NightWash mit Atze Schröder © Sat.1/Guido Schröder
Atze Schröder im DWDL.de-Interview

"Es ist nicht leichter geworden, erfolgreich zu sein"

 

"NightWash" kehrt zurück ins Fernsehen und Atze Schröder wechselt dafür den Sender. DWDL.de sprach mit dem neuen Moderator der nun in Sat.1 beheimateten Comedyshow über den Neustart, seine Beweggründe und den Comedy-Nachwuchs.

von Alexander Krei
13.09.2019 - 08:40 Uhr

Herr Schröder, über viele Jahre hinweg war Ihr Gesicht fest mit RTL verbunden. Wieso zieht es Sie jetzt zu Sat.1?

Bei RTL gibt es inzwischen nicht mehr so viele Comedy-Formate. Wenn man da als Komiker etwas machen möchte, landet man inzwischen als Moderator bei einer Quizshow oder macht ein Reise-Format. Das sage ich ohne Häme – bei RTL gibt es einfach so viele erfolgreiche Formate, dass für Stand-Up offenbar kein Platz mehr vorhanden ist. 

Klassische Comedy reicht nicht mehr?

Nahezu alle Formate, die man vorgeschlagen bekommt, haben damit zu tun, dass der Zuschauer mitraten muss und dass es am Ende der Show irgendeinen Gewinner gibt. Natürlich kann man bei so etwas zusagen und sich einigermaßen sicher sein, viele Zuschauer damit zu erreichen. Wenn man aber so lange dabei ist wie ich, fragt man sich schlicht, was das denn mit Comedy zu tun hat. Das ist ja weiterhin mein Stammberuf. 

Nun holen Sie "NightWash" zurück, einen echten Klassiker. Was verbindet Sie mit der Sendung?

Ich bin dort vor einigen Jahren selbst schon einmal aufgetreten, da hat das noch Luke Mockridge moderiert. Schon damals fand ich das Konzept interessant, weil es ausschließlich um Stand-Up geht und damit um mein Kerngeschäft. Die Idee, die Moderation zu übernehmen, reifte schon im Winter, als mein Management erstmals mit diesem Gedanken auf mich zukam. Das sei doch genau das, wonach ich gesucht habe, eine Stand-up-Show ohne Quiz und Gewinner. 

Wann waren ihre letzten Bedenken aus dem Weg geräumt?

Im Laufe des Frühjahrs war ich komplett davon überzeugt. Bis dahin stand auch noch die Frage im Raum, auf welchem Sendeplatz die Show in Sat.1 laufen wird und ob man mit Stand-Up noch ein großes Publikum wird ansprechen kann. Außerdem bin ich in der Branche gut vernetzt. Dadurch standen die Chancen ganz gut, dass wir auch arrivierte Stand-Upper in die Show bekommen – ob Luke Mockridge, Torsten Sträter oder Chris Tall. 

Allerdings stand "NightWash" immer auch für die Nachwuchsförderung. Wird dafür noch Platz sein?

Unser Konzept sieht vor, dass wir pro Folge einen bekannten Star der Branche dabei haben und drei mehr oder weniger Unbekannte. Eine super Mischung, finde ich. 

Wie schwierig ist es für heutige Comedians, in der Szene Fuß zu fassen?

Es ist nicht leichter geworden, erfolgreich zu sein. Dafür haben sich aber auch die Wege verändert. Heutzutage muss man nicht zwingend ins Fernsehen, um bekannt zu werden. Man kann das auch mit YouTube schaffen. Ich weiß das noch von meinen Anfängen: Wenn die Redakteure einen nicht mochten, hatte man keine Chance. 

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie von dem Job leben können? 

Ich war schon immer ein ganz guter Verkäufer. Eines Tages bin ich mit der Sekretärin von Marc Conrad essen gegangen, die dann glücklicherweise mit mir durch die Redaktion gelaufen ist, unter anderem die von "RTL Samstag Nacht". So bin ich dann da reingerutscht – und gewissermaßen bis heute geblieben. 

Sie haben also Witze gemacht und standen plötzlich beim Sender unter Vertrag?

Das ging tatsächlich alles ganz schnell. Plötzlich hieß es, dass ich für zehn Folgen bei "RTL Samstag Nacht" dabei bin. Ich hatte auch später noch einmal ähnliches Glück, als ich der Produzentin Christiane Ruff im Zug meine Serie "Alles Atze" gepitcht habe. So etwas kannst du nicht planen.

