Oliver Schablitzki © RTL
Interview mit RTL Nitro-Chef Oliver Schablitzki

Markenkern stärken: Schablitzki holt "Breaking Bad"

 

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Und wo müssen Sie am meisten schrauben?

Der Freitag ist ein schwerer Tag. Da haben wir auch schon einiges probiert: Mini-Serien und Spielfilme haben sich schwer getan am Freitag. Andererseits sehen wir, dass unser Publikum ein Serienliebhaber-Publikum ist. Es gibt so viele amerikanische Serien, die wegen ihrer spitzen Zielgruppe den Zugang zum deutschen Markt nicht finden, weil sie bei einem großen Sender nicht funktionieren würden. Wir können da anders denken als die Kollegen von RTL. Da gab es beispielsweise schon länger eine Serie auf dem Markt, mit der ich geliebäugelt habe - und die haben wir jetzt glücklicherweise auch bekommen: "Breaking Bad". Das wird unser Ankerformat für 2013, an dem wir auch die kommunikative Arbeit aufhängen werden. Wir zeigen es ab 8. Februar in Doppelfolgen am Freitagabend ab etwa 22 Uhr.

Tolle Serie und fühlt sich spontan richtig an. Aber lief eben auch schon im deutschen FreeTV...

Aber wir werden ihr nochmal zu deutlich größerer Aufmerksamkeit verhelfen. "Breaking Bad" deckt sich aus meiner Sicht ideal mit dem Markenbild von RTL Nitro. Eckig, kantig - und auf ganz eigene Weise eine gewisse Heldengeschichte. Wir wollen damit mittelfristig den Freitag mit "Talk of the town"-Formaten bestücken. Deswegen werden wir auch "Nurse Jackie" auf den Freitag umprogrammieren. Wir werden um 20.15 Uhr mit den "Breakout Kings" starten. Das Programm ist etwas breiter ausgelegt, das machen wir um dann in den Abend hinein immer spitzer zu werden. Die Aufmerksamkeit vom Dschungelmagazin hilft uns bei RTL Nitro natürlich extrem um unseren Freitag zu bewerben. Das wird ein spannendes Experiment.

Sowas hört man heutzutage selten...

Was?

Dass man ein Experiment wagt...

Bei allem Erfolg, den wir schon mit RTL Nitro hatten, wollen wir nicht vergessen, dass wir bei RTL Nitro auch ein Spielfeld haben, auf dem wir sehr gut Dinge ausprobieren können und das dann auch tun sollten. Für unser eigenes Wachstum aber natürlich auch als Testfläche für die eigene Mediengruppe. Wir können uns was leisten, weil wir auf unserem aktuellen Niveau eigentlich nichts verlieren, sondern nur gewinnen können. Das wollen wir uns auch bewahren. Deswegen können wir "Breaking Bad" ausstrahlen, ohne dass wir Angst haben müssen, dass wir den Freitagabend zerstören.

Sie sprachen vorhin schon mal das Dschungel-Magazin an. Wer moderiert das eigentlich?

Wir haben lange gesucht um jemanden zu finden, der nicht unerfahren ist, talken kann und mit dem Thema Dschungel umgehen kann. Und das ist schwierig. Jemanden zu finden, der Moderationserfahrung hat, aber als Gesicht noch nicht von einem Sender besetzt wurde, weil wir dann lieber selbst so ein Sendergesicht aufbauen wollen. Mit Sunny Bansemer haben wir genau die richtige gefunden. Sie hat Schauspiel- und Moderationserfahrung, ist aber noch unverbraucht. Es gibt übrigens auch einen Zusammenhang zwischen Sunny Bansemer und "Breaking Bad"...

Ich hoffe nicht beim Thema Drogen.

(lacht). Nein, aber uns geht es um Experimente und Spielfläche. Und sowohl "Breaking Bad" als auch das Dschungel-Magazin mit Sunny Bansemer ist für uns in erster Linie eine Frage des Markenbildes von RTL Nitro. Beides Programme, die in erster Linie der Positionierung des Senders helfen sollen. Mit einer Kultserie und einem eigenen Sendergesicht.

