Markus Küttner © RTL
DWDL.de-Interview mit Markus Küttner

Ist mehr als ein Dschungelcamp im Jahr denkbar?

 

Seine ganz eigene Dschungelprüfung: Markus Küttner, Leiter Real Life & Comedy bei RTL, muss sein Prestige-Projekt unfallbedingt aus Deutschland leiten. Ein Gespräch über Knochenbrüche, Grillen, Clark Kent und den Reiz mehr aus dem Dschungelcamp zu machen.

von Thomas Lückerath
23.01.2016 - 13:45 Uhr

Herr Küttner, der aufmerksame Dschungel-Zuschauer hat mitbekommen, dass Sie diesmal nicht in Australien dabei sind. Darf man fragen, was passiert ist?
 
Ich hatte Ende Dezember einen Unfall mit dem Fahrrad und bin sehr ungünstig gestürzt. Neben dem Schlüsselbein habe ich auch ein paar Rippen gebrochen, alles ziemlich schmerzhaft. Die Ärzte haben dringend von einer Flugreise innerhalb von vier Wochen nach dem Unfall abgeraten - was für ein schlechtes Timing.

Wie muss man sich jetzt die Kommunikation mit den Kollegen in Australien vorstellen?
 
Wir tauschen uns natürlich regelmäßig aus, was vor allem an meiner für die Kollegen nicht wenig anstrengenden Neugierde liegt. Neben den Klassikern Telefon und Mail haben wir diverse Whatsapp-Gruppen, das funktioniert ganz hervorragend. Aber es ist schon ganz klar so, dass die Kollegen die Show vor Ort ohne mich machen. Und ich bin froh, dass ich mit Kirsten Petersen und Mark Land zwei großartige Executive Producer im Team habe, die sofort einspringen, wenn mal jemand vom Fahrrad fällt (lacht). Und auch dem Team bei ITV sei an dieser Stelle gedankt, auch für die Kolleginnen und Kollegen wird es nicht einfacher, wenn plötzlich und kurzfristig die Senderverantwortlichen rochieren.

Finden Sie als Musiknarr einen Songtitel, der ihre Zufriedenheit mit der aktuellen Staffel beschreibt?
 
Kevin Morby - All of my life. Das lief in der schönen MAZ, in der David erklärt, was ein Orgasmus ist. Herrlicher Song, tolle MAZ.

Wie zufrieden sind Sie mit der Staffel bislang?
 
Ich könnt kaum zufriedener sein, die Staffel finde ich in jeder Hinsicht ganz toll. Es ist einfach schön, wenn so vieles von dem, was wir uns im Laufe des vergangenen Jahres überlegt haben, jetzt aufgeht. Und die Quoten sind auch hervorragend - was will man mehr? Die Promis gefallen mir sehr gut und ich bin sehr gespannt, wie es jetzt weitergeht. Die tägliche Rauswahl bringt ja noch mal eine ganz neue Dynamik in die Gruppe. Es ist uns gemeinsam mit ITV wieder gelungen, ein herausragendes Team nach Australien zu fliegen - vor und hinter der Kamera.

Gibt es auch einen Song, der die Staffel des vergangenen Jahres zusammenfasst?
 
Ach wissen Sie, ich blicke gar nicht mit so schlechten Gefühlen auf die Staffel des vergangenen Jahres zurück. Natürlich hatten wir uns mehr Leben im Camp gewünscht - mehr Geschichten und vielleicht auch mehr Konflikte. Aber am Ende konnten wir alle gemeinsam auch aus diesen Zutaten unterhaltsame und erfolgreiche Shows machen. Ein passender Song ist 'Your Wish' von Talisco, weil wir uns immerzu mehr Action im Camp gewünscht haben. Und weil das ein toller Song ist.

Im vergangenen Jahr stand das Dschungelcamp erstmals auch bei Fans des Formats in der Kritik. Aus welchen Fehlern ließen sich Erkenntnisse für diese Staffel ableiten?
 
