Horst Schick / Alexander Stock © ZDF
DWDL.de-Interview

"Alle Regeln in Frage gestellt": Über das ZDF-Newsdesign

 

Am Freitag geht das ZDF mit mehr als nur einem neuen Nachrichtenstudio auf Sendung. Dahinter steckt ein völlig neues News-Design. Über die Entwicklung, die Herausforderung und neue Elemente sprach DWDL.de mit Alexander Stock, Kommunikationschef des ZDF und Horst Schick, Abteilungsleiter Corporate Design ZDF.

von Thomas Lückerath
16.07.2009 - 00:02 Uhr

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Grafik: DWDL.de; Logo: ZDFDas neue ZDF-Nachrichtenstudio und -design startet in wenigen Tagen. Viel wurde darüber gesprochen. Man bekam den Eindruck: Ein neues Studiodesign ist alles, was man braucht...

Stock (Foto, rechts): Design ist sehr wichtig, aber nicht alles.

Schick (Foto, links): Es vermittelt eine Vielzahl subtiler Botschaften und eine gewisse Haltung. Für die Unverwechselbarkeit und den Einschaltimpuls müssen dann aber die Menschen sorgen - vor und hinter der Kamera.

Und die fiebern jetzt wohl dem Start entgegen? Hat ja immerhin auch länger gedauert als geplant...


Stock: Dafür gab es ein ganzes Bündel an Ursachen. Ein recht wichtiger Faktor für die Verzögerung war die Tatsache, dass wir einen Großteil der Aufträge europaweit ausschreiben mussten. Das führte allein schon zu Verspätungen von einem halben Jahr. Wir hatten ursprünglich mal Ende 2008 ins Auge gefasst und gehen jetzt ein gutes halbes Jahr später auf Sendung. Das ist noch vertretbar. Entscheidend war für uns nie irgendein Termin, den man mal ins Auge gefasst hat. Als das Gebäude stand und die Technik da war, galt für uns: Erst wenn wir uns wirklich sicher fühlen, gehen wir aus dem neuen Studio auf Sendung.

Jetzt also am Freitag. Warum eigentlich ausgerechnet der 17. Juli?


Stock: Es ist eine Woche ohne Vormittagsprogramm und „Mittagsmagazin“. Das lässt uns vor dem Start etwas mehr Luft für letzte Proben. Einen Freitag haben wir deshalb gewählt, damit wir dann mit dem Wochenende auch etwas ruhigere Tage vor uns haben.

 

Wie wurde das neue Nachrichtenstudio und -design eigentlich entwickelt?

Schick: Mit externer Hilfe. Wir haben hier im Grunde Design-Management betrieben. Wir sind kein großes Team, da muss man sich Expertise von Außen holen. Unsere Aufgabe war es dann, die Entwürfe und Ideen zunächst aus ZDF-Sicht zu analysieren und auf die Dachmarken-Kriterien zu achten, die 2001 mit dem neuen Senderlogo eingeführt wurden und einen gewissen ZDF-Look vorgeben. Hervorzuheben ist die Einbeziehung des externen Designmoderators Ruedi Alexander Müller-Beyeler, der mit einer neuen Projektführungsmethode eine für uns neue Projektabwicklung initiiert hat.  Seine Aufgabe bestand im wesentlichen darin, unseren Auftrag, eine innovative, zukunftsgerechte Nachrichtenvermittlung sichtbar zu machen, bereichsübergreifend zu koordinieren und zu betreuen.

Nur sieht das neue Nachrichtenstudio jetzt auf Anhieb so gar nicht nach ZDF-typischem Look aus...

Schick: Zugegeben, beim neuen Nachrichtenstudio und -design haben wir diese Regeln auch erstmals alle in Frage gestellt und völlig neu gedacht. Wir wollten mit dem Wissen, woher wir kommen und wohin wir wollen, Neuland betreten. Denn die wichtige Richtlinie, dass bestimmte Elemente und Materialien immer wieder auftauchen müssen, führt natürlich schneller zu einem Eindruck der Verbrauchtheit. Man kennt es einfach gefühlt länger. Und in einer solchen Umbruchphase standen wir vor der Neukonzeptionierung des Nachrichtendesigns.

Ok, nochmal ganz konkret gefragt: Wie sind Sie vorgegangen?

Schick: In der ersten Kreativphase hatten wir 16 Firmen und Agenturen in einen Kreativ-Pitch einbezogen und zwar nach Fachgebieten geordnet. Wir haben uns Ideen von Architekten, Set-Designern, OnAir-Designern, Typografen und Online-Designern eingeholt, um von allen deren Vorstellungen für die neuen ZDF-Nachrichten kennenzulernen. Die Ergebnisse waren sehr interessant, weil sehr vielfältig. Wir haben dann unsere Schlüsse daraus gezogen, die Expertenmeinungen verdichtet und das neue Bild der ZDF-Nachrichten zunächst noch mit fünf beteiligten Partnern konkretisiert. Später konzentrierte sich die Entwicklung der konzeptionellen Details im Wesentlichen auf die von Anfang an involvierten Agenturen Velvet und Billionpoints aus München, sowie EdenSpiekermann aus Berlin.

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