Jörg Kachelmann, Riverboat © MDR/Tom Schulze
Interview zum "Riverboat"-Comeback

Kachelmann: "Ich arbeite für den MDR, nicht die ARD"

 

Jörg Kachelmann moderiert an der Seite von Kim Fisher ab sofort wieder die MDR-Talkshow "Riverboat". Im DWDL.de-Interview spricht er über seinen "Fuck the ARD"-Spruch, sein Verhältnis zu vielen Printmedien, seine Ziele und die Angst vorm Scheitern.

von Timo Niemeier
04.01.2019 - 10:27 Uhr

Herr Kachelmann, ab diesem Jahr moderieren Sie im MDR wieder die Talkshow "Riverboat", die erste (noch aufgezeichnete) Sendung läuft am heutigen 4. Januar. Wie ist es eigentlich dazu gekommen? Sie haben die Sendung in den 00er Jahren ja schon einmal eine ganze Zeit lang moderiert.

Ein lieber Kollege, der die Auftritte mit Angelika Mann im Boulevardtheater Dresden organisiert und mitgestaltet hat, ist auch freier Mitarbeiter beim MDR. So wie ich es verstanden habe, gab es mal ein Gespräch zwischen Redaktionsleiter Torsten Amarell und ihm, dann einen gemeinsamen Termin in München, dann weitere Termine danach.

Die ARD war lange ein schwarzes Tuch für Sie. Ihr Spruch "Fuck the ARD" ist legendär. Wie kam es zum Sinneswandel?

Ich war enttäuscht, dass eine Falschbeschuldigerin meine Fernsehtätigkeit versenkt hat und es fühlte sich nach Solidarität für die Täterin, nicht für das Opfer an. Das Zitat stammt von Anfang 2014 und fühlt sich nicht erst heute falsch an. Ich entwickle mich auch noch im hohen Alter. Nur Deppen ändern ihre Meinung nie.

Haben Sie inzwischen Frieden gemacht mit der ARD als Gesamtverbund?

Die Frage stellt sich für mich nicht, ich arbeite für den MDR, nicht die ARD. Ich muss in Sachen MDR nichts zurücknehmen oder bedauern. Auch der MDR muss das nicht. Es war von daher keine gemeinsame Therapiestunde zur Vergangenheitsaufbereitung notwendig. Ich war sehr aufgeregt und unsicher, nach den Dingen von 2010 rechne ich generell immer damit, dass irgendwas schief geht. Das mit der Selbstverständlichkeit, dass was gut gehen kann, muss ich erst wieder lernen.

Gab es jemals eine Aussprache mit einem (damals oder heute) Verantwortlichen der ARD über die Vorfälle damals?

Nein.

"Ich muss in Sachen MDR nichts zurücknehmen oder bedauern. Auch der MDR muss das nicht. Es war von daher keine gemeinsame Therapiestunde zur Vergangenheitsaufbereitung notwendig."
Jörg Kachelmann

Sie haben die ersten "Riverboat"-Sendungen schon aufgezeichnet. Wie hat sich das angefühlt? Wie Nach-Hause-Kommen oder war es doch ganz neu?

Kim Fisher war gut wie immer, ich war in der ersten Sendung zu nervös und verkrampft und wollte alles zu richtig machen. Ich finde die erste Sendung von mir aus gesehen so mittel. Die zweite Sendung, die am 11. Januar ausgestrahlt wird, gefiel mir besser, was meine Leistung angeht.

Haben Sie "Riverboat" in den letzten Jahren gesehen?

Seit dem ersten Termin in München.

Wie wird sich "Riverboat" im neuen Jahr ändern? Inwiefern muss sich die Sendung auch ändern?

Ich bin nur der Moderator und komme in eine sehr erfolgreiche Sendung. Es ist völlig abseitig, dass sich ein tolles Produkt ändern muss. Ich versuche, mich mit meiner Art zu moderieren ins Team einzupassen.

Mit welchem Ziel gehen Sie in die neue Aufgabe? 

Ich wünsche mir sehr, dass die Quote mit mir nicht geringer wird als ohne mich.

Sehen Sie das jetzt eigentlich auch als großes TV-Comeback, so wie es ja gemeinhin bezeichnet wird? Komplett weg waren Sie ja nie.

Eine groteske Überhöhung vor allem von Printmedien, die eine Therapie brauchen, was den Umgang mit Fernsehen betrifft. Ich habe es an der Berichterstattung über mich erleben dürfen: Dass ich eine Firma mit rund 150 Leuten mit Tochterfirmen in Übersee geleitet habe: völlig wurscht. Ich wurde "Ex-Wettermoderator", weil ich maximal fünf Tage im Monat in der ARD vor einer Wetterkarte rumgefuchtelt habe. Viele Printjournalisten haben eine Obsession, was die Bedeutung von Fernsehen angeht und müssen sich einerseits permanent an den Sendungen und den Machern abarbeiten, andererseits aber fünfmal zwei Minuten Wetter im Monat zu meinem Lebensinhalt und Hauptberuf hochstilisieren. Ich war nie "Wettermoderator" und ich werde auch keiner mehr.

"Ich habe großen Respekt vor der Aufgabe und natürlich auch jederzeit Sorge vor der Häme und was es mit mir macht, wenn ich scheitere."
Jörg Kachelmann

Inwiefern spüren Sie Genugtuung durch die Rückkehr vor die Kameras bei einem vergleichsweise großen Sender?

Genugtuung ist das falsche Wort. Ich habe nicht mit dem Angebot gerechnet, es ist eine große Herausforderung. Ich habe großen Respekt vor der Aufgabe und natürlich auch jederzeit Sorge vor der Häme und was es mit mir macht, wenn ich scheitere. Ich habe in den letzten Monaten gelernt, wieviel 2010 noch in mir steckt, weil ich mir stets und manchmal unnötig Sorgen mache, dass irgendwas nicht gut ist. Aber ich habe mich natürlich auch über das Angebot gefreut und will alles geben – es sind zwiespältige Gefühle und ich hoffe, dass ich zur alten Sicherheit und Spielfreude zurückfinde. Die zweite Sendung hat mir Mut gemacht.

Ist auch die Moderation von anderen Formaten im Fernsehen für Sie wieder denkbar?

Riverboat ist im Moment wöchentlich mit einem Team, da bleibt zusammen mit der unternehmerischen Arbeit keine Luft.

Sie haben in den vergangenen Jahren einige Gerichtsverfahren gegen Medien angestrengt. In wie vielen Rechtsstreitigkeiten liegen Sie eigentlich noch? Oder ist inzwischen alles erledigt?

Alles erledigt.

Haben Sie schon Geld von Axel Springer bekommen? Die Urteile waren zuletzt ja eindeutig.

Ja, was davon nach Abzug aller Kosten so übrig bleibt, kam an.

Glauben Sie, alle in der ARD sind glücklich mit Ihrem Engagement?

Niemand hat die Absicht, dass alle glücklich sind.

Herr Kachelmann, vielen Dank für das Gespräch!

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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