Susanne Aigner-Drews © Discovery Communications Deutschland
Discovery-Deutschlandchefin im Gespräch

Aigner-Drews: "Im Portfolio ist noch viel Luft"

 

Trotz des schleppenden Starts von TLC sieht Susanne Aigner-Drews, Deutschland-Chefin von Discovery, Platz für weitere Sender. Im DWDL.de-Interview spricht sie über Expansionspläne, Olympia, neue Rechte für Eurosport und die Digitalstrategie ihres Hauses.

von Thomas Lückerath
15.09.2015 - 11:00 Uhr

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Frau Aigner-Drews, wie fühlt es sich an, der überraschende Olympia-Schreck für ARD und ZDF zu sein?

Dass der Erwerb eines solch wichtigen Rechtes natürlich für gewaltiges Aufsehen sorgt und Discovery noch stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt, war sicherlich zu erwarten. Dennoch hat es uns überrascht und auch gefreut, in welchem Ausmaß das Thema auf allen erdenklichen Plattformen diskutiert wird und wie zahlreich die unterschiedlichsten Angebote sind, die uns jetzt gemacht werden. Und hier meine ich nicht nur Interessenten für eine mögliche Sublizenzierung.

Die Reaktionen der Öffentlich-Rechtlichen fielen ein wenig, sagen wir, verschnupft aus. Reichen Sie ARD und ZDF denn die Hand?

Es ist Teil unseres Deals, dass wir uns dazu verpflichtet haben, mindestens 200 Stunden der olympischen Sommerspiele und 100 Stunden der olympischen Winterspiele Free-to-Air allen Zuschauern zugänglich zu machen – entweder über unsere eigenen Sender oder aber auch in Partnerschaft mit anderen TV-Anbietern. In allen Märkten stehen nun mit möglichen Interessenten Gespräche an, um bestmögliche Partner für die olympischen Spiele zu gewinnen.

Sie reichen also ARD und ZDF die Hand zum Gespräch?

Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir offen sind für Gespräche. Das gilt nach wie vor.

Jetzt mal abgesehen von den TV-Rechten an den Olympischen Spielen. Ist Eurosport inzwischen komplett angekommen in der Discovery-Familie?

Seit der Komplettübernahme von Eurosport durch Discovery Ende Juli sind wir nun auch rechtlich und auf dem Papier eine echte und hundertprozentige Familie. Für uns in Deutschland begann das Zusammenwachsen bereits im Mai als wir den Abschluss der strukturellen Integration von Eurosport inklusive der Übernahme aller Eurosport-Mitarbeiter in das Discovery-Portfolio verkünden konnten. Viele Mitarbeiter arbeiten jetzt schon im Discovery-Büro in der Sternstraße – die restlichen werden 2016 folgen.

Und das funktioniert soweit reibungslos?

Natürlich funktionieren noch längst nicht alle Abläufe reibungslos – die Anpassungen, wenn zwei Unternehmen zu einem werden, sind eine große Herausforderung. Doch die Zusammenarbeit funktioniert von Tag zu Tag besser. Wir lernen und profitieren alle viel von den unterschiedlichen Erfahrungen, die die Mitarbeiter der beiden Unternehmen mitbringen. Und Eurosport macht uns noch relevanter und größer.

Sie meinen die Programmfarbe Sport.

Ja, die Inhalte von Eurosport sind für Discovery sehr interessant. Es gibt kaum ein Thema, das die Menschen stärker anzieht als sportliche Ereignisse. Von daher schauen wir, wie wir Themen von Eurosport auch bei unseren anderen Sendern wie zum Beispiel DMAX spielen können, beispielsweise als Cross-Programming. Insofern findet ein Prozess der Verzahnung statt, der ganz neue spannende Wachstumsperspektiven eröffnet. Und Eurosport ist bekanntlich weit mehr als die Olympischen Spiele.

Welche Sport-Events stehen denn in der näheren Zukunft auf dem Programm bei Eurosport?