Ich bin nicht sicher, ob wirklich große Fehler gemacht wurden - am ehesten bei der Zusammenstellung der Promis. Aber auch hier bleibe ich bei meiner Sicht, dass man im Vorfeld nie weiß, wie die Dinge sich entwickeln. Bitte vergessen Sie nicht, dass die Auftakt-Show 2015 den bis dahin höchsten Marktanteil einer ersten Show hatte. Die Zuschauer haben für diese Promis eingeschaltet und wenn es dann spannender im Camp zugegangen wäre, hätten wir auch insgesamt noch bessere Werte gehabt. Und ich glaube, wir konnten endgültig beweisen, dass das, was im Camp geschieht, wirklich echt ist. Würden wir die Geschichten vorschreiben und den Stars Anweisungen geben, hätten wir ganz sicher eine andere Staffel gesehen (lacht). Was uns Schwierigkeiten bereitet hat, war der Treueschwur unter den Promis, sich im Camp nicht zu streiten und jeden Konflikt im Keim zu ersticken. Das haben auch frühere Gruppen schon versucht, dann aber nie lange durchgehalten. Aus diesem Grund haben wir entschieden, die Promis zur aktuellen Staffel getrennt anreisen zu lassen und vor dem Einzug in den Dschungel nicht im gleichen Hotel unterzubringen. So waren die Zuschauer dabei, als die Promis sich kennengelernt haben, das war auch mal spannend.

Markus Küttner© Markus Küttner

Kann man sagen, Sie haben sich von den Briten und ihrer Umsetzung inspirieren lassen?
 
Die Briten haben bereits mehrfach die Promis in den ersten Tagen auf zwei Camps aufgeteilt, die Infrastruktur war uns also bekannt. Bisher waren wir immer der Meinung, dass es am spannendsten wäre, wenn alle Stars sofort zu einer großen Gruppe zusammengeführt werden. Jetzt haben wir es anders ausprobiert und ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Aber ob es weniger lustig gewesen wäre, wenn alle sofort in einem Camp gewohnt hätten - keine Ahnung.

Das zweite Camp war ja schon seit Jahren da. Aber genutzt wurde es bislang einfach nicht, oder?
 
Wir haben es früher schon mal für eine Schatzsuche genutzt, ansonsten lag es brach.

Gibt es darüber hinaus Änderungen, die den Zuschauern vielleicht bislang nicht sofort aufgefallen sind? Schrauben an denen man vielleicht einfach ein bisschen gedreht hat?
 
Natürlich gab es hinter den Kulissen Veränderungen, die im Zusammenhang mit den zwei Camps stehen. Wir benötigten mehr Kameras und mehr Personal. Ansonsten drehen wir immer an vielen kleinen Schräubchen und hinterfragen die Dinge regelmäßig.

Aber die „Soundeffekte“ sind doch neu. Die Grillen!
 
Oh nein, die Grillen haben wir schon immer, sie wurden nur bisher nicht thematisiert. Es ist wirklich faszinierend vor Ort, wie laut diese kleinen Tiere sein können. Und der guten Ordnung halber: nein, der Sound wird nicht künstlich eingespielt.

Kommen wir zum Cast. Frank Hoffmann sprach im DWDL.de-Interview schon von „O-Ton-Maschinen“. Gibt es weitere Labels, die man Kandidaten zuordnet in der Besetzung einer Staffel?
 
Ach das ist schwierig. Natürlich haben wir damit gerechnet, dass David eher unfreiwillig komische O-Töne von sich gibt oder dass Brigitte versucht, die Geschichte von Staffel 6 möglichst nahtlos weiterzuerzählen. Aber spannend wird es immer, wenn die Stars uns überraschen. Hätten Sie gedacht, dass Helena Fürst sich so in die Herzen der Zuschauer spielt und in jede Dschungelprüfung gewählt wird? Ich nicht.

Ich glaube, dass es weniger daran liegt, dass sie sich in die Herzen gespielt hat (lacht). Aber sie war vermutlich trotz jahrelangen Sendungen noch nie so wertvoll für RTL wie jetzt.

Genauso ist es. Helena ist ein toller Dschungel-Promi.

Wer hat sie in der aktuellen Staffel von ihr abgesehen am meisten überrascht?
 
