Frank Hoffmann, Programm-PK 2013 © RTL/Morris Mac Matzen
RTL-Geschäftsführer Frank Hoffmann im Interview

"Wir müssen einen bleibenden Eindruck hinterlassen"

 

Bei den LA Screenings sprach RTL-Geschäftsführer Programm Frank Hoffmann mit DWDL.de über den Serien-Nachschub aus den USA, die Fortsetzung einer eigenproduzierten Serie, ein nahendes Ende von Scripted Reality und ein neues RTL-Design.

von Thomas Lückerath
03.06.2014 - 00:43 Uhr

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Herr Hoffmann, Sie sprachen mal davon, dass dem Hochhaus RTL das Penthouse abhanden gekommen sei und Sie es wieder aufbauen wollen. Wie weit sind die Bauarbeiten?

Die Bauskizze ist fertig und der Grundriss steht. Wir sind mit vielen Bauabschnitten im Plan, aber noch nicht alles läuft wunschgemäß.

Eine Frage zum Fundament: Wie würden Sie aus RTL-Sicht eigentlich gutes Fernsehen definieren?

Das in wenige Sätze zu fassen ist schwierig, denn ich glaube, dass gutes Fernsehen aus sehr vielen unterschiedlichen Komponenten besteht. Gutes Fernsehen bleibt im kollektiven Gedächtnis, es sollte bewegen und verändern - entweder konkret wie gerade bei „Team Wallraff“ geschehen oder auch nur als Erkenntnis beim Zuschauer. Darüber hinaus darf gutes Fernsehen gern auch nur unterhalten; eskapistisch angelegt sein. Gerade in den vergangenen Monaten haben wir bei RTL bestätigt bekommen, dass Unterhaltung gepaart mit Relevanz eine erfolgsversprechende Mischung ist.



Glauben Sie, dass es bei der Beantwortung der letzten Frage einen Unterschied macht, ob man deutsche Fernsehmacher oder amerikanische Fernsehmacher fragt?

Ich ahne, worauf Sie hinaus wollen. Es geht aber weniger um die Frage Deutschland oder Amerika, sondern um den Unterschied zwischen Bezahlinhalten und Free-TV. Geschätzte Serien wie „House of Cards“ waren im Free-TV kein Erfolg. Die Produktion dieser hochgelobten Serien folgt einem anderen Geschäftsmodell. Wenn dabei gute Inhalte entstehen, umso besser. Selbst wenn in Deutschland Pay-TV noch verbreiteter wäre, dürfte es schwer sein, solche Programme auf die Beine zu stellen. Amerika ist nicht nur viel größer – aufgrund der englischen Sprache können die US-Studios für den Weltmarkt produzieren. Daraus ergeben sich andere Finanzierungsmöglichkeiten.

Sie sprachen von „Fernsehen, das im kollektiven Gedächtnis bleibt“. Bei den LA Screenings sieht man so manche Serie, die irgendwann einmal als Collectors Edition auf Bluray für teuer Geld verkauft wird. Das wird mit „Der Bachelorette“ vermutlich eher nicht passieren...

Die „Bachelorette“ muss sich nicht im DVD-Verkauf, sondern im Free-TV bewähren. Was das kollektive Gedächtnis anbelangt, bin ich mir gar nicht so sicher, ob sie in der Fußgängerzone innerhalb von zehn Minuten nicht doch mehr Gesprächspartner zum „Bachelor“ finden als zu amerikanischen Erfolgsserien.

Aber welchen Anspruch an Programm haben Sie dann? Wenn man bei den LA Screenings wieder mal so viele fiktionale Produktionen sieht, dann wirkt deutsches Privatfernsehen dagegen oft so als wenn es sich einfach nur versenden soll...

