Tom und Jerry Show © Warner Bros. Entertainment
DWDL.de-Interview mit Jay Bastian

"Ohne ein bisschen Gewalt wäre es nicht 'Tom & Jerry'"

 

In den kommenden zwei Wochen lesen Sie an dieser Stelle neue Interviews mit TV-Produzenten und Stars. Zum Auftakt aber ein Gespräch von unserer letzten Reise nach LA - mit Jay Bastian, Vice President Series bei Warner Bros. Animation, über „Tom & Jerry“.

von Thomas Lückerath
07.03.2015 - 09:11 Uhr

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Jay Bastian© Warner Bros.
Jay, lassen Sie uns über die „Tom & Jerry Show“ reden. Was ist bei der Neuauflage eines Klassikers gefährlicher: Zu viel oder zu wenig zu verändern?

Das ist interessant. Fortsetzungen im Kino enttäuschen doch immer dann, wenn man das Gefühl hat, der gleiche Film wurde einfach nur noch einmal gedreht. Die besten Fortsetzungen nehmen die dem Publikum bekannten Charaktere und lassen sie neue Abenteuer erleben. Die größte Herausforderung bei „Tom & Jerry“ besteht darin, zu verstehen, was diese beiden Charaktere antreibt und was sie in den 40er, 50er und 60er Jahren so beliebt gemacht hat.

Ist das so schwierig?

Es gab sehr viele Generationen und Interpretationen von „Tom & Jerry“. In den 60er Jahren hat Chuck Jones sich an „Tom & Jerry“ probiert. Mir persönlich gefallen diese Cartoons nicht so gut. Chuck Jones hat auch zugegeben, dass er die Charaktere Tom und Jerry nie richtig verstanden hat. Er ist einer der größten Zeichentrick-Regisseure aller Zeiten, aber „Tom & Jerry“ sind ihm nicht gut gelungen.

Warum? Und wie verstehen Sie „Tom & Jerry“?

Zwischen Tom und Jerry besteht eine sehr spezielle Dynamik. Die zu verstehen und zu bewahren, ist das schwierigste. Ich sage immer, sie sind mehr streitende Brüder als klassische  Warner-Charaktere. Klassische Warner-Charaktere versuchen sich ja ständig umzubringen oder aufzuessen. Natürlich gibt es bei „Tom & Jerry“ auch diese überzeichnete Gewalt, aber mich erinnert es mehr daran, wie Dein älterer Bruder Dich früher aufgezogen und geärgert hat. Ich meine, Tom hatte ja nun echt tausend Gelegenheiten Jerry zu fressen und hat es nicht getan (lacht) Man gibt sich halt gegenseitig eins auf den Deckel, ohne es wirklich böse zu meinen. Sie sind ja letztlich Freunde. Wenn irgendjemand anderes in Gefahr ist, dann kämpfen sie ja auch Seite an Seite.

Jetzt kommt „Tom & Jerry“ aus einer Zeit, die weit weniger politisch korrekt war. Sich gegenseitig zu vermöbeln - darf Kinderfernsehen das? Macht man sich darüber Gedanken?

Auf jeden Fall machen wir uns da Gedanken. Wir versuchen nicht unverantwortlich zu sein, aber gleichzeitig muss man sagen: Wenn man die deftige Action aus „Tom & Jerry“ nimmt, dann ist es nicht mehr „Tom & Jerry“. Es ist doch einfach ein alberner Cartoon in dem sich die Charaktere mit viel Slapstick gegenseitig verhauen. Ich baue da auf die Vernunft, dass niemand auf die Idee kommt, nach „Tom & Jerry“ rauszugehen und jemandem eine Bowling-Kugel auf den Kopf fallen zu lassen.

Da gibt es also keinen Unterschied zwischen der neuen Serie und den Umsetzungen der vergangenen Jahrzehnte?

(überlegt) Früher war die Gewalt vielleicht etwas realistischer dargestellt als es heute akzeptiert werden würde im Kinderfernsehen. Wir können nichts zeigen, was ein Kind theoretisch nachahmen könnte. Also keine Handfeuerwaffe, kein Messer. Mit einer überdimensional großen Axt wiederum würden wir durchkommen. Es muss absurd und albern sein. Ohne ein bisschen Gewalt wäre es nicht "Tom & Jerry".

"Sie sind immer noch Tom und Jerry wie wir sie kennen, aber mit mehr Spielzeug"

In der „Tom & Jerry Show“ erleben wir die Beiden in neuen Umgebungen - nicht mehr nur dem altbekannten Haushalt. Warum diese Veränderungen?

Wie ich eben sagte, wollen wir ja die Dynamik zwischen Tom und Jerry ehren und deren Rivalität nicht verändern. Damit wir mit Ihnen dennoch weit mehr Geschichten erzählen können als bisher, haben wir mehrere Welten erdacht in denen die beiden sich je nach Story tummeln. Wir haben uns zum Beispiel gefragt: Wäre es nicht irre komisch, wenn sie Zaubertricks beherrschen würden. Als Detektive arbeiten würden. Oder in einem Labor experimentieren und irgendwelche Superkräfte entwickeln. Sie sind immer noch Tom und Jerry wie wir sie kennen, aber mit mehr Spielzeug.

Würden Tom und Jerry überall funktionieren? Im Weltall beispielsweise?

Gute Frage. Wissen Sie, manchmal kommen die Autoren mit Ideen, die sich einfach nicht gut anfühlen, aber mit Tom und Jerry wurde in all den Jahrzehnten schon sehr viel angestellt. Sie sind durch alle Zeiten und Geschichten gereist. Ich glaube als Höhlenmenschen würden sie nun nicht funktionieren, aber solange das grundsätzliche Mächte-Verhältnis von Hauskatze und Maus möglich ist, funktioniert es. Tom und Jerry im Weltall? Ich weiß nicht. Fühlt sich für mich komisch an, aber ausschließen würde ich es nicht.

„Tom & Jerry“ war immer schon sehr flott erzählt. Am Tempo musste eigentlich nicht geschraubt werden, trotzdem haben Sie etwas verändert.

Richtig, in der ersten Staffel der neuen „Tom & Jerry Show“ haben wir elfminütige Geschichten erzählt, was deutlich länger ist als die sonst bei Cartoons üblichen siebenminütigen Storys. Es brauchte also deutlich mehr Handlung, um das Tempo hoch zu halten. Für die zweite Staffel (die gerade bei Boomerang Premiere feiert, Anm. der. Red.), sind wir wieder zurückgegangen zu den üblichen siebenminütigen Geschichten. Das fühlt sich einfach besser an.

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