Ich bin überrascht, dass Brigitte bisher so passiv ist. Ich fürchte, sie ist sehr überrascht, dass nicht alle deutschen Promis so lethargisch sind, wie ihre Mitstreiter vor 5 Jahren. David hat mich überrascht, weil er unfassbar lustige Theorien auf Lager hat. Nathalie bleibt noch etwas blass - auch im übertragenen Sinne (lacht). Insgesamt versuche ich immer, möglichst unbefangen auf die Promis zu schauen und nicht zu klare Erwartungen zu haben.

Bei Kandidaten wie Rolf Zacher oder Gunter Gabriel kommt immer wieder die Frage auf: Wie wertvoll sind Kandidaten in so hohem Alter für die Sendung, wenn sie sich Jahr für Jahr so schwer tun im Dschungel?
 
Wir haben doch in früheren Staffeln ganz besonders gute Erfahrungen mit älteren Promis gemacht. Bata Ilic, Reiner Langhans oder Ingrid van Bergen, die die 4. Staffel sogar gewinnen konnte, waren tolle Promis. Rolf und Gunter taten sich etwas schwer in diesem Jahr, das finde ich auch schade. Aber ich möchte auch in Zukunft keinesfalls auf ältere Promis verzichten bei „Ich bin ein Star“. Die Mischung muss einfach stimmen.

"Bisher waren wir immer der Meinung, dass es unserem Format gut tut, wenn es nur ein Mal im Jahr läuft"

Neben Micky Beisenherz und Jens Oliver Haas ist in diesem Jahr auch Jörg Uebber Autor beim Dschungelcamp. Entweder ist der Name bislang nur stets untergegangen oder er ist neu dabei. War Verstärkung nötig?
 
Es ist sicherlich bekannt, wie glücklich und zufrieden ich mit der Arbeit von Olli und Micky bin. Die Anforderungen und der Arbeitsaufwand in Australien werden aber immer größer: mehr Promis, mehr Sendezeit und Micky muss sich ja auch um seien Facebook-Account kümmern (lacht). Jörg Übber ist ein sehr guter Autor, mit dem wir bei verschiedenen Projekten schon seit vielen Jahren zusammenarbeiten. Ich bin sehr froh, dass wir ihn für „Ich bin ein Star“ gewinnen konnten und finde übrigens die Texte, die die drei Autoren schreiben, wieder absolut spitze.

Einer der wenigen Höhepunkte im vergangenen Jahr war das sehr amüsante „Wer ist am Bekanntesten/Reichsten/Schönsten?“-Spiel. Wird es das in diesem Jahr nochmal geben?
 
Abwarten.

Bei den starken Quoten des Dschungelcamps liegt es doch weiterhin nahe, daraus mehr zu machen. Eine Sommer-Gameshow soll es nicht nochmal geben, aber wie lange kann RTL der Versuchung widerstehen, nicht doch ein zweites Dschungelcamp im Jahr oder ein mehr als zwei Wochen langes zu produzieren?
 
Die Sommer-Show können wir so natürlich nicht erneut machen, weil ja aus den Teilnehmern der zurückliegenden Staffeln ein Widergänger für die Jubiläumsstaffel gesucht wurde. Bisher waren wir immer der Meinung, dass es unserem Format gut tut, wenn es nur ein Mal im Jahr läuft. So freuen sich die Fans über 11 Monate auf die neue Staffel und die Show wird als echtes Event wahrgenommen. Ob sich daran irgendwann etwas ändert, werden wir sehen. Aktuell ist das jeweils nicht geplant.

Letzte Frage noch: Warum haben Sie sich an der Seite von Sonja Zietlow diesmal für Clark Kent entschieden?
 
Clark Kent ist doch Superman. So kann Daniel sicher gut mit dem Vergleich leben. Er sieht auch mit neuer Frisur top aus finde ich - so, jetzt ist es raus! Ich finde, dass beide Moderatoren auch in diesem Jahr ihre Sache ganz toll machen. Was für ein Privileg, mit Ihnen diese Show machen zu dürfen - 2017 dann am liebsten wieder auch mit mir vor Ort.

Herr Küttner, herzlichen Dank für das Gespräch und gute Besserung.

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