Genius: Picasso © National Geographic
Antonio Banderas über "Genius: Picasso"

Banderas: "Das Geniale an Picasso ist bekannt genug"

 

In "Genius: Picasso" schlüpft Antonio Banderas in die Rolle des Malers, mit dem er die Geburtsstadt teilt. Für seine Rolle ist er in diesem Jahr für einen Emmy als Bester Hauptdarsteller in einer Miniserie nominiert. Wir haben im Frühjahr zum Start der Serie mit ihm gesprochen

von Jan Freitag
21.04.2018 - 13:00 Uhr

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Antonio Banderas, Sie sind nach Pablo Picasso der berühmteste Sohn Málagas. Gibt es darüber hinaus noch Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und ihm?

[lacht laut] Nein!

Nicht eine?

Ich atme, ich schlafe, ich esse – das war’s.

Haben Sie denn wenigstens einen Picasso zuhause?

Ja, aber nur eine kleine Malerei, kein Gemälde. Dafür müsste ich wohl noch viel, viel mehr solcher Serien drehen.

Wie haben Sie darin dann die persönliche Verbindung zu Picasso hergestellt, um ihn glaubhaft zu spielen?

Ach, das war gar nicht so schwer. Wenn ich als Kind auf dem Weg zur Schule an seinem Geburtshaus vorbeigegangen bin, sagte meine Mutter [flüstert verschwörerisch]: hier wurde Picasso geboren. Jeden Tag. Hin- und Rückweg. Als Kind kam ich also gar nicht drum herum, mich ständig zu fragen, wer dieser Mann war, von dem Mama so ehrfürchtig spricht. Seinerzeit war er der einzige, der es aus unserer Stadt in die weite Welt geschafft hat. Unter derselben Sonne wie er gelebt zu leben, war fast einschüchternd.

Zu einschüchternd, um ihn auch zu mögen?

Wie für alle Bewohner Malagas war er mein Held, dem konnte sich niemand entziehen. Aber um ihn wirklich zu mögen, war für mich noch wichtiger, dass er ein Gegner Francos und der Faschisten war.

Könnten Sie seine Kunst denn auch schätzen, wenn es anders gewesen wäre?

Oh, schwierige Frage [überlegt lang]. Vermutlich schon. Ich bewundere ja auch die Kunst von Salvador Dali, der Franco gegenüber zumindest furchtbar gleichgültig war. Dennoch fällt es mir schwer, den Künstler vom Menschen zu trennen. Auch Picasso hatte ja bekanntlich dunkle Seiten, das Verhältnis zu Frauen etwa. Aber das versuche ich so wenig wie möglich zu bewerten; wer seine Figur beim Spielen ständig verteidigen muss, kriegt sie nicht lebendig. Umso wichtiger war es mir, sie in langen Diskussionen zu verstehen.

Diskussionen mit wem?

Dem Regisseur zum Beispiel oder Picassos Tochter Maya. Sie hat mir zum Beispiel in mehreren Gesprächen versichert, was für ein fantastischer Vater er war oder wie innig er seine Heimatstadt, die er mit zehn verlassen hatte, im Herzen trug. Solche Anker haben mir nicht nur die Komplexität dieser Figur erklärt, sondern erneut gezeigt, dass man alle Seiten eines Charakters beleuchten muss, um ihn zu begreifen. Sonst wird er hohl und kommt niemandem nah.

Wird Genius: Picasso! Durch diese Anker zu einer Serie über seine Kunst, seine Person oder seine Epoche?

Sie kennen die Antwort!

Über alles, sicher. Aber mit welcher Gewichtung?

Mit keiner, wirklich! Er führte zu allem, was ihn umgab, intensive Beziehungen – zur Kunst ebenso wie zu Familie, Freunden, der Politik. Dass Paris während seines Aufenthalts dort von den Nazis besetzt war, hat ihn Tag und Nacht umtrieben, aber nie daran gehindert, weiter zu malen, zu lieben, zu sein. Leben und Kunst waren für ihn identisch, er hat da nicht getrennt.

Gilt das auch für Sie?

Oh Gott, wenn ich ja sage, klingt das, als würde ich mich mit ihm vergleichen. Das käme mir nie in den Sinn! Aber gut: ich trenne wahrscheinlich etwas mehr als er. Wobei ich ihn an einer Stelle des Films sagen lasse, seine Kunst sei ihm wichtiger als die Familie. Das kann ich zwar durchaus verstehen, es gilt aber nicht mal annähernd für mich. Auch ich liebe meine Arbeit, bereue es aber bis heute zutiefst, ihretwegen meiner Tochter so wenig beim Aufwachsen beigewohnt zu haben. Picasso hat am Ende ja auch einen hohen Preis für seine Fokussierung auf die Kunst gezahlt. Der einzige Freund, den er am Ende hatte, war sein Friseur.

Als Picasso 1973 starb, waren Sie selbst Teenager. Welche Erinnerung haben sie daran?

Eine seltsame. Franco war noch am Leben, aber nicht mehr so mächtig. An den Universitäten herrschte Unruhe, der Rest des Landes war jedoch ruhig. Alles schien fein zu sein, auch wenn nichts fein war. was Picasso betrifft: Als gleich nach Francos Tod viele Künstler nach Spanien und auch Málaga zurückgekehrt sind, wurde mir bewusst, wie sehr ich es mir gewünscht hätte, dass auch er aus Frankreich kommt und die Strandpromenade entlang spaziert. Warum ist dieser Fucker Franco bloß zwei Jahre nach Picasso gestorben und nicht zwei davor?!

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