Kai Blasberg © Tele 5 / Gert Krautbauer
DWDL.de-Interview mit Kai Blasberg

"Ich kann ja noch so toll sein, ich bin halt Tele 5"

 

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Gibt aber eben nicht viele, die das dann über die Accounts des Unternehmens verbreiten würden.
 
Ich denke, dass Herr Dr. Kloiber - mit dem ich nicht eine Minute darüber gesprochen habe - da meiner Meinung ist. Ich glaube er mag es, wenn ich manchmal Dinge sage, die sich sonst keiner traut zu sagen. Da bin ich dann gerne der Hofnarr, der ich immer sein wollte. Unsere Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel hat unsere Künstler verraten. Und sie hat den Eid auf die Verfassung geschworen, wonach sie Schaden vom deutschen Volke abwenden werde - und dazugehört eben auch Jan Böhmermann. Und den hat sie gebrochen, weil sie nicht entsprechend gebildet ist. Sie hat das Thema einfach nicht so hoch auf ihrer Agenda. Sie hat einen Fehler gemacht, wie sie später ja auch selbst zugegeben hat.

Okay, lassen Sie uns nochmal über Tele 5 reden. Wann und mit wem verdienen Sie eigentlich Geld?
 
Zwischen 15 und 1 Uhr sowie zwischen 30 und 64 Jahren - das ist unsere Kernzielgruppe. Und da sind wir im vergangenen Jahr so erfolgreich gewesen wie noch nie, nach Zuschauern aber auch nach Einnahmen. Und wir hatten das höchste EBIT der Sendergeschichte! Und mein Gehalt ist im Gegenteil zu dem Herrn Ebelings unbestritten... (lacht)
 
Und Herr Ebeling - wie alle anderen - würde sich natürlich mal dafür interessieren, wie hoch es genau ausfällt. Konkrete Zahlen geben Sie nie raus.
 
Ach, da würden sich alle tot lachen. Da sind bei allem was unser Wettbewerb macht, mehr Nullen dabei (lacht). Aber wir kämpfen alleine, ohne Sendergruppe oder Gebührenfinanzierung.
 
Sie kultivieren sehr gerne das Image des Underdogs.
 
Ich kann ja noch so toll sein, ich bin halt Tele 5. Bei tiefstehender Sonne werfen auch Zwerge lange Schatten. Ich mag den langen Schatten aber bin ja nun wirklich ein Zwerg. Wenn ich zum Beispiel die geniale Serie „Fargo“ kaufen will, dann rufen die erstmal 160.000 Dollar pro Folge auf. Nach zwei Jahren haben wir sie runter auf 30.000 und dann kauft es plötzlich ZDFneo für viel mehr  und zeigt es Freitagnacht um 1 Uhr. Da frage ich mich, ob ich noch im richtigen Film bin.
 
Stattdessen also eine internationalere Programmausstattung.
 
Wir fahren eben nicht nur nach Los Angeles sondern stattdessen nach Buenos Aires oder Richtung Asien, wobei wir jetzt auch dort anfangen höhere Preise zahlen zu müssen, weil wir sonst vom Markt gekegelt werden.
 
Warum gab es nie den Ehrgeiz Tele 5 richtig wachsen zu lassen - und nicht nur verbal anzugreifen?
 
Herr Kloiber hat mich sehr oft danach gefragt, aber ich habe immer entgegnet: Nein, das werden wir nicht schaffen. Wir würden Geld verbrennen, weil wir mindestens 30 bis 50 Millionen Euro im Jahr mehr investieren müssen, um von der Stelle zu kommen. Und mit Verbrennen von Investitionen wäre Herr Kloiber nicht das geworden, was er heute ist.
 
Investiert wird dafür in Ihre wichtigste Eigenproduktion „SchleFaZ!“.
 
Genau. Diese Marke haben wir sorgsam gepflegt und mit der fünften Staffel hat es jetzt eine Reife entwickeln, in der wir diese Marke auch für mehr nutzen wollen als die Ausstrahlung bei Tele 5. Es gibt Merchandising und eine Tour, bei der wir mit den sehr beliebten Oli und Päter zu den Fans  gehen. Und „Sharknado 5“ ist übrigens im Grunde ein deutscher „Sharknado“ weil wir diesmal unzählige deutsche Prominente in dem Film platziert haben.
 
Geht „Boomarama 3000“ mit Aurel Mertz denn weiter?
 
Wir reden. Er hat sich gut entwickelt aber ich kann jetzt nichts mehr für ihn tun. Jetzt gelten die Gesetze der Branche.
 
Da wird jetzt mancher mit Häme reagieren und sagen, dass Tele 5 halt doch auch nur auf die Quote guckt.
 