Thema Eigenproduktion: Da ist das Dschungel-Magazin ein erster Schritt. Wie sieht es mit weiteren Schritten auf diesem Weg aus?

Wir handeln da überlegt. Normalerweise würde das Thema auf der Agenda eines neuen Senders im ersten Jahr gar nicht auftauchen...

Naja, Sixx und jetzt auch Sat.1 Gold haben von Anfang an Eigenproduktionen im Programm gehabt...

Richtig, das ist aber auch, sagen wir mal mutig. Für uns sind Eigenproduktionen kein Selbstzweck. Wenn Sie in unser Programm passen, ja. Aber wir schauen uns das sehr genau an und für mich geht es immer zuerst um Themen, Geschichten und Charaktere. Ob die zugekauft oder selbst produziert sind - das sind glaube ich keine Kategorien in denen der Zuschauer denkt. Wir müssen ein Image aufbauen, so dass der Zuschauer weiß, wofür RTL Nitro steht. Und das sind spezielle Themen, nicht Produktionsweisen. Aber wenn es passt und ökonomisch vernünftig ist, werden wir den Bereich ausbauen. Und das kann durchaus wieder schnell gehen, wie bei Dschungel-Magazin.

Gibt es eigentlich aus den Erfahrungen der ersten Monate eine Antwort auf die Frage: Stimmen die Klischees über Männer?

Es bestätigen sich natürlich einige Klischees. "Walker, Texas Ranger", "Knight Rider" und "Alarm für Cobra 11" - drei Sendungen als Beispiel die genauso gut funktionieren, wie man es sich im Vorfeld gedacht hat. Action und Actionhelden, egal ob neu oder aus der Kindheit bekannt. Und dann lieben Männer eben Autos.

Na, da schließt sich die Frage an, ob man nicht zum Beispiel die Live-Sportrechte des Muttersenders in Magazin-Form begleiten könnte...

Wir wollen das vielfältigste Programmangebot für Männer bieten und natürlich ist Sport ein Thema, über das wir nachdenken. Ich sehe da keinen Erwerb von Sportrechten und keinen Mannschaftssport, aber als Thema und in Event-Programmierung könnte ich mir da durchaus etwas vorstellen. Aber da ist nichts spruchreif.

Wie wichtig ist Factual Entertainment für RTL Nitro?

Die Nische ist extrem eng. Der Markt ist auf der einen Seite von DMAX und seinen Charakter-getriebenen Dokusoaps besetzt, auf der anderen Seite zur Primetime mit Dokumentationen bei n-tv und N24. Wir sind da in der Mitte und stehen vor der spannenden Herausforderung eine eigene Positionierung in diesem Genre zu finden. Da kommen wir nochmal zu ihrer Frage nach den Eigenproduktionen: Das ist natürlich ein Genre, wo man sich prinzipiell Eigenes vorstellen kann. Aber wir haben auch weitere Formate wie die "Insane Guinness World Records" oder "Nitro Circus" eingekauft - im weitesten Sinne zum Thema Sport/Stunt.

Wenn wir schon Action und Sport besprochen haben, dann fehlt noch ein Thema, dass einem bei einem Männersender in den Sinn kommt und trotzdem nicht auftaucht: Sex oder sagen wir etwas harmloser Erotik...

Sex ist im Fernsehen, für mich zumindest, kein eigenes Genre sondern ein dramaturgisches Element in verschienen Genres. Da darf es bei uns dann im Zweifelsfall auch eher drastischer stattfinden als bei einem großen Sender, aber ich würde danach nicht per se als Genre suchen.

Okay, aber wenn wir von Erotik sprechen: Da gab es im deutschen Fernsehen ja eine Vielzahl von Formaten. Von Magazinen, Talks über Dokusoaps. Liegt es am Internet, dass Erotik für Fernsehsender nicht mehr - sagen wir - sexy ist?

Es gibt Ausnahmen und ich will auch nichts ausschließen, aber ich glaube, dass das Internet die Themen Sex und Erotik okkupiert hat. Das Fernsehen muss das jetzt nicht mehr abdecken.

Herr Schablitzki, herzlichen Dank für das Gespräch.

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