Elke Walthelm © Sky
DWDL.de-Interview mit Elke Walthelm

Walthelm: "Das lineare Fernsehen ist noch lange nicht tot"

 

Bis zu acht lokale Serien will Sky künftig pro Jahr anbieten, sagt Elke Walthelm. Im DWDL.de-Interview spricht die Content-Chefin von Sky Deutschland über die Schlagzahl, Partnerschaften und gesammelte Erfahrungen abseits der Fiction.

von Alexander Krei , München
28.10.2019 - 00:30 Uhr

Frau Walthelm, seit einem Jahr gehört Sky zu Comcast. Was ist in den vergangenen Monaten geschehen?

Die Strategie von Sky Deutschland ist, genauso wie in der Vergangenheit, klar auf den deutschen und österreichischen Markt ausgerichtet. Es geht darum, unseren Kunden das beste Entertainment-Erlebnis und den qualitativ hochwertigsten Content zu präsentieren. Darüber hinaus stärkt die Zugehörigkeit zu Comcast uns auf unserem Weg den Rücken. Die größte strategische Entscheidung im Bereich Content war dabei ganz sicher die Gründung von Sky Studios. Dadurch sind wir mehr denn je in der Lage, nachhaltig, langfristig und gruppenübergreifend in eigene hochqualitative Inhalte zu investieren. Als Sky Gruppe wollen wir den Sky Original Output in den kommenden Jahren verdoppeln. Das ist ein großes finanzielles Commitment und eine Investition, von der unsere Kunden extrem profitieren werden. 

Geht es auch darum, unabhängiger von einzelnen Studios zu werden, die ja inzwischen zunehmend dazu übergehen, ihre eigenen Streamingdienste auf den Markt zu starten?

Durch Eigen- und Koproduktionen haben wir einen ungleich größeren Einfluss auf die inhaltliche und kreative Gestaltung, aber auch auf die Auswertung der Rechte. Wir werden aber niemals so viel selbst produzieren, dass wir damit unser gesamtes Angebot bestücken können. Daher bleiben Partnerschaften zu anderen Lizenzgebern wichtig, die ja glücklicherweise ebenfalls mehr produzieren als früher. Davon abgesehen sind auch Inhalte ausschlaggebend, die immer wieder gerne gesehen werden, also mainstreamigere Angebote, wie wir sie beispielsweise bei Sky 1 zeigen. Der richtige Mix aus aktuellen Blockbustern, Highend-Dramaserien, All-Time-Klassikern und leichteren Stoffen ist entscheidend und wird von unseren Film- und Serienfans goutiert.

Der Überraschungshit des Jahres war "Chernobyl", eine Serie, die Teil Ihres Koproduktionsdeals mit HBO gewesen ist. Hat diese Zusammenarbeit auch dann noch Bestand, wenn HBO Max an den Start geht?

Wir waren von Beginn an von "Chernobyl" überzeugt. Dass es bei unseren Zuschauern wie auch bei den Kritikern allerdings derart gut ankommen würde, war für uns eine sehr schöne Überraschung - zumal wir nicht das ganze Land mit Werbeplakaten bestückt hatten. Das ist einmal mehr ein toller Beweis dafür, dass gute Inhalte auch gefunden werden. Diese Serie besaß eine wahnsinnige Strahlkraft...

… im wahrsten Sinne des Wortes. 

(lacht) Und was HBO anbelangt, so haben wir ein hervorragendes Verhältnis und eine erfolgreich bestehende Kooperation. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in diesem Rahmen noch sehr viel Freude haben werden. 

Sie haben auch abseits der HBO-Produktionen neue Serien angekündigt, etwa "Hausen" oder "Souls". In welcher Schlagzahl wollen Sie dem Publikum diese Produktionen servieren?

Unser klares Ziel ist es, auf sechs bis acht lokale fiktionale Eigenproduktionen pro Jahr zu kommen. Noch wichtiger als die Schlagzahl ist aber die Frage, ob es sich um wirklich gute Geschichten handelt und ob wir dafür mit den richtigen kreativen Partnern zusammenarbeiten können. Nur wenn diese Puzzleteile stimmen, können Produktionen wie "Das Boot", "Der Pass", "8 Tage" oder "Babylon Berlin" zustande kommen – und erfolgreich sein. Mit der dritten Staffel von "Babylon Berlin" starten wir bekanntlich am 24. Januar, und wir werden 2020 die Zahl der deutschen Sky Originals weiter steigern. Dazu kommen die Sky Produktionen aus England und Italien, wie "The New Pope", "Zero, Zero, Zero" oder "Britannia". Damit präsentieren wir im kommenden Jahr unseren Zuschauern jeden Monat ein Highlight aus dem Hause Sky. 

