Er sieht das Sterben der gedruckten Branchendienste und die Zukunft im Web 2.0: Peter Turi, Ex-"Kress"-Chefredakteur, will sein Blog zum Branchendienst ausbauen.

von Thomas Lückerath
13.06.2007 - 10:35 Uhr

Foto: Peter TuriHerr Turi, für Ihr Branchenblog haben Sie mit Andreas Bohn einen Investor gefunden. Braucht ein Blog einen Investor?

Ein Blog sicher nicht, ein Branchendienst 2.0 schon.

Die Entscheidung muss sehr kurzfristig gefallen sein: Sonst hätten Sie sicher nicht vor wenigen Wochen erst bei vanityfair.de einen eigenen Blog gestartet. Über Ihren Abschied dort wurde viel gemunkelt...


Andreas Bohn hat mir schon vor anderthalb Jahren signalisiert, dass er meine mögliche Rückkehr ins Branchengeschehen auf jede ihm mögliche Art unterstützen möchte: Er sei überzeugt davon, dass im Zeitalter von Web 2.0 ein Branchendienst der neuen Art mit Schwerpunkt auf digitale Medien noch fehle. Von daher ist der Ausbau von turi2.de mit finanzieller Unterstützung von Andreas Bohn nur logisch. Der Content-Verkauf wie für VanityFair.de ist Teil des Geschäftsmodells. Die turi2 GmbH betreibt als Standbein das, was ich mit der PBM Medien GmbH zehn Jahre lang betrieben habe: Autoren-Vermarktung. turi2 ist nur das Spielbein, das aber wichtiger wird.

Wird aus turi2 jetzt turi3? Anders gefragt: Welche Ideen lassen sich jetzt mit der Hilfe von Andreas Bohn und dem Kapital realisieren; was soll ausgebaut werden?


Der entscheidende Unterschied ist, dass für turi3 künftig drei Mitarbeiter arbeiten statt nur einer und dass diese drei sich für ein paar Monate ohne finanziellen Stress auf den Ausbau der Website zur Homepage der Medienmacher konzentrieren können. Zum Ausbau gehören der tägliche Newsdienst, der morgens um 8 Uhr die Nachrichtenlage für Medienmacher aufbereitet, und noch mehr Basis-Infos im Lexikon2.de, z.B. über wichtige Köpfe. Dazu kommen werden Elemente wie eine neue Art von Online-Debatte, regelmäßige Interviews, sowie mittelfristig eigene Audio- und Video-Elemente. Spätestens Anfang 2008 wird turi2 komplett anders aussehen als heute und statt 2.000 Lesern am Tag hoffentlich 5.000 haben. Dann steigen wir in die Werbevermarktung ein.

Wie sieht der Fahrplan für den Relaunch aus?

Wir werden jeden Monat ein neues Element einführen: Im Juni startet der Nachrichtenservice als E-Mail-Newsletter, im Juli kommt das tägliche Interview, im August eine Metasuche und so weiter. Das neue, dreispaltige Layout ist im Prinzip fertig und kann unter www.turi3.de besichtigt werden - für Kritik sind wir dankbar. Bei der Umsetzung warten wir auf unseren Hoster blog.de, der im Momemt selbst relauncht und uns deshalb in eine Art Warteschlange geschoben hat. Ende der großen Ferien wollen wir aber definitiv dreispaltig online sein.
 
Wie will turi2.de mit Redaktionsteam und Investor verstanden werden: Als Peter Turis privates Blog? Oder als Branchendienst?

Mein privates Blog heißt www.kuechenruf.de. turi2.de wird eine neue Art von Branchendienst. Wer verfolgt hat, wie ich zusammen mit Andreas Bohn durch täglichkress und kressköpfe den Medienjournalismus verändert habe, kann sich ausrechnen, dass ich mich weder am bedauernswerten Zustand von Teilen der Branchenpresse orientiere, noch an dem präprofessionellen Versuchen dessen, was zu recht Kleinbloggersdorf genannt wird.

Welches "Upgrade" hat Peter Turi persönlich hinter sich: Mit 2.0 verbindet man eine Weiterentwicklung, gerade von jemandem, der schon einmal im Internet Branchenberichterstattung aufgebaut hat...

Ich habe viel gelernt durch meine Pleite mit dem Suchsystem internet123.de und in dem missglückten Relaunch der Zeitschrift "Net-Business" - vor allem, die Arbeit nicht zu verbissen zu sehen. Und ein bisschen komme ich als Web-2.0-er zu meinen Wurzeln zurück: Ich habe vor einem Vierteljahrhundert mit der Alternativzeitung "Walldorfer Rundschlag" eigentlich als "Citizen Journalist" angefangen. Vielleicht kehre ich eines Tages dahin zurück. Die Adresse walldorf.tv gehört jedenfalls schonmal mir.


Von "online-only" zu "online-only": DWDL.de ist 2001 gestartet, weil es damals kein tagsüber aktuelles Angebot an Branchennews im Web gab. Welche Lücke füllt turi2.de?

Dieselbe Lücke, die Günther Kress 1966 mit dem kressreport und Peter Turi 1996 mit kress.de gefüllt haben: Das Bedürfnis, aktuell, kompetent und zuverlässig über die neusten Entwicklungen der Medien informiert zu werden in einem Medium, dass selbst Teil der Veränderungen ist und dessen Macher als Person präsent ist.

Die URL medien2.de haben Sie inzwischen abgegeben, wenn ich das richtig gelesen habe. Rechnen sie weiter mit Konkurrenz des ehemaligen Partners Dirk Manthey - mit dem Start von medien2.de?

Dirk Manthey ist keinesfalls Konkurrent, sondern ein Mitstreiter. Er wird - vermutlich ab September - der Branche beweisen, dass ein Mediendienst im Internetzeitalter nicht unbedingt eine Totes-Holz-Mutter braucht, um seine Leser zu informieren und seine Anzeigenkunden zu befriedigen. Gerade im Bereich der Anzeigenvermarktung erwarte ich für turi2 - und übrigens auch für DWDL.de - einen deutlichen Schub, wenn Dirk Manthey und sein fabelhafter Anzeigenverkäufer Martin Fischer der Branche mit medien2.de zeigen, was geht.

Das war bei kress.de übrigens genauso: Erst als die Dickschiffe w&v und Horizont ins Internet kamen, ist das Anzeigengeschäft wirklich angesprungen. Wirklich schwarz sehe ich für die Branchendienste mit Print-Behinderung - deren Hefte schmilzen die Anzeigen weg wie der Märzschnee in der Sonne. Diese Woche habe ich beim Marktführer w&v sechs bezahlte ganzseitige Anzeigen gezählt - es gab Zeiten, da hatte der kressreport doppelt so viele. Nach meiner Überzeugung gilt für die Medien, was der französische Religionsphilosoph Teilhard de Chardin in anderem Zusammenhang schreibt: "Wir denken, das Wetter wechselt, dabei ändert sich das Klima".

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