Thomas D © NDR/ProSieben/Willi Weber
Zwischenbilanz zu "Unser Star für Baku"

Thomas D: "Wir sind keine Jahrmarktschreier"

 

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Nach der ersten Sendung ist bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) eine Beschwerde eingegangen, in der vorgeworfen wird, die Blitztabelle baue einen enormen Zeitdruck auf. Das ist doch nicht ganz falsch, wenn man an die knappen Voting-Stände am Ende der letzten beiden Sendungen denkt, oder?

Wir sind keine Jahrmarktschreier. Aber es ist Aufgabe der Medienanstalt, jeder Beschwerde nachzugehen. Es gibt in jeder Sendung einen ganz natürlichen Zeitdruck, indem irgendwann einfach Schluss ist. Wenn man in die Programmzeitschrift schaut, weiß man, wie lange die Show geht. Insofern ist der Zeitdruck derselbe wie bei allen anderen Sendungen. Bei uns geht es allerdings fairer zu, weil die ganze Zeit über ersichtlich ist, wie es steht. Die jetzige Beschwerde verwundert mich aber nicht, denn in fast jedem neuen Format gibt es einen, der sich über etwas beschwert. Auch bei jeder Neuerung wird man jemanden finden, der auf die Barrikaden geht. Ansonsten gilt: Jeder kann diese Sendung schauen und sich unterhalten lassen, ohne einen einzigen Anruf zu tätigen.

An Castingshows mangelt es derzeit im deutschen Fernsehen jedenfalls nicht. Besteht nicht allmählich auch die Gefahr der Übersättigung? Die Quoten von „DSDS“, „The Voice“ und „Unser Star für Baku“ gingen zuletzt jedenfalls deutlich nach unten...

Keine Frage, es ist schon was los in der Casting-Welt und man darf es auch nicht übertreiben. Allerdings ist unsere Sendung ja keine neue, denn Stefan Raab hat schon vor vielen Jahren durch seine Castingshows mit den verrückten Abkürzungen einen Max Mutzke oder eine Stefanie Heinzmann gefunden. Er war der Erfinder der glaubwürdigen Alternative zu den teils menschenverachtenden Fernsehformaten der Konkurrenz. Wir müssen ohnehin ganz deutlich zwischen Shows unterscheiden, bei denen die Auftritte mithilfe vieler Schnitte verändert werden, und unserer Sendung, die ja immer live ist. Außerdem winken wir ja nicht nur mit einem Plattenvertrag für den Sieger, sondern auch damit, sich vor mehr als 100 Millionen Zuschauern beim Eurovision Song Contest zu präsentieren.  

Aber ist das Land durch die vielen Castingshows inzwischen womöglich nicht auch in gewisser Weise „leergecastet“? Fast jeder, der den Wunsch hat, ein Star zu werden, dürfte schon mal vor einer TV-Jury gestanden haben...

Das dachte ich auch! Aber entweder wachsen die Talente nach oder es gibt Leute, die sich noch nicht beworben haben und auf eine Chance warten, die zu ihnen passt. Selbstverständlich gibt es auch Leute, die sich auch nicht bei uns bewerben würden. Mit unseren Kandidaten zeigen wir allerdings, dass durchaus noch genügend unentdeckte Talente in unserem Land schlummern.

Die engen Zwischenstände deuten ja auch darauf hin, dass es bislang noch keinen wirklichen Favoriten unter den Zuschauern gibt.

Diese Erkenntnis liegt eher am Voting-System als an der Wirklichkeit. Bei einem verdeckten Voting hätte es sicherlich andere Zahlen gegeben. Das Feld ist automatisch enger.

In wenigen Wochen wird feststehen, wer für Deutschland nach Baku fahren wird. Beschäftigen Sie sich bereits damit oder ist das noch weit weg?

Das läuft bereits auf Hochtouren. Wir haben ein großes Team, das sich schon jetzt darum bemüht, für alle unsere Kandidaten Songs zu schreiben. Ab Donnerstag werde ich mit unseren Kandidaten zusammensitzen und mit ihnen über mögliche Titel für die Platte und eigene Wünsche sprechen. Es gibt Produzenten, die haben ganz viele Songs in ihren Schubladen und ziehen sie einfach bei passender Gelegenheit raus. Dieses Schubladen-Prinzip möchte ich nicht – stattdessen nehme ich mir jetzt ausreichend Zeit. Wenn man möchte, dass ein Song zu einem Kandidaten passt, muss man ihn auch für ihn schreiben.

Thomas D, herzlichen Dank für das Gespräch.

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