Demnächst läuft "Der Pass" im ZDF, später folgt "Das Boot". Hilft Ihnen diese Zweitverwertung im Free-TV oder schadet sie womöglich auch, weil die Zuschauer sicher sein können, dass sie die Sky-Serien früher oder später auch woanders sehen können?

Eine generelle, auf alle Serien anwendbare Strategie gibt es nicht. Für Partnerschaften sind wir aber grundsätzlich immer offen. Dann entscheiden wir bei jedem einzelnen Projekt, ob Kooperationen Sinn ergeben. "Babylon Berlin" wäre vermutlich nie entstanden, wenn es die revolutionäre Partnerschaft mit der ARD, Degeto, X Filme und Beta Film nicht gegeben hätte. Abgesehen davon bin ich überzeugt, dass eine Ausstrahlung im Free-TV dabei hilft, unseren Eigenproduktionen zu mehr Bekanntheit zu verhelfen. Wenn das ZDF die erste Staffel von "Das Boot" ausstrahlt, dürfte das noch einmal zusätzliche Neugierde wecken – nämlich auf die zweite Staffel, die voraussichtlich im ersten Halbjahr 2020 bei Sky laufen wird.

Vor ziemlich genau drei Jahren haben Sie den Sender Sky 1 gestartet. Welche Erfahrungen haben Sie seither damit gesammelt?

Für uns war Sky 1 der erste Sender, der das Thema "Show und Entertainment" linear gebündelt hat, und wir sind noch immer wahnsinnig glücklich damit, auch wenn wir vereinzelte Produktionen wie "X Factor" nicht fortgesetzt haben. Wenn wir uns die gesamten Nutzungszahlen anschauen, die auch die On-Demand-Nutzung umfasst, dann ist Sky 1 der meistgenutzte Sender im Entertainment-Paket. Zudem waren die Hälfte der zehn meistgesehenen Sendungen des vergangenen Jahres auf Sky 1 nicht-fiktionale Produktionen, die auch in der Wiederholung eine ausgesprochen hohe Nutzung erreichen - wie beispielsweise der "Quatsch Comedy Club".

Ist neben dem "Quatsch Comedy Club", "MasterChef" und "Eine Liga für sich" auf absehbare Zeit ein weiterer Aufschlag geplant?

Das sind die drei Programm-Marken, die bereits nach kürzester Zeit von unseren Kunden eng mit Sky 1 verbunden werden. Deshalb setzen wir auch in Zukunft auf sie und zeigen darüber hinaus Spin-Offs: beispielsweise Weihnachts- und NFL-Specials von "Eine Liga für sich". Für "MasterChef", das momentan auf Sky 1 läuft, haben wir uns zudem einen ganz besonderen Leckerbissen ausgedacht. Nächstes Jahr wird es eine Celebrity-Staffel geben. Ich bin mir sicher, dass wir dadurch noch mehr Zuschauer ansprechen. Zudem möchten wir uns im Dokutainment ausprobieren und eine Reihe aufsetzen, in der es um starke und faszinierende prominente Frauen aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft geht, die wir über einen längeren Zeitraum begleiten. Sie sehen also, wir haben viel vor.

Alle sprechen von der On-Demand-Nutzung. Wie wichtig ist da eigentlich noch der lineare Sender?

Selbstverständlich wird On-Demand immer mehr an Bedeutung gewinnen. Aber es gibt noch immer eine sehr große Kundengruppe, die die linearen Sender sehr stark nutzt. Mein Job ist es daher, sowohl on Demand als auch linear ein optimales Angebot zusammenzustellen, das die unterschiedlichen Vorlieben und Nutzungsgewohnheiten all unserer Kunden optimal bedient. Ein linearer Sender bietet zudem eigene Möglichkeiten, zum Beispiel bei der Kuratierung von Inhalten. Das beste Beispiel hierfür ist unser neuer Sender Sky Cinema Special, eine Art kontinuierlicher Pop-Up-Channel mit wechselnden Schwerpunkten. Nach wenigen Wochen liegt der Sender bereits weit über unseren Erwartungen – ein klares Zeichen dafür, dass das lineare Fernsehen noch lange nicht tot ist. 

Dennoch werden in nächster Zeit neue Konkurrenten wie Disney oder Apple auf den Markt drängen. Ist Ihnen da nicht bange?

Nein, denn wir haben eine sehr unique Aufstellung im deutschen Markt. Wir unterscheiden uns schon deshalb von der Konkurrenz, weil wir der einzige Anbieter sind, der Sport, Fiktion und Entertainment unter einem Dach vereinigt und das über genau den Nutzungsweg, den der Kunde bevorzugt – sei es Sky Q oder Sky Ticket. 

Frau Walthelm, vielen Dank für das Gespräch.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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