Bei Eurosport steigen wir ab November in die heiße Phase des englischen FA Cup ein. Besonders spannend wird hier natürlich das große „deutsche“ Duell: Mesut Özil (Arsenal London) gegen Bastian Schweinsteiger (Manchester United). Im Bereich MotoGP steht das Saisonfinale mit sechs Rennen bei Eurosport & Eurosport 2 bis zum Schlusspunkt am 8. November an und ab dem 18. September gibt es sechs Wochen lang die Rugby WM bei Eurosport, bevor wir uns dann ab Ende November auf 800 Stunden Wintersport live bei Eurosport freuen. Zudem möchte ich noch ein ganz besonderes Highlight bekannt geben – ein Sportrecht, das wir gerade erworben haben und auf das ich mich persönlich besonders freue: Eurosport Deutschland wird die zweite Saison der FIA Formel E, der ersten und bislang einzigen reinen Elektro-Rennserie im Motorsport live übertragen. Insgesamt stehen ab dem 24. Oktober elf Rennen in zehn Städten auf dem Programm – darunter auch ein Rennen in Berlin im Mai nächsten Jahres.

Inzwischen schon drei frei empfangbare Fernsehsender, dazu Pay-TV: Wieviel Wachstum plant Discovery denn noch im deutschen TV-Markt?

Wir planen durchaus noch größer zu werden und uns noch stärker im deutschen Markt zu positionieren. Zwar gibt es aktuell kein neues Projekt, das wir kommunizieren können, aber in unserem Portfolio ist noch viel Luft. Das betrifft sowohl Pay-TV und Free-TV, aber auch den OTT-Bereich.

Einer der drei frei empfangbaren TV-Sender ist TLC. Der Sender tut sich deutlich schwerer als geplant. Woran liegts?

Seit Juni steht der Sender auf 0,3 Prozent Marktanteil und in der für uns relevanten Kernzielgruppe Frauen 20-49 Jahre auf 0,5 Prozent. Die Zahlen sind noch überschaubar, aber wir sehen eine steigende Tendenz. Im Mai hatten wir eine umfangreiche Marketingkampagne für TLC geschaltet und die Primetime sowie die Late Prime komplett umprogrammiert. Dort zeigt der Sender nun Factual Crime-Formate, die sehr gut funktionieren – so erreichen wir zum Beispiel mit Formaten wie „Web of Lies“ oder „Indianapolis 187“ im Schnitt 0,5 Prozent bzw. 0,4 Prozent der 14-49-jährigen Zuschauer . Besonders erfreulich ist auch das Wachstum in der Access Prime: Hier steigerte sich TLC im August auf 0,4 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen und auch der Sonntag wies im August eine beachtliche Marktanteilssteigerung auf: Mit Sendungen wie „Long Island Medium“ kletterte der Sonntag auf 0,3 Prozent.

Mit Verlaub: Wir reden von Veränderungen im Bereich von Zehnteln eines Prozents. Das kann nicht im Rahmen der Erwartungen liegen.

Alles in allem geht es vorwärts – aber wir hatten uns natürlich beim Start von TLC erwartet, dass der Marktanteil schneller nach oben steigen würde. Eines unserer größten Probleme ist hierbei die Wiederauffindbarkeit: In dem stark fragmentierten deutschen Markt ist es für kleinere Sender nicht so einfach gefunden zu werden und ins Relevant Set zu gelangen – vor allem nicht, wenn man über keine große Netzwerkpower verfügt, um den Kanal auf anderen, konzerneigenen Sendern entsprechend aufmerksamkeitsstark zu bewerben.

Wieviel Geduld und Spielraum bringt das Mutterhaus denn mit, um TLC in Deutschland doch noch zum Erfolg zu führen?

TLC ist eine globale Marke, die Zeit braucht, um entdeckt, gesehen und geliebt zu werden. Das war auch in anderen Ländern, in denen TLC gestartet ist, der Fall und ist insofern für den Mutterkonzern nicht überraschend.

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