Ich glaube, dass wir das amerikanische Fernsehen - bei allem Respekt - ein wenig überschätzen. Man muss sich vor Augen führen, dass letztes Jahr über 40 Piloten vorgestellt wurden. Rund 20 wurden gepickt und am Ende haben es nur drei, vier Serien in eine zweite Season geschafft. Der Output ist am Ende nicht so wahnsinnig groß. Auch bei den Serien dieser Screenings muss sich so manche interessante Idee erst noch beweisen, um eventuell mal zu dem Kult zu werden, von dem Sie sprechen.

Wie geht ein großer Tanker wie RTL damit um, dass in der feuilletonistischen Betrachtung von Fernsehprogrammen bzw. -serien gerade eher kleine Schnellboote in Mode sind, die jedes für sich schneller und gezielter gewisse Geschmäcker treffen?

Man muss unterscheiden zwischen Mainstream-Programmen und Serien, die für eine Zielgruppe produziert werden, die auch bereit ist, für Fernsehinhalte zu bezahlen. Das sind dann oft auch die Kritiker-Erfolge - Produktionen, die auch ich privat sehr gerne sehe, aber mit RTL und Free TV müssen wir anderen Ansprüchen gerecht werden. Wir müssen Programme finden, die im Mainstream erfolgreich sind und ein Millionenpublikum begeistern. Das schaffen wir Jahr für Jahr beispielsweise mit „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“. Ich nenne das Format gerne TV-Berufsschule, weil sich dort vieles beispielhaft beobachten lässt.  Exzellentes Fernsehhandwerk, Comedy mit Meta-Ebene und nebenbei werden Charaktere entdeckt, die uns lange im Gedächtnis bleiben. Selbst im Feuilleton kann man sich mittlerweile begeistern.

"Wir müssen mit unseren Themen, Besetzungen und Geschichten ein möglichst großes Publikum ansprechen und damit einen bleibenden Eindruck hinterlassen"

Wenn man die meistdiskutierten Fernsehsendungen der beiden TV-Märkte gegenüberstellt, dann wäre das in den USA die Polit-Serie „Scandal“ und in Deutschland „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“. Das ist doch eine Steilvorlage für Kulturpessimisten.

Der Zuschauer entscheidet. Wir haben „Scandal“ bei uns in der Mediengruppe RTL gezeigt, genauso wie eine andere von Ihnen sehr geschätzte Serie „Suits“. Wenn die Serien dann nicht wunschgemäß vom Publikum angenommen werden, muss man das einfach zur Kenntnis nehmen.

Da machen Sie es sich jetzt aber etwas einfach. Man kann auch hinterfragen ob beide Serien besonders clever programmiert wurden. Eine Serie mit fortlaufender Handlung am Freitagabend zu platzieren oder eine Polit-Serie beim Kinder- und Familiensender zu zeigen.

„Scandal“ behandelt sehr amerikanische Themen und dürfte es schon deshalb in Deutschland nicht leicht haben. Außerdem gibt es genügend andere Beispiele, wie „Homeland“, die ihr Publikum in der Masse nicht fanden, obwohl sie populär programmiert wurden. Ich will den Erfolg solcher Serien nicht kleinreden, Aber ich habe Zweifel, ob sie in Deutschland ein Mainstream-Publikum überzeugen können. Wenn Sie Fans dieser Serien fragen, dürften viele wahrscheinlich nicht von sich selbst behaupten, dass sie einen Mainstream-Geschmack haben. Es ist doch wunderbar, dass es diese Angebote gibt. Jeder kann seine Lieblingsprogramme finden – genau das sind doch die Vorteile der digitalen Welt. Bei RTL jedoch müssen wir in der Fiction versuchen, breiter zu denken. Wir müssen mit unseren Themen, Besetzungen und Geschichten ein möglichst großes Publikum ansprechen und damit einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wir haben Einiges in der Entwicklung, z.B. die Serie „Deutschland“, wo wir uns in die Zeit des NATO-Doppelbeschlusses begeben - eine Phase, die für die Baby-Boomer-Generation in Deutschland sehr prägend war. Mit Nico Hofmann haben wir einen Produzenten, der für ein solches Projekt die richtigen Leute zusammenbringt.

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