NightWash

Mittlerweile haben Sie außerdem zwei eigene Podcasts und eine halbe Million Follower bei Facebook. Mussten Sie im Laufe der Zeit neue Spielregeln lernen?

Absolut. Ich bin mit der Einstellung gestartet: Wer Atze sehen möchte, muss sich eine Karte kaufen. Am Anfang habe ich ja nicht einmal DVDs gemacht. Erst nach und nach habe ich mich von meinem Management überreden lassen, zur Abwechslung mit der Zeit zu gehen. Den einen Podcast mache ich seit einiger Zeit mit Till Hoheneder, der eigentlich noch viel konservativer ist als ich. Uns wurde aber gesagt: Ihr habt doch so viele Anekdoten, macht mal. Widerwillig haben wir's dann gemacht und wurden innerhalb von einer Woche erfolgreich. Und Spaß macht's auch. (lacht) 

Wie schwierig ist es, in einem Podcast zu funktionieren, wenn das Publikum fehlt?

Das war auch meine anfängliche Frage. Aber ich unterhalte mich einfach nett mit Till, mit dem ich gut befreundet bin. Arbeit ist das für mich also nicht, auch wenn man schon sagen muss, dass anfangs etwas mehr Anarchie herrschte als jetzt. Mittlerweile überlegen wir uns vorher schon mal, über welche Themen wir sprechen wollen. Das Format Podcast ist so spannend, dass ich gerade mit dem Bestsellerautor Dr. Leon Windscheid einen weiteren Podcast gestartet habe, bei dem es aber um Psychologie geht. 

Ein intimes Format, das irgendwie zu "Night Wash" passt. Dem gegenüber stehen die großen Bühnen, auf denen Sie ja auch zuhause sind. Worin liegt für Sie der Unterschied?

Die kleine Bühne hat ebenso ihren Reiz wie die große. Bei großen Hallen entsteht eine unfassbare Energie. Wenn das Programm da funktioniert, schaukelt man sich mit dem Publikum gerne mal hoch. Bei kleineren Bühnen hast du den Vorteil, dass du auf die Zuschauer reagieren kannst. Da kannst du verrückt sein und auch mal komplett vom Programm abweichen. Deswegen freue ich mich so auf "Night Wash". Da ist das möglich. Nicht wie beim Shiny Floor im Fernsehen, wo du exakt deinen Text einhalten musst. 

Wie spontan darf man sein?

Eine gute Vorbereitung ist schon sehr wichtig. Die gibt Sicherheit. Wenn du abweichst, im Hinterkopf aber weißt, dass du gleich drei todsichere Gags hast, hast du auch keine Angst, dass der spontane Einfall nicht ganz so gut rüberkommt. Wenn es eine Leichtigkeit bekommen soll, muss es also auch gut vorbereitet sein. 

Wie sehr beschäftigen Sie sich mittlerweile auch mit politischen Themen?

Sich mit der politischen Entwicklung zu beschäftigen, wird immer dringlicher, allerdings achte ich darauf, dass meine Shows Comedy bleiben und nicht ins Kabarett abdriften. Ich möchte nicht mit dem Zeigefinger vorgehen, sondern dafür sorgen, dass der Zuschauer selbst drauf kommt. Im besten Fall kann ich meinem Publikum solche Themen einfach unterjubeln. In meinem letzten Programm habe ich beispielsweise eine Nummer über meinen neuen syrischen Nachbarn gemacht, obwohl mir andere Autoren davon abgeraten haben. Gute Comedy entsteht eben oft, wenn man mit offenen Augen durch die Welt läuft. 

Und dann wird jeder Einfall gleich zu Papier gebracht?

Das nicht, aber alleine für mein neues Programm habe ich derzeit knapp 900 Notizen in meinem Handy, die ich aus Beobachtungen gesammelt habe. 

Was steht da so drin?

Natürlich stehen da auch Wendler und seine Laura drin. Da habe ich mir notiert: Jetzt sind die Kinder der Promis auch schon Promis. Auch eine Notiz: Lediglich das Wort "Völkerball". Wenn ich damit zu Micky Beisenherz gehe, dann reicht das schon, damit die Post abgeht. (lacht) 

Kann man auf Knopfdruck lustig sein?

Ja, wenn es dein Beruf ist. Wenn du Journalist bist, musst du schließlich auch journalistisch arbeiten, sobald du den Rechner hochfährst. 

Herr Schröder, vielen Dank für das Gespräch.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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