Ach, dann sollen sie doch. Das war ja jetzt die 3. Staffel mit ihm. Im Vorfeld hat er das Management gewechselt und schickte sich an zu Größerem. Also haben wir gesagt: Wenn das mal vom Fleck kommen soll, dann probieren wir es mal zur Primetime. Wer Stürmer sein will, muss auch Tore schießen. Aber das Format, der Name und der Sender sind zu schwach um Aufmerksamkeit dafür zu generieren. Also haben wir das gemacht, was klüger ist - und ihm auf neuem Sendeplatz wieder einen starken Vorlauf gegeben. Der Junge ist ja kein Quotengift, aber eben auch nicht für alles geeignet. Ich hoffe, wir finden einen Weg, weil er einer der wenigen seiner Generation ist, die mit Leidenschaft dabei sind.
 
Immerhin ein Lob zum Abschied.
 
Wir dürfen doch nicht so tun als würde es Fernsehen in fünf Jahren nicht mehr geben. So wirkt es manchmal auf mich, wenn ich die Kollegen in Köln und Unterföhring beobachte. Da scheint man lieber die Kuh melken zu wollen so lange es noch geht statt in die Zukunft zu investieren. Wir müssen mehr für den Nachwuchs tun. Wir brauchen Experimente. Früher hatten wir VIVA und MTV. Die Letzten, die daraus entstanden sind, sind Joko & Klaas und selbst die treten jetzt kürzer! Ja hallo, wo sind wir denn hier?!
 
Tja, was läuft da schief? Alle hören auf. Mit Raab, Kerkeling und Schmidt gibt es ja noch drei große Namen die sich weitgehend zurückgezogen haben.
 
Ich kann Ihnen sagen, was da gelaufen ist: Die haben genug Geld verdient. Letztes Jahr hatten wir mit „OGOT“ eher die Oldies groß rausgebracht, die das Geld auch gebrauchen konnten (lacht). In diesem Jahr werden wir Jüngeres ausprobieren, darunter „Meta-Boheme“. Dahinter steckt ein sehr, sehr feiner Kerl. Willy Kramer. Der wird dann im Programm von „SchleFaZ“ huckepack genommen. Wir reden auch seit anderthalb Jahren auch mit den Rocketbeans. Wir passen gut zusammen. Ich habe dem Daniel Budiman gesagt: „Wir sind Euer natürlicher Partner. Wir sind Euer älterer Bruder im Geiste.“ Aber da muss man noch den richtigen Ansatz finden, weil Eins und Eins nicht immer Zwei ergibt. In dem Prozess sind wir gerade.

"Dann dreht Matthias Schweighöfer eine Serie für Amazon - und niemand in Deutschland hat sie gesehen"

Wie geht es mit „Kalkofes Mattscheibe“ weiter?
 
Die Mattscheibe wandelt sich in diesem Jahr und wird sich auf wenige aber dafür dann richtig lange Shows konzentrieren, die wir live über den Second Screen begleiten werden. Kalk hat ja jetzt auch noch ein Studio im Keller. Wir werden wesentlich agiler. Auch mit der Mattscheibe.
 
Sie haben sich neulich mit Serdar Somuncu getroffen nachdem dieser Stress mit n-tv hatte. Die nächste Verpflichtung?

Es war ein sehr leckeres Essen. Er ist so wie ich sehr viel netter als man denkt.
 
Machen Ihnen Netflix und Amazon eigentlich Angst?
 
Amazon und Netflix sind gekommen um zu bleiben, aber wenn wir die Situation im Jahr 2017 realistisch betrachten, dann dreht Matthias Schweighöfer eine Serie für Amazon - und niemand in Deutschland hat sie gesehen. Schön, dass sie für Amazon ein großer Erfolg war, aber sie findet in der öffentlichen Wahrnehmung nicht statt. Und wenn die Zahlen so gut wären, dann würden Sie die doch kennen. Auch Netflix würde viel aggressiver kommunizieren, aber sie lachen sich doch ins Fäustchen, dass alle über ihre Inhalte sprechen, ohne dass jemand weiß, wie erfolgreich sie wirklich sind. Weltweit sind das Riesenerfolge, in Deutschland tickt das alles aber noch ganz anders. Im Übrigen kenne ich Künstler eigentlich so, dass sie auch wahrgenommen werden wollen und nicht nur Kohle einfahren. Aber kann auch sein, dass sich das ändert. Und ansonsten gilt der gute RW Fassbinder. „Angst essen Seele auf!“
 
Herr Blasberg, herzlichen Dank für das Gespräch.

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