Thomas Gottschalk © Tele5
DWDL.de-Interview

Gottschalk: "Habe keine 700 Apps, aber es werden mehr"

 

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Gottschalk / LückerathFür die Werbewirtschaft entscheidend: Sind die heutigen 60-Jährigen auch konsumfreudiger?

Selbstverständlich habe ich ein iPhone und ein iPad. Nun wird man unterstellen, dass ich das nur mit mir herumschleppe um hip zu wirken, aber nicht weiß wie man damit umgeht. Ich habe zwar keine 700 Apps, aber es werden immer mehr. Ich habe übrigens gerade gelesen, dass die heute 60jährigen physisch und psychisch auf dem gleichen Stand sind wie ein normaler 45jähriger im Jahr 1965. Nachdem ich nicht normal bin, kann man bei mir nochmal 5 Jahre abziehen.

Deswegen waren Sie auch sofort dabei als Tele 5 Sie für die Kampagne „Die neuen 30er“ gewinnen wollte?

Sofort ist immer gefährlich und im Hauptberuf bin ich ein öffentlich-rechtlicher Unterhaltungsbeamter, der sich nicht einfach mal so in irgendetwas reinziehen lässt. Hätte man mir die Kampagne „Colour your life“  aufgequatscht, hätte ich gesagt „Mein Leben ist colourful genug, malt Euch Eures selber an“. Aber wenn Tele 5 etwas erkennt, was andere hätten längst erkennen sollen, bin ich gerne bei den Aufständischen.

 

 

Jetzt kommt diese Initiative von einem Privatsender, nicht etwa vom ZDF …

Glauben Sie mir, ich säße hier lieber im Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen, denen jeder Zuschauer am Herzen liegen müsste, egal wie alt, wie hübsch oder wie klug. Schon allein deswegen, weil er dafür Gebühren zahlt. Man muss dem ZDF aber zugute halten, dass ihnen diese unselige Zielgruppe der 14- bis 49jährigen von der Konkurrenz aufoktroyiert wurde, die sich in ihren Anfangsjahren ja nicht über Masse definieren konnte. Ich fühle mich hier durchaus im Interesse des ZDF handelnd. Ich glaube nicht, dass mein Intendant etwas gegen diese Initiative haben kann, denn was für Tele 5 gilt, gilt genauso für das ZDF. Aber einen Ozean-Riesen kriegen sie nicht so schnell zum wackeln, das geht bei dem kleinen Unterhaltungs-Dampfer Tele 5 wesentlich schneller.

Aber mal ehrlich: Es fällt schon leichter die Position zu vertreten, wenn man selbst von ihr profitiert …

Aber natürlich, wenn man dazugehört, wird man schneller zum Rächer der Enterbten, aber ich kann beweisen, dass ich der gepäppelten Zielgruppe der 14 bis 49-Jährigen, auch damals nicht hinterher gelaufen bin als ich noch dazugehört habe. Und es ist auch eine wesentlich spannendere Herausforderung allen etwas geben zu wollen, den Jungen und den Alten, den Schlauen und den Doofen. Es imponiert mir, dass Tele 5 den anspruchsvollen Film Noir ebenso im Programm hat wie den banalen Actionklopper.

Wobei man dann schon mal die Augen zudrücken können muss, wenn es um die Quoten geht …

Vieles was schlechte Quoten hat, kann durchaus gut sein und das gilt umgekehrt. Sobald aber die Quote zum Maßstab aller Dinge wird, gibt es überhaupt keine Gerechtigkeit mehr. Man spricht ja zusehends von „sozialen Milieus“. Eine gutgemachte Sendung wie „Rock statt Rente“ floppt bei SAT 1 und hätte beim ZDF funktionieren können. Die ZDF-Show „Ich kann Kanzler“ war ein nachvollziehbarer öffentlich-rechtlicher Versuch, aber Casting können die Privaten nun mal besser. Das habe ich bei meinem entsprechenden Musical-Versuch ja selbst zu spüren bekommen.

Nicht wenige Kritiker würden auch sagen, dass das Genre Casting und generell zu viele Unterhaltungsshows sowieso nichts im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verloren haben.

Wer fordert, dass ARD und ZDF zu einer Art nationaler Volkshochschule verkommen sollen, in der es nur noch um Bildung und Information geht, der entzieht damit diesen Sendern die Betriebsgrundlage, weil er sie zur Bedeutungslosigkeit verdammt. Günther Jauchs „Wer wird Millionär“ wäre ein klassisches öffentlich-rechtliches Format, aber das haben sie damals verschnarcht.

Herr Gottschalk, herzlichen Dank für das Gespräch.

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